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Schach
Wo Kinder über Läufer und König grübeln

Roland Becker / 24.01.2020, 22:00 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Ich habe schon im Kindergarten Schach gespielt." Dass sich der frühe Start gelohnt hat, bewies Anthony am Donnerstag in der Adolph-Diesterweg-Oberschule. Beim achten Hennigsdorfer Schach-Schülercup siegte der Zweitklässler in einer der Vorrunden gegen eine Schülerin der achten Klasse. Am Ende des Tages errang er den 22. von 61 Plätzen.

"Ich möchte, dass Schach bekannter wird. Und ich möchte die Schachspieler an meiner Schule haben." Rektor Frank Hering ist selbst passionierter Spieler bei den Leegebrucher Schachfreunden, auch wenn er sein Talent ein wenig unter den Scheffel stellt. "Ich spiele nicht so oft. Es gibt deutlich Stärkere als mich." Am Sonntag wird er dennoch wieder ein Punktspiel für seinen Verein bestreiten.

Dass das mit der Werbung für seine Schule klappt, beweisen Leon und Wayne. Die beiden Sechstklässler der Grundschule Nord stehen gemeinsam mit ihren Eltern gerade vor der Entscheidung, welche weiterführende Schule sie ab dem Spätsommer besuchen wollen. "Ich glaube, ich nehme die Diesterweg-Schule", meint Leon, und auch für Wayne ist das bereits eine ausgemachte Sache. Die beiden künftigen Diesterweg-Schüler nutzen gleich mal die Chance, Rektor Hering zu fragen, ob sie auch gemeinsam in eine Klasse kommen. Bei aller Freude über den am Schachsport begeisterten Nachwuchs, dieses Versprechen kann der Rektor noch nicht abgeben.

Glaubt man den Jugen, dann ist es ein Kinderspiel, das Denkspiel zu erlernen. "Ich habe ein Heft gesehen, habe das gelesen und die Aufgaben alle geschafft. Ich habe auch einen Schachführerschein", erzählt der elfjährige Leon. Das Turnier mache ihm richtig Spaß: "Ich habe gerade ein gutes Gefühl. Aber auch, wenn ich verliere, ist das nicht schlimm." Besonderen Spaß mache ihm eine Rochade. Dem im Schach unkundigen Redakteur wird der spezielle Zug auf dem Brett als ein solcher erklärt, bei dem König und Turm auf einmal gezogen werden, zum Beispiel, um den König auf ein sicheres Feld zu stellen. Sein Freund Wayne hat "ein bisschen zugeguckt, wie meine Mama mit meinem Bruder gespielt hat." Dabei habe er die Schachzüge nach und nach gelernt. Jetzt kann er behaupten: "Ich besiege immer meine Mama." In einen Schachverein möchte er, zu Frank Herings Verdruss, nicht eintreten. Seine Begründung: "Weil ich Freizeit haben möchte." Die Schul-AG würde ihm reichen.

Zwischen all den fachlichen Plaudereien muss der Rektor und Schachfreund immer mal die verschiedenen Klassenräume aufsuchen, um dort die nächste Runde einzuläuten. Die Organisation war in diesem Jahr gar nicht so einfach. "Ich habe alle Hennigsdorfer Grund- und Oberschulen eingeladen, dazu die Schulen in Bötzow, Vehelfanz und Leegebruch." Zwar haben nur fünf Schulen Teilnehmer geschickt, und die Vehlefanzer sind die einzigen von außerhalb. Aber mit 61 Jungen und Mädchen wurde ein Rekord erzielt. "Sonst waren es nur um die 40", erinnert sich Frank Hering. Um die Organisation zu bewältigen, helfen Freunde seines Schachclubs, darunter Nikolas Nimptsch. Pro Partie hat jeder bis zu zehn Minuten Bedenkzeit. Das Turnier geht über sieben Runden. "Wir losen immer wieder neu aus, wobei immer die Sieger zweier Duelle in der nächsten Runde aufeinandertreffen", erläutert Hering. Zwar wird in Altersklassen gespielt. Aber eigentlich, so Hering, sei das fast egal: "Ich hatte schon mal einen Zweitklässler, der hat gegen jemanden aus der zwölften Klasse gewonnen."

Die Gewinnerder Pokale

Klassen 5/6: 1. Ömer Aydin, 2. Jendrick Launhardt (beide Fontane-Grundschule), 3. Jakob Cesal, Biberschule

Klasse 7/8: 1.  Justus Karkosch, 2. Adrian Franke, 3. Seif Mubarak (alle Diesterweg-Oberschule)Klasse 9/10: 1.  Florian Illner, 2. Jacob Flores, 3.  Maryam Amim (alle Diesterweg-Oberschule)⇥rol

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