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Der Bildungsausschuss beriet über rund 35 Anträge.

Oder-Spree
Landkreis hat entschieden, welche Kulturprojekte 2020 gefördert werden

Witterung setzt ihm zu: Im August 2013 wurde das Wandgemälde zu Ehren von Ludwig Leichhardt in Trebatsch enthüllt. Für die geplante Sanierung hat man eine finanzielle Unterstützung beim Landkreis Oder-Spree beantragt.
Witterung setzt ihm zu: Im August 2013 wurde das Wandgemälde zu Ehren von Ludwig Leichhardt in Trebatsch enthüllt. Für die geplante Sanierung hat man eine finanzielle Unterstützung beim Landkreis Oder-Spree beantragt. © Foto: Jörn Tornow
Peggy Lohse / 23.01.2020, 18:00 Uhr - Aktualisiert 23.01.2020, 18:13
Beeskow (MOZ) Vor 172 Jahren machte sich der Naturforscher Ludwig Leichhardt aus Trebatsch auf den Weg, als erster Europäer den australischen Kontinent zu erforschen. Seine Expedition ist bis heute im Outback verschollen. Vor sieben Jahren wurde in seinem Heimatdorf ein Wandbild zu Ehren seiner Person und letzten Reisen enthüllt. Mittlerweile leidet der farbenfrohe Hingucker aber stark unter der Witterung. Darum möchte die Gesellschaft Ludwig-Leichhardt das Monumentalwerk nun erneuern. Kinder aus dem gesamten Landkreis Oder-Spree sollen dafür 1666 Fliesen bemalen, glasieren und brennen. Mit dieser Idee beantragte die Organisation Unterstützung aus der Kulturförderung des Landkreises.

Junge Zielgruppen erreichen

Über diesen und 34 weitere Anträge mit einem Fördervolumen von jeweils über 1500 Euro beriet der Kreisausschuss für Bildung, Kultur und Sport in seiner Sitzung am Dienstagabend in Beeskow. Auffällig sei, erläuterte Kulturamtsleiter Arnold Bischinger, dass die Antragslage am Berliner Rand, in Grünheide und Spreenhagen, sowie im Schlaubetal eher schwach sei. Aus Eisenhüttenstadt gebe es dieses Jahr mehr Anträge als vorher, aus Beeskow, Fürstenwalde und Storkow etwa gleich viel.

13 Anträge wurden detailliert erörtert, unter anderen der Trebatscher. Denn dabei waren Kulturamt und Kulturbeirat zu unterschiedlichen Vorschlägen gekommen. Das Kulturamt bewilligte einen Teil der beantragten Summe, der Kulturbeirat jedoch bezweifelte den kreativen und kulturellen Aspekt, wenn die Kinder das bereits existierende Bild tatsächlich nur reproduzieren sollten.

Gesprächsbedarf gab es auch zum Antrag vom Eisenhüttenstädter "Verein für subkulturelle und künstlerische Begegnung Steelbruch -20° e.V.", der im August über drei Tage das Festival "Subculture Holidays" (deutsch: Subkultur-Ferien) mit Bands der Musikrichtungen Punk, Ska und Hardcore auf und rund um die Freilichtbühne veranstalten wollen. Der 2008 gegründete Verein betreibt seit 2015 den Musikclub "Steelbruch" (englisch Steel für Stahl, gelesen wie Stilbruch). Er soll für das Festival die Hälfte der beantragten Summe, also 15 000 Euro, vom Kreis bekommen. Überzeugt hat den Ausschuss letztlich zum einen die hohen Eigenmittel von mehr als 70 000 Euro, zum anderen die außergewöhnliche Zielgruppe. Obwohl sich die Musik an eine Randgruppe richte, erreiche man mit der Veranstaltung jene jungen Leute, die sonst im Förderantragsprogramm gar nicht weiter berücksichtigt seien, betonte Bischinger.

