Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Powerfrau
Dank polnischer Unternehmerin: Schlossruine wird zur Altersresidenz

Dietrich Schröder / 18.01.2020, 09:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Seinem Leben einen neuen Inhalt zu geben, davon träumt so manche(r) Frau oder Mann über 40. Doch nur wenige sind  so konsequent wie Joanna Martis. Ihr Schlüsselerlebnis hatte die aus der Gegend von Kattowitz stammende Polin bei einer Radtour, die sie 2014 mit Freunden aus Stettin in der Uckermark unternahm.

"Dabei kamen wir in Biesendahlshof vorbei." Der kleine Ort nordwestlich von Schwedt ist von der weitläufigen Endmoränenlandschaft mit ihren zahlreichen Seen, Wäldern und Feldern geprägt. Das für viele Orte typische Gutshaus trägt freilich schon die Züge eines Schlosses."Obwohl damals der uralte Putz von den grauen Wänden bröckelte, dachte ich sofort: Das wird meins!", berichtet die zierliche Frau. "Denn ich spürte: Dieses Schloss hat eine gute Seele." Das Gebäude, in dem sich zu DDR-Zeiten der Konsum, die Gemeindeverwaltung und sogar ein großes Gemeinschaftsbad befanden, war jedoch seit den 1990er-Jahren im Zerfall begriffen.

Joanna Martis brachte mehr über die interessante Geschichte des Hauses in Erfahrung: 1896 war es von Werner von Dewitz errichtet worden, dem damaligen Besitzer der Zeitung "Stettiner Generalanzeiger. Das Blatt aus der nur 40 Kilometer entfernten Großstadt war offenbar sehr einträglich. Doch weil das Schloss in der Nazizeit in den Besitz des Großindustriellen Gustav Krupp kam, ging es nach 1945 in "Volkseigentum" über.

Von Anfang an wollte Joanna Martis hier eine Seniorenresidenz einrichten. "Aber eine, in die die Bewohner auch ihre Möbel oder auch Haustiere mitbringen können", wie die Polin sagt. Wenn man behutsam bohrt, erfährt man mehr über ihre Motive. "Meine Eltern sind beide früh gestorben, ich konnte mich nie im Alter um sie kümmern", sagt die agile Frau. Stattdessen habe sie  sich in einer Männerwelt durchsetzen müssen.

In einem Krakauer Krankenhaus, in dem sie als Krankenschwester begann, habe sie sich bis zur Geschäftsführerin hochgearbeitet. "Als unsere bekannten Mediziner für ihre Leistungen gewürdigt wurden, habe ich gedacht: Und wer hat dafür die Voraussetzungen geschaffen?", berichtet sie. So sei ihr Antrieb entstanden, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Welche finanziellen Quellen sie nutzen konnte, will sie dann doch nicht im Detail verraten. Nur soviel: "Ich habe einen starken polnischen Partner". Mit dessen Unterstützung hat sie auch die "Bonus Domum" GmbH gegründet. Auf Deutsch heißt das: "Glückliches Haus".

Freilich hat sie in den vergangenen Jahren auch viel über Deutschland gelernt: "Zum einen, dass die Menschen hier im Ort viel freundlicher zu mir sind, als ich erwartet hatte", sagt sie. So manches Fest sei inzwischen in dem drei Hektar großen Schlosspark gefeiert worden. "Zum anderen aber, wie schrecklich kompliziert deutsche Behörden sein können", fügt sie hinzu.

Letzteres bestätigt der ehrenamtliche Ortsvorsteher Jan Berger, der schräg gegenüber vom Schloss wohnt. "Frau Martis hat wirklich kaum Unterstützung erhalten, musste stattdessen viel Lehrgeld zahlen", sagt er. Und dass sich so mancher alte Biesendahlshofer wundert, wie die kleine Powerfrau das durchhält.

Doch wenn man jetzt durch die 31 Apartments und die große Küche geht ("wir werden hier selbst kochen"), kann man sich vorstellen, wie wohl man sich hier fühlen kann. Noch sind die allerletzten Hürden nicht genommen, doch demnächst sollen die ersten Mitarbeiter aus der Umgebung eingestellt werden und im Frühjahr auch die ersten Bewohner kommen. Aus der "guten Seele des Hauses", die Joannna Martis schon vor sechs Jahren spürte, ist längst sie selber geworden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG