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Festhalle
Zehdenick sucht bundesweit nach neuen Ideen

Auch Altes lässt sich nutzen: 2018 fand ein Graffiti-Workshop in der Großen Halle statt. Doch nun soll das Bauwerk abgerissen werden und Platz machen für Neues. Was das sein könnte, darüber herrscht Rätselraten.
Auch Altes lässt sich nutzen: 2018 fand ein Graffiti-Workshop in der Großen Halle statt. Doch nun soll das Bauwerk abgerissen werden und Platz machen für Neues. Was das sein könnte, darüber herrscht Rätselraten. © Foto: Thomas Pilz
Martin Risken / 17.01.2020, 20:45 Uhr
Zehdenick (MOZ) Die Mehrheit der Mitglieder des Fremdenverkehrsvereines Zehdenick ist für einen Abriss der Großen Halle auf dem neuen Festplatz in Zehdenick. Das ist das Ergebnis einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der der Vorstand am Donnerstagabend eingeladen hatte. Das Interesse ist aber weiterhin riesig, wie der volle Saal zeigte. Das Ergebnis entspricht dem, was die Fraktion "Gemeinsam für Zehdenick/FDP" beantragt hat und worüber am kommenden Mittwoch im Bauausschuss beraten werden soll. Doch so ganz geschlagen gibt sich die Stadtverwaltung Zehdenick noch nicht. Sie tritt mit einem Gegenvorschlag an.

Förderung ausgelaufen

Nach Angaben von Vize-Bürgermeister Dirk Wendland wird die Verwaltung die Offerte unterbreiten, eine ergebnisoffene Ausschreibung zu platzieren, und zwar bundesweit. Die Hoffnung ist, dass sich irgendwo in der Republik jemand finden wird, der eine zündende Idee für die ehemalige Werkhalle hat. Die meisten Touristiker aber favorisieren einen anderen Weg: Erst abreißen und dann überlegen, was mit der Brache passieren kann.

2020 kein Geld für den Abriss

Selbst wenn die Stadtverordneten im März für den Abriss stimmen sollten, in diesem Jahr wird die Halle eher nicht abgerissen, weil dafür kein Geld in den Haushalt eingestellt worden ist. Und der Abriss wird einiges kosten, davon ist Wendland überzeugt. Aufgehoben werden müsste durch die Abgeordneten zudem der Beschluss, die Halle zu einem Multifunktionsgebäude, ähnlich der Dreifelderhalle am Oberstufenzentrum, auszubauen. Allerdings: Fördermittel gibt es dafür zurzeit keine. Die Geldtöpfe, aus denen bislang die Gestaltung des neuen Festplatzes finanziert wurde, sind für die Stadt Zehdenick geschlossen worden, erfuhr die Verwaltung beim Fördermittelgeber.

"Habt doch einfach den Mut, die Halle stehen zu lassen", forderte ein Mitglied des Fremdenverkehrsvereins. Doch auch das könnte sich langfristig als teuer erweisen. Spätestens in zwei bis drei Jahren müssten Arbeiten zum Erhalt der Bausubstanz ausgeführt werden, sagte Ziegeleiparkchef Roy Lepschies, der sich mit alten Gemäuern auskennt.

Festhalle ein Zuschussgeschäft

Da sich laut dem Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, eine Festhalle für Zehdenick nicht rentieren wird, plädierte auch Fahrradhändler Ralph Riesenberg für den Abriss. "Die Halle stehen zu lassen, wäre eine Alternative, aber keine schöne." Zuhause handele er auch nach dem Grundsatz: "Alles, was ich nicht zweimal im Jahr benutze, schmeiße ich weg." Und sei die Halle erst mal weg, herrsche auch wieder Ruhe. Vereinsvorsitzender Waldemar Schulz erinnerte zudem daran, dass eine Multifunktionshalle, die mit Fördermitteln gebaut wird, 25 Jahre lang von der Kommune auch betrieben werden müsse. "Wir sollten den Weg freimachen für etwas Neues", verteidigte André Witzlau als Fraktionschef von GfZ/FDP den eingebrachten Antrag. Der Abriss eröffne neue Perspektiven. "Dann gibt es vielleicht auch wieder eine vernünftige Lösung", so Witzlau.

Nicht alle Mitglieder wollten jedoch in diesen Tenor einstimmen. "Die Halle hat schon Potenzial. Vielleicht muss man nur Geduld haben, bis ein tragfähiges Konzept vorliegt", argumentierte ein Mitglied. "Ein Konzept allein reicht nicht, es muss auch genügend Geld für die Betreibung vorhanden sein", stellte Waldemar Schulz fest. "Es ist schade um die Halle, wenn sie abgerissen wird. Denn sie ist eigentlich recht hübsch", zeigte sich Heike Thomas vom Thomashof aus Klein-Mutz ebenfalls als Fürsprecherin, während Schulz das Gebäude als "Relikt der DDR-Baukunst" verspottete, das sich aufgrund seiner Maße nicht einmal für bekannte Ballsportarten eigne. Der sogenannte Kopfbau, in dem früher Verwaltung, Umkleideräume und Duschen für die Arbeiter unterbracht waren, sei zudem sehr verbaut und kaum nutzbar. Das Votum der Vereinsmitglieder war am Ende eindeutig: 22 sprachen sich für den Abriss aus, zwei waren dagegen, zwei enthielten sich der Stimme.

Beschluss von 2018 nie umgesetzt

2018  hatten die Stadtverordneten mit knapper Mehrheit den Beschluss gefasst, die Große Halle auf dem Festplatz zu einem Mulitfunktionsgebäude auszubauen.

Dann trat Bürgermeister Arno Dahlenburg zurück und das Projekt geriet ins Stocken. 2019 passierte nichts, vor allem wegen der Wahl eines neuen Bürgermeisters und des neuen Stadtparlaments.⇥ris

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