Auch bei Anträgen der Fürstenwalder Kulturfabrik (KuFa) waren sich Kulturamt und Kulturbeirat uneinig gewesen, sodass der Ausschuss abstimmen musste, wo Schwerpunkte gesetzt werden. Am Ende wurden Kunstgespräche, Ausstellungen sowie Broschüren für Veranstaltungen und Workshops mit Schülern bewilligt. Die Einrichtung einer Kunst-Bibliothek jedoch nicht. Tradierte Reihen wie "Guitars and more" und "Stachat und seine Gäste" erhielten mehrheitlich abgestimmte Förderzusagen, obwohl kritisiert wurde, dass die KuFa in ihren Anträgen keine Eigenmittel vorsieht.

Ausnahme für Wandbild

Gemäß der aktuellen Kulturförderrichtlinie gibt es für Fördervolumen über 1500 Euro eine jährliche Antragsfrist Ende November, eine zusätzliche Halbjahresfrist im Mai für kleinere Beträge. Für das Projekt um das Trebatscher Leichhardt-Wandbild wird es eine Ausnahme geben: Das Kulturamt soll das Projekt mit den Organisatoren weiterentwickeln und diese mit späterer Bearbeitung nachträglich noch bis maximal 5000 Euro – je nach dem bis dahin errechneten Bedarf – beantragen können. Jener ausgleichende Vorschlag von Dr. Bernd Stiller wurde mit Erleichterung einstimmig angenommen. Ebenso die gesamte Förderliste: Am Ende der Sitzung hatte der Ausschuss 4800 Euro Kulturförderung mehr bewilligt als zuvor der Kulturbeirat.

Das Gesamtbudget der beantragten Projekte beträgt derweil mehr als 1,2 Millionen Euro, darunter sind mehrere Anträge mit Gesamtkosten über 100 000 Euro, zum Beispiel das Festival Alinae Lumr in Storkow und das Eisenbahntheater "Das letzte Kleinod" mit seinem Stück "Komme Bald!" über Kriegsheimkehrer aus sowjetischen Lagern.

Diese Kulturprojekte fördert der Kreis

Erstanträge: Stadtfeuerwehrverband Eisenhüttenstadt e.V. (130 Jahre Löschzug), Axel-Titzki-Stiftung (Musikfestival "Titzki"), Eisenbahntheater "Das Letzte Kleinod"("Komme bald!"), Storkower Singgemeinschaft 1970 e.V. (50. Chorjubiläum mit polnischem Projektchor), Steelbruch e.V. ("Subculture Holidays"), Woltersdorfer Kabinett e.V. (Radio "Sendebetrieb 202"Folgeanträge: InterKultur VielFarben e.V. (Laut & Leise 2020), Förderverein für Kirchenmusik Beeskow e.V. ("Musik in St. Marien"), Stadtforst Fürstenwalde (Rock für den Wald), Kammerchor Fürstenwalde "Geschwister Scholl" e.V. (Chor-Partnertreffen in Reinheim), format gGmbH ("Ermutigung"), Kulturfabrik Fürstenwalde gGmbh (Projekt der kulturellen Bildung des Kunstmuseums/Galerie im Alten Rathaus, "Goßmann für Kinder", "Liedermacher aus dem Osten", "Stachat und seine Gäste", "Guitars and more"), Stadt Müllrose/Amt Schlaubetal (Fotoatelier Ursula Raschke), Fürstenwalder Kulturverein e.V. (Jazztage und Jazzclub), Film ohne Grenzen e.V. (Festival mit Jugendprogramm), Förderverein Burg Beeskow e.V. (neue Dauerausstellung in Regionalmuseum), CTA Kulturverein Nord e.V. (Töpfern mobil, Netzwerk Kulturtourismus), Haus des Wandels e.V. ("Hibernate"), anderes Festival e.V. ("Jenseits von Millionen"), alinae lumr e.V. (Festival, Popup-Bar)⇥plo

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