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Gigafactory
Emotionaler Info-Abend zur Tesla-Ansiedlung

Mathias Hausding / 24.01.2020, 21:01 Uhr - Aktualisiert 24.01.2020, 21:22
Grünheide (MOZ) Nach sieben Minuten ist zum ersten Mal Stimmung im Saal. "Wenn das Werk kommt, wird die Natur hier so nicht mehr existieren. Mein ganzes Leben wird zerstört", ruft eine Anwohnerin. "Wir werden nach Geheimverhandlungen vor vollendete Tatsachen gestellt", findet eine andere Bürgerin. Bravo-Rufe.

Lauter Beifall. Die Antwort des Ministers: "Nein, das ist Fantasie. Hier wird nichts zerstört. Und Gewerbegebiet bleibt Gewerbegebiet." Zu den Geheimverhandlungen sagt er: "Wenn in Ihrer Nachbarschaft ein Grundstück verkauft wird, erfahren Sie auch nicht vorab, wer der Käufer sein wird." Wieder lauter Beifall.

Klarer Fall – Gegner und Befürworter der Tesla-Ansiedlung sind in der Aula der "Docemus"-Schulen in Grünheide bunt gemischt. Die Gemeinde hat am Freitag zu einem Info-Abend geladen. Die Bestuhlung in der Aula wurde kurzerhand verdoppelt. Fast alle der 400 Plätze sind um 19 Uhr besetzt, als der Grünheider Bürgermeister Arne Christiani die Diskussion über die "hoffentlich erfolgreiche" Ansiedlung eröffnet. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) ist an diesem Abend zum 4. Mal in Tesla-Angelegenheiten nach Grünheide gereist. "Heute ist es besonders wichtig, weil die Gerüchteküche brodelt. Es kursieren die abenteuerlichsten Geschichten. Ich möchte entemotionalisieren."

Nach der kurzen Einführung haben die Bürger im Saal das Wort. Das Wasser, der Wald, die Verkehrsbelastung, der Grundstücksverkauf, die Tariftreue von Tesla – es kommt alles zur Sprache, was bereits seit einigen Wochen intensiv diskutiert wird. "Notwendige Investitionen für die Wasserbeschaffung werden nicht auf die Bürger abgewälzt", stellt Steinbach klar. "Der zu rodende Wald ist Kiefernforst der schlechtesten Kategorie. Durch die Wiederaufforstung mit Mischwald ist das netto ein ökologischer Gewinn", sagt er. Das beschert ihm laute Buh-Rufe. Steinbach geht einfach zum nächsten Thema: Dass Tesla das Areal zu einem Dumpingpreis kaufe, sei ein Märchen. Der Preis werde mehrfach kontrolliert. Auch die EU achte darauf, dass dahinter keine versteckte Subvention für den US-Autobauer stecke. "Und Grünheide darf sich auf 6,3 Prozent Grunderwerbssteuer freuen."

Tariftreue könne, aber müsse bei einer solchen Ansiedlung nicht maximale Priorität haben, sagt der Minister weiter. Und nochmal zu den Verhandlungen, da eine Fragestellerin den Fabrikstandort Grünheide für falsch hält: "Als ganz Europa sich um die Fabrik bewerben konnte, haben wir vier Standorte vorgeschlagen. Der Käufer bestimmt, was er kaufen will." Er selbst habe sich Ende September 2019 erstmals mit dem ernsthaften Interesse von Tesla befasst. Die Verkehrsbelastung sei ein ernstes Problem, an dem die Regierung aber dran sei. Natürlich müsse es mehr Buslinien gebe, einen besseren Bahntakt und zusätzliche Straßen. Dass der Lkw-Verkehr zunehmen werde, sei nicht zu verhindern. Dafür sei die Tesla-Ansiedlung eben eine einmalige Chance für die Region.

Die Stimmung im Saal bleibt über die rund zwei Stunden lebhaft. Es ist aber zu spüren, dass fast alle wirklich an Informationen interessiert sind. Unsachliche Zwischenrufe werden vom Publikum mit Missfallensbekundungen quittiert. Steinbach fordert auch mal lautstark ein, dass man ihm bitte gut zuhören möge. Dann meldet sich der Bürgermeister noch einmal zu Wort: "Vor 20 Jahren haben wir diesen Bebauungsplan für eine Autoindustrie-Ansiedlung gemacht. Seitdem warten wir darauf, dass das geschieht. Wir haben jetzt endlich die Chance, jungen Leuten eine Perspektive zu geben, sie hier zu halten oder zurückzuholen."

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Ralf H. Janetschek 25.01.2020 - 14:24:20

TESLA's Börsenwert

„Der Elektroautohersteller Tesla hat den weltgrößten Autohersteller Volkswagen beim Börsenwert überholt. Ein seit Dezember anhaltender Höhenflug ließ den Wert der Tesla-Aktie zuletzt um fast fünf Prozent steigen. Mit dem Rekordwert von mehr als 570 Dollar pro Aktie durchbrach der Börsenwert damit erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar. Damit überholte das Unternehmen den bisher zweitwertvollsten Autohersteller Volkswagen. Volkswagen wird derzeit an der Börse mit umgerechnet 99,8 Milliarden Dollar bewertet. Volkswagen ist nach Absatzzahlen der weltgrößte Autohersteller.“ Wie absurd das ist, zeigt sich an den Unternehmenskennzahlen. Der Umsatz von VW betrug 2018 fast 236 Milliarden Euro, der Gewinn fast 12 Milliarden. Der Umsatz von Tesla lag 2018 bei ca. 21,5 Milliarden und der Gewinn betrug…, sorry, es gab ja keinen. Der Verlust belief sich auf fast eine Milliarde. Und bei den Bilanzen war es noch deutlicher. VW hatte 2018 eine Bilanzsumme von 458 Milliarden und Tesla weniger als 30 Milliarden. Aber Tesla ist jetzt über 100 Milliarden wert, sagen die Börsianer.

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