Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tierseuche
Schießen gegen die Schweinepest

Effektive Maßnahme: Laut Amtstierärztin Petra Senger haben sich die Wildzäune, die vielerorts entlang der deutsch-polnischen Grenze errichtet wurden, bewährt.
Effektive Maßnahme: Laut Amtstierärztin Petra Senger haben sich die Wildzäune, die vielerorts entlang der deutsch-polnischen Grenze errichtet wurden, bewährt. © Foto: Patrick Pleul
Olaf Gardt / 17.01.2020, 21:34 Uhr
Beeskow (MOZ) Die Wildschutzzäune, die der Kreis an Neiße und Oder hat aufstellen lassen, um die Einwanderung von Wildschweinen aus Polen zu verhindern, haben sich aus Sicht von Amtstierärztin Petra Senger bewährt. "Wir hatten auch in unseren Reihen viele Zweifler", sagte sie auf der Sitzung des Kreislandwirtschaftsausschusses. Aber es seien seit dem Aufstellen der Zäune noch keine Schweine von Polen nach Deutschland gewechselt. In den ersten Tagen habe man zwar immer wieder Schäden an den Zäunen gehabt, weil Tiere hineingelaufen seien, das passiere jetzt aber nicht mehr. Mittlerweile gebe es mehr Zerstörungen durch Menschen als durch Tiere. Die Zäune würden dreimal am Tag kontrolliert.

Petra Senger erklärte auch noch einmal deren Funktionsweise. Strom mit hoher Spannung, Flatterbänder die Geräusche machen und abschreckende Duftstoffe würden für eine dreifache Wirkung sorgen. Beim Duft setzte man auf die Kombination von Ameisensäure, Puma-, Bären- und Menschenaroma.

Dennoch, so die Amtstierärztin, sei klar, dass die Zäune dem Land nur zusätzliche Zeit verschaffe. Wenn man eine echte Chance haben wolle, im Falle des Auftretens der Seuche diese zu begrenzen und einzudämmen, müsse man den Wildschweinbestand jetzt drastisch reduzieren. Die "verstärkte Jagd" müsse aber nicht nur für ein paar Wochen, sondern über einen langen Zeitraum erfolgen, machte sie vor dem Ausschuss klar. Das Beispiel Polen zeige, so Petra Senger, wie schwer die Eingrenzung der Seuche ist. Dort sei mittlerweile sogar das Militär bei der Jagd mit einbezogen, dennoch würden die Veterinäre täglich neue Schweinerotten entdecken, die der Seuche zum Opfer gefallen sind.

In Brandenburg aber werde die Dezimierung des Schweinebestandes nun von Leuten verlangt, für die die Jagd ein Hobby sei. Hinzu käme, dass die hier übliche Direktvermarktung des Wildfleisches auch an Grenzen stoße. "Das schafft man so nicht mehr".

Zudem brauche man viel mehr Leute für die Fallwildsuche. Effektive Ideen gibt es. So arbeite man mit hochsensiblen Wärmebildkameras, die an Drohnen montiert werden. Völlig ungeklärt sei aber, wer und wie verendete Tiere bergen könne. Der Ausschuss stimmte schließlich dafür, den Landrat zu beauftragen, in einem Schreiben an das Land mehr Unterstützung bei allen vorbeugenden Maßnahmen gegen die Schweinepest einzufordern.

Hilfe vom Land gefordert

Immerhin, die Zäune und deren Aufstellung hat das Land bezahlt. Petra Senger ist zudem dabei zu klären, ob eine Überwachung der Anlagen mit Wildkameras möglich ist. auch danach wurde im Ausschuss gefragt. Am Freitag hat das Land zudem die Schonzeit für das Wild eingeschränkt.

In Oder-Spree und etlichen anderen Kreises können auf Antrag bis Ende Januar bei Drückjagden auch Rotwild, Rehe, Mufflons und Damwild geschossen werden. Für diese Tiere gilt eigentlich seit Donnerstag die winterliche Schonzeit. Die Höhe der Wildpopulation und der "dramatische Zustand der Waldverjüngung", heißt es ein einer Presseinformation des zuständigen Landwirtschaftsministeriums, sprächen für die Maßnahme.

Kommentar: Gefahr für Westeuropa

ASP heißt das Damoklesschwert, das über dem Land hängt. Nicht am Rosshaar in diesem Falle, sondern an der Schweineborste. Die Gefahr aber ist dennoch groß. ASP steht für Afrikanische Schweinepest, eine Krankheit, die Wild- und Hausschweine in Windeseile dahinrafft und selbst dann wirtschaftlichen Schaden für die Bauern mit sich bringt, wenn der Auslöser, ein Virus, nicht selbst in die Ställe dringt.Denn tritt die Seuche auf, wird der Verkauf von Schweinefleisch schwierig. Ein Export ist praktisch nicht mehr möglich, die Verarbeitung in Brandenburg selbst funktioniert wegen fehlender Schlachtkapazitäten nicht. Hunderte Schweinehalter mussten in Ländern, in denen die Seuche auftrat, aufgeben.Ob sich die Infektion hiesiger Wildschweine durch Schutzzäune und Duftspray verhindern lässt, sei dahingestellt. Auf alle Fälle verschaffen die Schutzmaßnahmen (etwas) Zeit, die für eine intensive Jagd genutzt werden muss. Und für weitere Schutzmaßnahmen, beispielsweise die Sperrung von Wildbrücken über Autobahnen. Dabei muss das Land helfen. Denn wenn die Seuche nicht in Sachsen und Brandenburg aufgehalten werden kann, wird sie in kurzer Zeit ein Probleme für ganz Westeuropa.⇥Olaf Gardt

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG