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Gesetzesänderung
Brandenburg sucht 700 Kita-Erzieher

Brandenburg rüstet auf: Derzeit machen im Land 5.082 Menschen eine Erzieher-Ausbildung.
Brandenburg rüstet auf: Derzeit machen im Land 5.082 Menschen eine Erzieher-Ausbildung. © Foto: Monika Skolimowska/dpa
Mathias Hausding / 16.01.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 16.01.2020, 09:26
Potsdam (MOZ) Wie im Koalitionsvertrag zwischen SPD, CDU und Grünen vereinbart, soll in den Brandenburger Kitas ab dem 1. August ein verbesserter Personalschlüssel gelten. Statt wie bisher bei 1:11 soll die Erzieher-Kind-Relation dann bei 1:10 liegen. Das parlamentarische Verfahren für die erforderliche Änderung des Kita-Gesetzes laufe demnächst an, sagte Ministerin Britta Ernst (SPD) im Bildungsausschuss des Landtags.

Die Krux ist nun, das Personal zu finden. Schon jetzt ist immer wieder von unbesetzten Stellen die Rede. Das Ministerium rechne ab August mit einem Bedarf von 700 zusätzlichen Erziehern, erklärte Britta Ernst im Ausschuss. "Wir sind zuversichtlich, dass das bewältigt wird." Man beschäftige sich mit der Frage, wie die Erzieher-Ausbildung optimiert werden kann. Das sei auch deshalb nötig, weil die Koalition in dieser Legislaturperiode für den Krippen-Bereich ebenfalls eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels anstrebe. Um besser planen zu können, werde das Ministerium ab demnächst ähnlich wie bei den Lehrern mit einer Prognose zum Erzieherbedarf arbeiten.

Zum Stand in Sachen Ausbildung stellte die Ministerin den Fachpolitikern der Landtagsfraktionen eine Fülle von Daten vor. Demnach ist die Zahl der Erzieher-Azubis im Land in den vergangenen 20 Jahren von 665 auf derzeit 5082 gestiegen. Allein 1664 Frauen und Männer absolvieren derzeit das letzte von drei Ausbildungsjahren.

"Die Erzieherausbildung ist sehr beliebt", schlussfolgerte die Ministerin. Während hier die Zahlen steil nach oben gehen, habe sich die Zahl der Schüler in allen anderen Berufen seit der Jahrtausendwende unter dem Strich fast halbiert.

Allerdings handele es sich nicht um eine Erstausbildung im dualen System, sondern um eine Weiterbildung an einer Fachschule für Sozialwesen. Der Abschluss sei vergleichbar mit einem Bachelor und qualifiziere zur Arbeit in allen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe, betonte die Ministerin. Zugang erlange man mit einem Abschluss der 10. Klasse oder dem Abitur sowie gesammelter Berufserfahrung etwa über Praktika oder eine Ausbildung zum Sozialassistenten.

Besonders ist auch, dass die Ausbildung entweder in Vollzeit oder berufsbegleitend in Teilzeit gemacht werden kann, wofür sich derzeit 40 Prozent der Kandidaten entscheiden. Für diesen Weg "ist ein Arbeitsverhältnis mit mindestens der Hälfte der ortsüblichen Arbeitszeit erforderlich". Während die Vollzeit-Schüler mit BAföG-ähnlichen Finanzhilfen auskommen müssen, beziehen die Teilzeit-Studenten Gehalt.

"Das berufsbegleitende Modell in Brandenburg ist nicht nur wegen der finanziellen Absicherung vorbildlich, sondern auch wegen der guten Verzahnung von Theorie und Praxis", betonte die Ministerin. Noch offen sei indes die Schulgeld-Frage, räumte sie ein. So müssten manche angehenden Erzieher etwa an Schulen in freier Trägerschaft für ihre Ausbildung bezahlen. "Machen sie das, weil die Ausbildungsqualität dort besser ist oder mangelt es an Angeboten an den staatlichen Oberstufenzentren?", fragte die Ministerin. "Das müssen wir klären. Künftige Erzieher sollen nicht Geld mitbringen müssen, um sich ausbilden zu lassen."

Kritik von Elternvertretern

Kritisch wurde im Ausschuss darüber hinaus angemerkt, dass Schüler in berufsbegleitender Ausbildung auf den Personalschlüssel in den Kitas angerechnet werden. Das komme in den Kindergärten nicht gut an. In eine ähnliche Richtung gehen die Bedenken von Danilo Fischbach, Landeselternsprecher für den Kita-Bereich, mit Blick auf die zum 1. August angekündigten Verbesserungen. "Wir fordern, dass ein Mindeststandard für das Erzieher-Kind-Verhältnis festgelegt wird, der in der Praxis unter allen Umständen eingehalten werden muss", sagte Fischbach. Dafür sei eine Art Vertretungsreserve nötig. "Es darf nicht sein, dass sich eine Erzieherin um 20 oder 30 Kinder kümmern muss, wenn eine oder zwei Kolleginnen krankheitsbedingt ausfallen. Genau das ist aber leider vielerorts an der Tagesordnung", kritisierte der Elternvertreter.

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