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Bildung
Unmut über Kürzung bei Schulsozialarbeit in Strausberg

Seit drei Jahren im Einsatz: Gina Studinski, hier vor einer Anleitung für Schüler, ist die Sozialarbeiterin der Grundschule am Wäldchen. Bisher hatte sie dort eine Vollzeitstelle. Zukünftig soll es für diesen Bereich nur noch eine halbe Stelle geben.
Seit drei Jahren im Einsatz: Gina Studinski, hier vor einer Anleitung für Schüler, ist die Sozialarbeiterin der Grundschule am Wäldchen. Bisher hatte sie dort eine Vollzeitstelle. Zukünftig soll es für diesen Bereich nur noch eine halbe Stelle geben. © Foto: Martin Stralau/MOZ
Martin Stralau / 23.01.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 23.01.2020, 08:53
Strausberg (MOZ) Die Grundschule am Wäldchen bangt um ihre Vollzeitstelle bei der Schulsozialarbeit. Strausberg sucht Hilfe beim Land.

Mit einem flammenden Appell hat sich Kerstin Pukrop, Leiterin der Grundschule am Wäldchen, kürzlich an die Mitglieder des Strausberger Bildungsausschusses gewandt, um für die Erhaltung der Vollzeitstelle im Bereich Schulsozialarbeit an ihrer Schule zu werben. Nach einem Beschluss im Hauptausschuss im Dezember war sie von der zuständigen Fachbereichsleiterin Gudrun Wolf darüber informiert worden, dass künftig – ab wann ist noch unklar – nur noch eine halbe Stelle finanziert werden soll.

Seither herrscht an der Schule Aufregung unter den Lehrern. Sie befürchten, dass die wertvolle Sozialarbeit, die Gina Studinski seit drei Jahren aufgebaut und umgesetzt hat, nur noch in Ansätzen aufrechterhalten werden kann. "Grundschulkinder brauchen Menschen, die täglich für sie ansprechbar sind. Gina Studinski war Anlaufpunkt für die Schüler, hörte sich ihre kleinen und großen Sorgen und ihre Wünsche vertrauensvoll und geduldig an. So erlebten die Kinder Vertrauen, Empathie und verlässliche Bindung", sagte Kerstin Pukrop. Sie sieht die Gefahr, dass das bei einer Stelle mit 20 Stunden pro Woche nicht mehr möglich ist.

Zum Hintergrund der Entscheidung: Derzeit ist im Bereich Schulsozialarbeit für die Stadt neben der Grundschule am Wäldchen auch für die Anne-Frank-Oberschule eine Vollzeitkraft tätig. Die Vorstadt- und die Grundschule am Annatal teilen sich eine Stelle, während die Lise-Meitner-Oberschule und die Hegermühlen-Grundschule als immerhin größte ihrer Art im Landkreis über gar keine Schulsozialarbeit verfügen. Der Kreis finanziert die Schulsozialarbeit an Oberschulen mit 100 Prozent, während die Stellen an den Grundschulen vom Kreis und von der Stadt bezahlt werden.

In den Gremien des Kreistags wird derzeit für die neue Förderperiode 2020/21 eine Beschlussvorlage diskutiert, die unter anderem für die Stadt Strausberg eine halbe Stelle mehr Schulsozialarbeit vorsieht, insgesamt also dreieinhalb. Gleichzeitig fordert der Landkreis aber, dass neben der Anne-Frank- auch die Lise-Meitner-Oberschule eine volle Stelle bekommt. Weil deswegen die Sozialarbeiterstelle der Grundschule am Wäldchen um die Hälfte gekürzt werden müsste, hatte die Stadt im Hauptausschuss ursprünglich beantragt, die zusätzlich benötigte halbe Stelle zu finanzieren. Der Hauptausschuss stimmte dem zwar zu, entschied sich aber dafür, diese halbe Stelle der bisher komplett unversorgten Hegermühlen-Grundschule zukommen zu lassen.

Kerstin Pukrop betonte im Ausschuss, wie wichtig die Schulsozialarbeiterin inzwischen nicht nur für die Kinder ist, sondern auch für deren Familien. "Unsere Schule liegt in einem Einzugsgebiet, in dem es viele Eltern gibt, die Probleme haben, ihren Alltag zu strukturieren, die Probleme haben, sich Hilfen zu organisieren." Hier habe Gina Studinski oft präventiv wirken und verschiedene Lösungen anbieten können. Eltern hätten diese Hilfe dankbar angenommen, weil sie nicht die Schule, sondern eine unabhängige Vertrauensperson vermittelt habe. "Ich wünsche mir zukünftig, dass Sie bei Entscheidungen, die Schulen betreffen, vorher mit uns ins Gespräch kommen, um nicht nur demokratische, sondern auch fachliche Informationen berücksichtigen zu können."

Gudrun Wolf sagte, sie wisse, dass das insgesamt keine gute Lösung und nur halbe Stellen Stückwerk seien. Allerdings betonte sie: "Auch etwas ist besser als nichts." Sie wehrte sich gegen den Vorwurf, dass diejenigen, die die Entscheidung getroffen hätten, keine Ahnung von Schulsozialarbeit haben. "Wir müssen schauen, wie wir gemeinsame Lösungen finden, um qualitativ hochwertig arbeiten zu können", richtete sie sich auch an die Kreistagsabgeordneten. Mit Bedauern stellte sie fest, dass ein Brief von Bürgermeisterin Elke Stadeler an Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst vom 8. November, in dem die Misere geschildert und um finanzielle Hilfe gebeten wurde, bisher unbeantwortet blieb. In dem Schreiben war darauf verwiesen worden, dass Brandenburg dem guten Beispiel des Landes Berlin folgen sollte, das festgelegt hat, spätestens ab 2021 an jeder Schule einen Sozialarbeiter einzusetzen.

Schule mit großem Hilfebedarf

Derzeit besuchen laut Stadt insgesamt 368 Schülerinnen und Schüler die Grundschule am Wäldchen. 19 haben einen anerkannten Förderbedarf, 16 Schülerinnen und Schüler aus sechs Nationen einen Migrationshintergrund, 26 Kinder bekommen Hilfen zur Erziehung und 73 sind von der Zuzahlung für Lernmittel befreit. 150 Schüler leben bei nur einem Elternteil. Zur Schulsozialarbeit gehört weit mehr als reine Projektarbeit wie Streitschlichtertrainings. Für Schulleiterin Kerstin Pukrop stehen die Beratung der Grundschüler und ihrer Eltern sowie das Angebot und die Vernetzung von Hilfen im Vordergrund. Daher sei es wichtig, dass die Sozialarbeiterin möglichst täglich vor Ort ist.⇥red

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