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Vernachlässigtes Mädchen
Beweissicherung im Fokus der Staatsanwaltschaft

Im Fall des vernachlässigten Mädchens in Eberswalde hat die Staatsanwaltschaft die Patientenakte beschlagnahmt. (Symbolbild)
Im Fall des vernachlässigten Mädchens in Eberswalde hat die Staatsanwaltschaft die Patientenakte beschlagnahmt. (Symbolbild) © Foto: Matthias Hiekel/dpa
Ellen Werner / 16.01.2020, 06:30 Uhr - Aktualisiert 16.01.2020, 09:10
Eberswalde (MOZ) Der große Spielplatz im Park am Weidendamm ist an diesem Mittwochvormittag beinahe verwaist. Eine Mutter fängt ihren Sohn an der Rutsche ab – mit ihrem Baby auf dem Arm. Ob man sich hier kennt unter Eltern, könne sie nicht sagen.

Sie lebe zwar in der Gegend, aber zurückgezogen. Vom Fall des fünfjährigen Mädchens, das im Dezember vom Jugendamt Barnim aus seiner Familie geholt und stark verwahrlost ins Krankenhaus gebracht wurde,  habe sie nichts mitbekommen, sagt die junge Frau.

Keinerlei Informationen

Auf dem Spielplatz wird das Mädchen wohl auch selten gewesen sein, möglicherweise nie. Und doch soll es nach unbestätigten Hinweisen nur wenige hundert Meter entfernt von dort gelebt haben. Unter Berufung auf den Datenschutz gibt das Jugendamt keinerlei Informationen heraus, die auf die Eberswalder Familie schließen lassen. Auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), die wegen der Misshandlung Schutzbefohlener gegen die Eltern des Mädchens ermittelt, äußert sich nicht zu Personalien.

Jedoch sei am Dienstag die Patientenakte des Kindes aus dem Krankenhaus beschlagnahmt worden, bestätigt Staatsanwalt Ingo Kechichian. Angeordnet habe dies das Amtsgericht Frankfurt (Oder). Darüber hinaus hätten am Dienstag Beamte der Kriminalpolizei  die Wohnung der Eltern durchsucht. Sowohl die Mutter als auch den Vater der Fünfjährigen hätten die Beamten dabei angetroffen. Die Wohnung habe einen aufgeräumten Eindruck gemacht, sei aber abgedunkelt gewesen. Zugleich widerspricht Kechichian Medienberichten, wonach sich in der Wohnung keine Lebensmittel befunden hätten.

Den ersten Berichten aus dem Krankenhaus zufolge soll das Mädchen zwei Jahre lang kein Tageslicht gesehen haben und auf sich allein gestellt gewesen sein. Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD) hatte dies bei einer Pressekonferenz am Montag so nicht bestätigen wollen. Er sprach von Anzeichen von Unterernährung sowie Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten bei dem Kind.

Dies bestätigt Staatsanwalt Kechichian nach Sichtung der Patientenakte nun. Genauere Angaben etwa zum Körpergewicht des Kindes machte er jedoch nicht. Er schätzt es den Angaben nach als leicht bis mittelgradig untergewichtig ein. Geplant sei, die Fünfjährige durch einen rechtsmedizinischen Sachverständigen untersuchen zu lassen. "Davon erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse, um den Sachverhalt besser auswerten zu können", sagt Kechichian.

Der Durchsuchungsbericht werde erst im Laufe der Woche ausgewertet. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen. Im Fokus steht momentan die Beweissicherung", sagt Kechichian. Die Akten vom Jugendamt zu dem Fall liegen der Staatsanwaltschaft bislang nicht vor. Ihre Herausgabe habe das Amtsgericht nicht bewilligt.

Laut der Barnimer Kreisverwaltung war das vernachlässigte Mädchen am 20. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden. Inzwischen ist es entlassen und vom Jugendamt in Obhut genommen. Den Angaben zufolge versuchte die Behörde seit 2017, Kontakt zu der Familie aufzunehmen. Erst durch eine beim Amtsgericht Eberswalde erwirkte Familienhilfe soll dies ab November 2019 gelungen sein.

Zwei offenbar ältere Geschwister des Mädchens hat das Jugendamt ebenfalls in Obhut genommen. Auch um sie werde es in den weiteren Ermittlungen gehen, sagt Staatsanwalt Ingo Kechichian. Einen konkreten Tatvorwurf gebe es in ihrem Fall bislang jedoch nicht.

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