Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gigafactory in Grünheide
Demonstration gegen und für Tesla am Wochenende

Manja Wilde / 18.01.2020, 09:50 Uhr - Aktualisiert 19.01.2020, 14:18
Grünheide (MOZ) In Grünheide, wo der Automobil-Hersteller Tesla seine Gigafabrik bauen möchte, gab es am Sonnabend zwei Demonstrationen – eine für Tesla und eine gegen Tesla. 

Auf dem Marktplatz, direkt am Rathaus, demonstrierten, nach Polizeiangaben rund 200 Menschen gegen die Fabrik des US-Elektrobauers Tesla. Die Wasserversorgung, die Infrastruktur, die Rodung des Waldes und die Informationspolitik waren Kritikpunkte. "Keine Großfabrik im Wald" oder "Geheim verhandelt = Umwelt verschandelt" war auf den Plakaten zu lesen. "Wir sagen nein zur Zerstörung unseres Seentraums, wir sagen nein zur Entnahme unserer Trinkwasservorräte“, rief Frank Gersdorf, Mitinitiator der Bürgerinitiative gegen Tesla, den Versammelten zu. Das Gelände der geplanten Fabrik liege in einer Trinkwasserschutzzone.

Der Grünheider, der bereits gegen die knapp 20 Jahre zurückliegenden Ansiedlungspläne von BMW auf der gleichen Fläche protestiert hatte, forderte seine Zuhörer auf, sich die derzeit ausliegenden Unterlagen zum Tesla-Bauvorhaben anzusehen, Fragen zu stellen und Einwände zu formulieren. „Warum muss das alles so holterdiepolter gehen“, sagte ein Tesla-Gegner gegenüber dpa. Das gehe alles viel zu schnell. Ein anderer Demonstrant ergänzte: „Da kommt ein Milliardär aus den USA und wedelt mit den Geldscheinen und auf einmal ist in Brandenburg alles möglich“. 

This browser does not support the video element.

Video

Demo gegen und für Tesla-Gigafactory

Videothek öffnen

Zur gleichen Zeit hatten sich rund 50 Demonstranten, darunter Familien mit Kindern, an der rund 300 Meter entfernten Gaststätte Heydewirt am Peetzsee versammelt, um ein Zeichen für die Fabrik zu setzen. Die Polizei sprach von nur 30 Gegendemonstranten. Auf Transparenten stand „Elon, ich möchte ein Auto von Dir“ oder „Gestalten statt verhindern.“ Einige Bewohner aus Grünheide waren mit ihren Tesla-Fahrzeugen gekommen. „Es gibt viele Wege, etwas gegen den Klimawandel zu tun“, sagte Organisator Martin Hildebrandt. „Nichts zu tun, ist kein Weg.“

Unter den Befürwortern einer Tesla-Ansiedlung war auch Anke Kranhold, deren Familie seit vier Generationen in Grünheide lebt. „Ich selber habe Söhne und zwei Schwiegertöchter, die Ingenieure sind, vielleicht haben die ja künftig die Chance, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, statt nach Berlin zu pendeln“, sagte die 46-Jährige am Samstag. 

In Grünheide gebe es etwa 9000 Hektar Wald, sagte Kranhold weiter. Das Gelände, auf dem die Großfabrik von Tesla entstehen solle, sei 300 Hektar groß, das wären 3 Prozent der Fläche, rechnete sie vor. Zudem handele es sich um Nutzwald direkt zwischen Autobahn, Schiene und Landstraße, in dem ausschließlich Kiefern wachsen.

In Grünheide protestierten am 18. Januar rund 200 Menschen gegen die geplante Tesla-Fabrik; rund 50 gingen für die neue Fabrik auf die Straße
Bilderstrecke

Tesla-Demos

Bilderstrecke öffnen

Gegen Mittag zogen die Tesla-Gegner an den Tesla-Befürwortern vorbei. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Tesla uns das Wasser klaut", skandierten die einen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Tesla uns die Zukunft baut", erwiderten die anderen. Die Lage beruhigte sich anschließend wieder.

Mehr lesen: Gigafactory in Grünheide - Kritiker spazieren gegen Tesla-Fabrik

Etliche Grünheider schauten bei beiden Demonstrationen vorbei. „Ich bin hier, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass jemand etwas gegen die Fabrik hat“, sagte etwa Martina Scholz. Nun will sie beide Seiten hören und sich eine Meinung bilden.

Gegen 12.30 Uhr packten die Demonstranten ihre Plakate wieder ein und zogen ab.

Grünheides Bürgermeister Arne Christiani (parteilos) ließ sich weder auf der einen, noch auf der anderen Seite sehen, war aber im Rathaus. „Technisch ist alles lösbar“, sagte er zur angesprochenen Wasserproblematik. Am Donnerstag hatte der Wasserverband Strausberg-Erkner, dem Grünheide angehört, in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass er „umfangreiche und schwerwiegende Probleme“ mit der Trinkwasserver- und Schmutzwasserentsorgung im Zusammenhang mit der Fabrik auf sich zukommen sehe. Christiani hatte sich „irritiert“ über das Vorgehen des Verbandes gezeigt.

Mehr zum Thema: Schreiben zur Wasserversorgung von Tesla schlägt Wellen

In Grünheide bei Berlin sollen vom Sommer 2021 an Elektroautos der Typen Model 3 und Y gebaut werden. Der Vorstand hat den Kaufvertrag mit dem Land bisher noch nicht gebilligt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte dazu am Samstag der Deutschen Presse-Agentur, es könne sein, das Tesla noch auf ein weiteres Gutachten zum Kaufpreis warte.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) äußerte in der „Märkischen Oderzeitung“ (Samstag) Unverständnis für die Tesla-Skeptiker. Die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen, sei nicht überall gegeben, sagte er dem Blatt. „Wir haben eine große Beharrungsmentalität“. Die Leute wollten, dass ihre Kinder nicht mehr für gute Jobs wegziehen müssen. Es solle zu Hause gute Jobs geben - aber nicht in Form einer Fabrik, nicht vor der eigenen Haustür, so Steinbach.

Auch in den nächsten Tagen sollen die Demonstrationen von Tesla-Gegnern weitergehen, unter anderem mit einem Waldspaziergang. Von den Befürwortern hieß es hingegen, die Demonstration für Tesla sei eine einmalige Aktion gewesen, die ein Zeichen setzen sollte, dass Menschen im Ort den Autobauer willkommen heißen. (mit dpa)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG