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Inventur
Zähltag im Eberswalder Zoo

Ellen Werner / 24.01.2020, 19:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Boa Constrictor windet sich. Tierpfleger Uwe Fanke hat Mühe, sie im Einkaufsbeutel unterzubringen. Mit einer Greifzange hat er ihren Kopf etwas nach unten gedrückt, dann zugefasst und sie hinter dem Kopf fixiert. So kann das im Terrarium gegenüber der Besucherkasse untergebrachte Reptil ihn nicht beißen. Um das Gewicht der Schlange zu bestimmen, muss er schließlich doch einen Moment loslassen: 8,3 Kilogramm zeigt die Hängewaage an, die Fanke an den Beutelgriffen befestigt hat.

Wiegen, messen, zählen – das alles gehört dazu, wenn der Eberswalder Zoo einmal im Jahr große Inventur macht. "Wir versuchen auch immer, die Tiere in die Hand zu nehmen und zu streicheln", sagt Zoochef Bernd Hensch. Nur so lässt sich prüfen, ob sie wohlauf und nicht etwa abgemagert sind. Durch ein dickes Fell werde man oftmals getäuscht. "Die Alpakas zum Beispiel wirken doppelt so dick, wie sie sind", sagt Hensch.

Bären jetzt in Österreich

Bei diesem umfangreichen Zählappell, der stets mehrere Wochen zwischen Dezember und Januar andauert, ist die auch Abgottschlange genannte Boa keineswegs das schwierigste Tier. Eine Herausforderung sei es oft allein schon, die Tiere zu finden, berichtet Hensch. Und oft müssen Tricks her. Etwa wenn es um die verschiedenen Arten der Flughunde im Urwaldhaus geht. "Die füttern wir mit ihrem Lieblingsfutter, um zählen zu können, wie viele aus jeder Ritze kommen." Manche Tiere müsse man auch überraschen. Wie die Pinguine, die sofort ins Wasser springen. Wird einer zwecks Zählung und Vermessung mit Fisch angelockt, sind seine Artgenossen gleich vorsichtiger. "Also müssen wir möglichst alle auf einmal kriegen und mit mehreren Tierpflegern zu ihnen rein."

Die Jungtiere nicht mitgerechnet, hatte der Zoo um den Jahreswechsel herum insgesamt 1162 Tiere in 134 Arten in seinem Bestand – etwas weniger als ein Jahr zuvor, wo es vier Arten mehr und insgesamt 1241 Tiere waren. Nachwuchs hatte der Zoo 2019 über alle Arten hinweg 386 Mal zu verzeichnen. Die Jungtiere habe der Tierpark inzwischen alle abgegeben, viele in österreichische Zoos, nach Italien oder, wie im Fall des jungen Leoparden, nach Ungarn.

Einige erwachsene Tiere hat der Eberswalder Park ebenfalls abgegeben. So leben die Axis-Hirsche nun in Skandinavien, die zwei Braunbären hingegen im Tierpark Haag in Österreich. "Sie haben täglich riesengroße Löcher gebuddelt", begründet Zoochef Hensch ihren Umzug. Die Gefahr, dass Bäume umfallen oder die Bären durch umstürzende Gesteinsbrocken verletzt werden, sei zu groß geworden. "In Haag sind sie nun in einer wunderschönen großen Bärenanlage und können buddeln, soviel sie wollen." Zugleich hat der Zoo neue Arten wie Baumstachler und Sitatunga-Antilopen aufgenommen.

Doch nicht nur im Tierreich wird bei der Inventur Bilanz gezogen. Zahlen werden auch an der Besucherkasse und in der Futterküche erhoben. Eine macht selbst Hensch, der seit mehr als 30 Jahren die Geschicke des Tierparks lenkt, noch stolz: Genau 302 819 Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt, noch nicht eingerechnet die 7153 Kinder in der Zooschule. "Das ist ein absolutes Rekordergebnis!" Erstmals in der über 90-jährigen Geschichte habe der Zoo somit die 300 000er-Marke geknackt.

Geboren 2020: Sieben Zicklein

Imposant sind auch die Zahlen aus der Futterküche: So vertilgten die Zootiere in den zurückliegenden zwölf Monaten unter anderem 13 Tonnen Rindfleisch, zehn Tonnen Rote Bete, 6600 Eier, 1500 Kilogramm Hering, 23 200 Bunde Heu und 5000 Wüstenheuschrecken.

Bei den jüngsten Neuzugängen, die wohl schon in die Jungtierliste für 2020 eingehen, steht aber noch Mutter-, sprich: Ziegenmilch auf dem Speiseplan. Anfang Januar kamen die sieben Ziegenbabys vom Streichelzoo zur Welt. Ob es den Tieren gut geht, weiß Tierpflegerin Bianka Töpperwien ganz ohne Waage. "Bei dir ist alles in Ordnung, stimmt’s?", ruft sie einem Drilling zu.

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