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Wirtschaft
Gebrannt in Friedrichswalde

Marco Marschall / 16.01.2020, 13:00 Uhr
Friedrichswalde (MOZ) In den 80er-Jahren sind sie im Reservat gelandet. So nennt Andreas Wolframm das Dorf, in dem er den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht hat und wo er noch heute lebt. Sein Unternehmen, das immerhin einen höheren sechsstelligen Betrag an Jahresumsatz verbucht, befindet sich aus Richtung Uckermark kommend kurz hinter dem Friedrichswalder Ortseingang. Ein Firmenschild ist von der Straße aus nicht erkennbar, nur der Verweis auf den Biergarten, den die Mutter des 42-jährigen Geschäftsführers von Porcelain Site Geschenkideen GmbH noch immer im Dorf betreibt.

Auf dem Gehöft hat der Gründer eine Manufaktur zur Veredelung von Porzellan, Keramik und Glas aufgebaut. Ein Werbeschild am Fahrbahnrand braucht er nicht. Seine Kunden finden ihn übers Internet. Paletten mit Glasflaschen stehen auf dem Hof. In einem der Gebäude steht Martina Brettschneider an einem Gravurlaser. Sie spannt Glastassen in die Maschine, die einen Husky-Kopf aufs Gefäß brennt.

In den Regalen stapeln sich Kartons mit Tassen und Gläsern. "Wir sind nach und nach gewachsen", sagt Andreas Wolframm. Der Friedrichwalder, der in Eberswalde Betriebswirtschaft studiert hat, hatte zu Beginn seiner Unternehmerkarriere, vor neun Jahren, nur einen Vertrieb für bedruckte Behältnisse. Seine Großmutter in Thüringen, wo die Familie herstammt, hatte dort in einer Porzellanmanufaktur gearbeitet. "Das fand ich immer interessant", so der Firmenchef, der nach Thüringen auch erste Kontakte in die Branche pflegte.

Anfangs keine Ahnung

Späte Lieferungen und Qualitätsprobleme seiner Auftragnehmer, so erläutert er, hätten dazu geführt, dass Wolframm die ersten Maschinen anschaffte, um Bilder und Schriftzüge selbst auf verschiedene Waren zu drucken. "Learning by doing, Trial and Error", sagt er – und Fehler seien anfangs viele gemacht worden. "Keiner von uns hatte Ahnung von Brennkurven und dergleichen."

Mittlerweile befindet sich auf dem Gehöft in Friedrichswalde eine komplette Fertigungskette. In einem hinteren Raum bedient ein Mitarbeiter einen Holzlaser. Ein leicht verkohlter Geruch kommt aus der Maschine, die nach und nach eine Whiskey-Box mit stilechtem Emblem versieht. Zurück über den Hof, in einem Flachbau, steht Mitarbeiterin Angela Hessel an einem Vakuumtisch und fertigt Abziehbilder im Siebdruckverfahren. Sie werden am Ende der Produktion auf Keramiktassen gebrannt. So geschehen auch bei den Tassen mit dem Motiv der Schinkelkirche, die es im Dezember auf dem Joachimsthaler Weihnachtsmarkt gab.

Doch die Auftraggeber der Firma kommen längst von weiter her. Kunden aus den USA haben sich Bierkrüge mit dem Logo des U.S. Marine Corps fertigen lassen. Und auch die US-Armee selbst hat bereits Gefäße bestellt. Meist sind es Geschenke für Soldaten, die in Deutschland stationiert waren. Für einen US-Offiziers-Ball der Militärbasis Ramstein hat Andreas Wolframm schon Stücke geliefert. Und zum Oktoberfest in der Deutschen Botschaft von Honduras gab es ebenfalls bedruckte Gefäße aus Friedrichswalde.

Bis zu 1000 Grad

Pharma-Unternehmen, Restaurants und Automobilkonzerne gehören zu den Kunden der Firma. Aber auch für private Feiern, wie Hochzeiten, wird Geschirr individuell bedruckt. "Eigentlich wäre eine Halle besser", sagt der Geschäftsführer über den Produktionsstandort. "Aber dafür müssen wir noch etwas Geld verdienen".

So bleibt die Fertigungskette auf mehrere Gebäude verteilt. In einem treffen wir Vater Rainer Wolframm (71), der mehrere Brennöfen bedient. Dort werden die Motive, die eine Mitarbeiterin zuvor per Hand aufs Geschirr gebracht hat, bei 800 bis 1000 Grad eingebrannt. Kratzfest und spülmaschinengeeignet. Das gilt zumindest für Keramik. Glasgravuren, die bei 500 bis 600 Grad gebrannt werden, sollten besser per Hand gesäubert werden.

Neun Mitarbeiter, davon zwei über die Lebenshilfe, sorgen für die reibungslose Produktion. Petra Hinz ist allein damit beschäftigt, die Waren versandfertig zu machen. 250 000 Teile, das meiste davon Tassen und Gläser, verlassen jährlich den Hof – 20 000 Pakete und zwischen 150 bis 200 Paletten. "Wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, merken wir das auch", sagt Andreas Wolframm. Schließlich seien seine Waren nichts, was unbedingt gebraucht wird. Derzeit scheint es aber viel zu tun zu geben im Reservat.

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