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Linie 910
Ärger mit dem Pendler-Bus

Eile tut not: Um den Zug vielleicht doch noch zu schaffen, müssen sich Passagiere nach dem Ausstieg an der Bushaltestelle am Bahnhof Eberswalde ganz schön abhetzen.
Eile tut not: Um den Zug vielleicht doch noch zu schaffen, müssen sich Passagiere nach dem Ausstieg an der Bushaltestelle am Bahnhof Eberswalde ganz schön abhetzen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 22.01.2020, 21:39 Uhr
Eberswalde (MOZ) Große Hoffnungen waren mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember vor allem für die Buslinie 910 verbunden. Finowfurt und Eberswalde Südend verbindet sie seither in dichterem Takt – halbstündlich auch tagsüber und nicht wie zuvor nur zu den Stoßzeiten im Schülerverkehr. Außerdem bedient die Barnimer Busgesellschaft (BBG) mit der vormaligen Express-Verbindung nun auch alle Obus-Haltestellen im Stadtgebiet. Mit dem Einsatz der 910 als quasi dritte Obus-Linie lässt sich wochentags für Strippen-Fahrgäste im Zentrum so theoretisch sogar ein Fünf-Minuten-Takt erzielen.

Zahlreiche Beschwerden

In der Praxis aber wackelt dieser Plan gewaltig. "Das Konzept, das wir uns ausgedacht hatten, hat sich so nicht bewährt", räumt BBG-Verkehrsleiter Alexander Greifenberg nach massiven Beschwerden von Busnutzern ein. Vor allem Pendler, die nun häufig ihre Züge verpassen, klagen über zu knappe Umstiegszeiten am Bahnhof. Die Linie sei verspätungsanfällig, muss Greifenberg wohl auch vor dem Berufsverkehr kapitulieren. "Wir haben Probleme, die Züge nachmittags nach Berlin so anzubinden, dass man umsteigen kann." Auch die Anschlüsse aus Finowfurt am Morgen seien problematisch.

Wie viele Beschwerden den Kundenservice erreichten, kann der Verkehrsleiter nicht beziffern. "Aber es sind einige." Die Masse der Beschwerden sei aus Südend gekommen. Dort sind vor allem Mitarbeiter aus dem Behördenzentrum auf die Linie angewiesen.

Aus Finowfurter Sicht schildert Kathrin Lobmeier die Situation. Die Berlin-Pendlerin hat sich an die MOZ gewandt. "Das betrifft ja nicht nur mich, sondern unzählige andere Leute auch", sagt sie. Auf ihrer Strecke soll der Bus nun laut Plan in 17 Minuten mit elf Stopps vom Finowfurter Fachmarkt zum Eberswalder Hauptbahnhof gelangen. "Das schafft man nicht einmal mit dem Auto ohne jeden Zwischenstopp", moniert sie. Sie beklagt zudem spätere Abfahrtszeiten. Vor dem Fahrplanwechsel fuhr ihr Bus 7.24 Uhr am Fachmarkt ab. Nun hält er dort laut Plan 7.30 Uhr. Am Bahnhof bleiben so schon ohne Verspätungen nur sechs Minuten Umstiegszeit in den Berlinzug um 7.53 Uhr. "Wenn der Bus am Bahnhof ankommt, ist der RE3 weg", hat Kathrin Lobmeier festgestellt, die sich derzeit von ihrem Mann im Auto mitnehmen lässt und in Bernau auf Öffentliche umsteigt.

Neuer Fahrplan ab 10. Februar

Beschwert hat sie sich nicht nur bei der BBG, sondern auch bei der Kreisverwaltung. Nils-Friso Weber, dort für den Nahverkehr zuständig, räumt ein, "dass die Übergangszeiten am Bahnhof Eberswalde zu den Zügen des RE 3 nach Berlin zu knapp bemessen sind". Gemeinsam werde nach einer kurzfristigen Lösung gesucht und schnellstmöglich umgesetzt.

BBG-Verkehrschef Greifenberg zufolge bietet die kreiseigene Busgesellschaft bereits seit dem 6. Januar zusätzliche Fahrten mit der Linie 918 über Südend an. Als umfassenden Korrekturtermin nennt er den 10. Februar. "Da fassen wir den Fahrplan der 910 nochmal an." Dabei geht es laut Kreisverwaltung um drei Minuten frühere Abfahrtzeiten für die Anschlüsse an den RE 3.

Längerfristig sollen auf der Linie 910 ausschließlich Obusse mit leistungsstarken Batterien verkehren. Die kurzfristig geplanten neuen Abfahrtszeiten sind laut Verkehrschef Greifenberg demnächst auf der BBG-Homepage zu finden.

Kommentar: Begrüßenswerte Reaktion

Die Versuchung liegt nahe, die massiven Probleme für Pendler mit dem hohen Verkehrsaufkommen in Eberswalde zu erklären. Gerade auf dem Weg zur Arbeit oder in den Feierabend ist viel los auf den innerstädtischen Straßen. Wenn Stoßstange an Stoßstange klebt, haben darunter auch die Busfahrer zu leiden. Dennoch wäre es wenig zielführend,  das Dilemma nur damit zu erklären, dass Autofahrer auf der Heegermühler Straße seit Herbst 2016 nur noch mit einer Spur pro Richtung auskommen müssen. Solange gibt es an den dortigen Fahrbahnrändern die Schutzstreifen für Radfahrer bereits. Zur Wahrheit gehört: Durch dieses Angebot an die gegenüber den Autonutzern oft benachteiligten Pedalritter ist Eberswalde nicht zur Staustadt geworden.Vom vermeintlichen Heilsbringer Umgehungsstraße ist kaum Entlastung zu erwarten, wenn es die Verkehrsteilnehmer vornehmlich zu Zielen innerhalb Eberswaldes zieht.Wer weniger Autos in der Stadt will, muss den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen. Genau dies war das Ziel der Barnimer Busgesellschaft, als sie den Takt auf der Linie 910 verdichtet hat. Dass jetzt auf Kundenbeschwerden reagiert und nachgesteuert wird, ist zu begrüßen.⇥Sven Klamann

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