Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Medizinstudium in Polen
Brandenburg verweigert Ärzte-Zulassung

Ein Ärzteteam arbeitet in einem Operationssaal eines Krankenhauses. Im Schwedter Klinikum sind mehr als 30 polnische Ärzte tätig. (Symbolfoto)
Ein Ärzteteam arbeitet in einem Operationssaal eines Krankenhauses. Im Schwedter Klinikum sind mehr als 30 polnische Ärzte tätig. (Symbolfoto) © Foto: Sven Hoppe/dpa
Dietrich Schröder / 17.01.2020, 07:30 Uhr - Aktualisiert 17.01.2020, 07:42
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Asklepios Kliniken haben jungen Deutschen einen Weg eröffnet, um an der Universität Stettin das begehrte Fach zu belegen. Doch jetzt gibt es bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse Hürden.

In ganz Deutschland, aber insbesondere in den ländlichen Regionen, besteht Ärztemangel. Einerseits sind die hiesigen Kliniken weltweit auf der Suche nach Personal, andererseits haben junge Deutsche Probleme, hierzulande einen Medizin-Studienplatz zu ergattern, wenn sie nicht gerade die Abiturnote 1,0 vorweisen können.

Um dieses Dilemma zu lösen, hatte das Asklepios-Klinikum in Schwedt (Uckermark) 2013 eine Vereinbarung mit der Medizinischen Universität im polnischen Stettin geschlossen. "Wir sind seit Langem Praxispartner dieser renommierten Universität, derzeit kommen mehr als 30 unserer Ärzte aus Polen", sagt der Ärztliche Direktor des Klinikums, Professor Rüdiger Heicappell.

Doch nun ging es um deutsche Studenten, die in Polen Medizin studieren, so wie das manche auch in der Schweiz, Österreich oder anderen Ländern tun. Das neue Konzept bestand in einem kostenpflichtigen englischsprachigen Medizinstudium, dessen theoretischen Teil die jungen Deutschen an der grenznahen polnischen Uni absolvieren. Ihre praktischen Ausbildung fand dagegen in den  Asklepios-Kliniken in Schwedt, Prenzlau und Brandenburg/Havel statt.

Im Herbst 2013 hatten knapp 30 junge Deutsche ihr Studium in Stettin aufgenommen, sie kamen nicht nur aus Brandenburg oder Berlin, sondern auch aus vielen anderen Bundesländern. Mittlerweile befinden sich rund 100 junge Leute in der Ausbildung. Die ersten erfolgreichen Absolventen gab es 2019, fünf von ihnen waren fast entschlossen, am Klinikum in Schwedt als Ärzte zu arbeiten.

Das böse Erwachen kam, als das für die Approbation (Zulassung als Arzt) zuständige Brandenburgische Landesamt für Soziales und Versorgung (LASV) feststellte, dass der Stettiner Abschluss für eine Approbation nicht ausreiche. Das Problem besteht darin, dass von der polnischen Regierung im April 2019 zwei zusätzliche Bedingungen aufgestellt wurden, um im Nachbarland als Arzt zugelassen zu werden. Beide Zusatzbedingungen wurden auch in die Europäische Berufsanerkennungsrichtlinie eingebracht, über die die 28 EU-Staaten ihre Studienabschlüsse untereinander anerkennen.

Polen stellt Zusatzbedingungen

Die eine Zusatzbedingung ist ein 13-monatiges Praktikum, das in einer polnischen Klinik absolviert werden muss. Von Kritikern im Nachbarland wird dies als Maßnahme betrachtet, mit der das chronisch unterfinanzierte Gesundheitsministerium junge Ärzte eine Zeit lang kostengünstig beschäftigen kann. Die zweite Bedingung ist eine Prüfung in polnischem Medizinrecht und -ethik.

Mit der Begründung, dass sie diese beiden Bedingungen nicht erfüllt haben, erhielten die Bewerber für das Schwedter Klinikum bisher keine Zulassung als Ärzte in Brandenburg. "Doch damit, dass man in Brandenburg die Zulassung verweigert, ist es nicht genug", sagt ein Sprecher des Asklepios-Konzerns. Die hiesigen Behörden hätten  auch noch die zuständigen Behörden aller anderen Bundesländer auf das Problem hingewiesen. "Mittlerweile hängen in ganz Deutschland 20 Absolventen des Stettiner Studiums in der Luft", sagt Rüdiger Heicappell. Die jungen Mediziner, die im Durchschnitt 13 000 Euro für jedes Studienjahr bezahlten, seien genauso eiskalt getroffen worden, wie die Uni und die deutschen Kliniken. Asklepios verweist zwar darauf, dass man den Behördenkrieg für sinnlos hält und dass es für norwegische Medizin-Studierende in Polen bereits eine Sondervereinbarung gibt. Doch Norwegen ist bekanntlich kein EU-Mitgliedsland. In einem Fall kam es zu einer fast tragikomischen Situation: Ein Absolvent des Stettiner Studiengangs erhielt im Stadtstaat Hamburg eine Approbation als Arzt, noch bevor sich die Bedenken herumgesprochen hatten. Er arbeitet inzwischen im Schwedter Klinikum als Arzt. Ein Kollege, der genau das gleiche Studium absolviert hat, kann dagegen bisher nur als Hospitant tätig sein.

Der Asklepios-Konzern hat inzwischen erreicht, dass Vertreter des Warschauer Gesundheitsministeriums in zwei Briefen dem deutschen Gesundheitsministerium mitteilten, dass die Zusatzbedingungen nur für polnische Absolventen verpflichtend seien. In der vergangenen Woche hat sich auch der Gesundheitsausschuss des Landtags erstmals mit dem Problem beschäftigt. Die neue Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) betonte dabei, das man froh über die deutschen Bewerber mit polnischen Abschlüssen sei. Um deren Abschlüsse anzuerkennen, müsse jedoch "der Widerspruch in der Auslegung der EU-Richtlinie aufgelöst werden". Dafür wiederum brauche man Unterstützung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Spahn reist nach Warschau

Dieser wiederum hatte noch Anfang Dezember auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Jans Koeppen (CDU) aus der Uckermark geantwortet, dass die Approbation Sache der Bundesländer sei und sich deshalb "die Länder mit den polnischen Behörden über die Anerkennung" verständigen sollten.

"Die Absolventen drohen zu Opfern des Ping-Pongs verschiedener Behörden zu werden", kritisiert Professor Heicappel. Doch nachdem er sich vor Kurzem noch einmal persönlich an Bundesminister Spahn gewandt hatte, erhielt er von diesem nun eine hoffnungsvolle Nachricht. Denn Spahn versprach, die Angelegenheit mit seinem polnischen Amtskollegen Łukasz Szumowski besprechen zu wollen, den er am Montag in Warschau treffen wird. Einen von Spahns Staatssekretären hatte Ursula Nonnemacher am vergangenen Freitag auch telefonisch über die Problematik informiert.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG