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Gesundheit
Zu wenig Kurzzeitpflegeplätze in der Uckermark

Diskussionsrunde zur Pflege: Christin Walsh, Staatssekretär Michael Ranft, die Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche und Ellen Fährmann (v. l.) sprachen über ihre Erfahrungen und Vorschläge zur Verbesserung der Versorgungssicherheit.
Diskussionsrunde zur Pflege: Christin Walsh, Staatssekretär Michael Ranft, die Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche und Ellen Fährmann (v. l.) sprachen über ihre Erfahrungen und Vorschläge zur Verbesserung der Versorgungssicherheit. © Foto: Kerstin Unger
Kerstin Unger / 24.01.2020, 21:19 Uhr
Angermünde (MOZ) Positiv überrascht war die Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche von den sehr modernen Reha- und Pflegeeinrichtungen, die sie bei ihrem Besuch in Angermünde kennenlernte. Die Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Fraktion B90/Grüne besichtigte gemeinsam mit Michael Ranft, Staatssekretär im brandenburgischen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, die GLG-Fachklinik Wolletz und den neuen GLG- Pflegecampus. Am Abend standen sie in einer Diskussionsrunde zum Thema Versorgungs-­sicherheit in der Pflege Rede und Antwort. Daran nahmen auch die Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Ellen Fährmann aus Angermünde, und die Verwaltungsdirektorin der Wolletzer Klinik, Christin Walsh, teil. Moderator Christof Lawall stellte Fragen, die sowohl Betroffene als auch Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen bewegen.

Pflegebedürftigkeit verhindern

Mit der Lebenserwartung steigt auch in Brandenburg und der Uckermark die Zahl der Pflegebedürftigen. Der Bedarf an Pflegekräften und -plätzen wird größer. Daran arbeiten die Bundes- und Landesregierung, doch die Realität offenbart Mängel, die mit neuen Gesetzen nicht beseitigt werden. Es fehlen junge Leute, die in die Pflege gehen wollen, erklärte Kordula Schulz-Asche. Man brauche eine starke kommunale Ebene, die dafür sorgt, Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Einsamkeit sei der schlimmste Faktor.

Dieser Ansatz werde in Angermünde schon umgesetzt mit Begegnungseinrichtungen, Pflegeberatung und Quartiersmanagement. Kurzzeit- und Tagespflege ermöglichen es, länger in gewohnter Umgebung zu bleiben und Angehörige zu entlasten. "Wir brauchen auch ein viel besseres System der Fort- und Weiterbildung", sagte die Bundestagsabgeordnete. Beschäftigte in der Pflege hätten einen schweren Job, den man nicht 40 Jahre lang machen könne. Deshalb müsse es Qualifizierungen für andere Tätigkeiten in der Branche geben. Das koste Geld. Bisher bedeute jede Verbesserung der Qualität einen sprunghaften Anstieg des Eigenanteils der zu Pflegenden.

Zeitweise Notstand

Staatssekretär Michael Ranft verwies auf den Pakt für Pflege, den die neue Landesregierung geschlossen hat, damit Menschen in Würde altern und dort gepflegt werden können, wo sie leben. Alle Beteiligten müssten an einem Strang ziehen. "Das Land muss 30 Millionen Euro im Jahr in die Hand nehmen, damit Angehörige einen Pflegedienst finden, wo es Fachkräfte gibt. Das ist die originäre Aufgabe des Landes", meinte er. Kommunen müssten besser ausgestattet werden, um planen zu können und Möglichkeiten der Altenhilfe vor Ort vorhalten zu können. Mehrfach wünschten sich in der Diskussion Schichtarbeiter in der Pflege auch günstigere Kita-Schließzeiten.

Ellen Fährmann berichtete, dass der Bedarf bei Kurzzeitpflegeeinrichtungen immens ist. In der Uckermark gebe es 5500 Pflegegeldempfänger, aber ganze 22 Kurzzeitpflegeplätze. "Wir haben Notstand, wenn ein Patient aus dem Krankenhaus kommt." Wenn man jemanden 100 Kilometer weg vom Umfeld unterbringen muss, habe der kaum Kontakt zu den Angehörigen. "Wir wollen, dass die Angehörigen möglichst lange pflegen, sonst würden wir am Personalbedarf kapitulieren", sagte Ellen Fährmann.

Die Verwaltungschefin der Fachklinik Wolletz, Christin Walsh, berichtete über Diskussionen mit Kostenträgern, wenn es um die Finanzierung nachsorgender Einrichtungen geht. "Wir versuchen, über die Arbeitsbedingungen und zusätzliche Leistungen einiges abzufedern", sagt sie. Auch wenn die Bezahlung wichtig sei, könne man nicht alles mit Geld machen.

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