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Nachbar-Ärger
Säge, Schippe und Basecap als Beute

Immer wieder verschwinden Dinge: Mark Nöthel (l.) vor seinem Haus mit seinem Nachbarn Ferdinand Rochlitz
Immer wieder verschwinden Dinge: Mark Nöthel (l.) vor seinem Haus mit seinem Nachbarn Ferdinand Rochlitz © Foto: Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 28.01.2020, 06:00 Uhr
Reichenwalde (MOZ) Eines Tages war der Roller ihres Sohnes weg. Ein anderes Mal fehlt auf einmal eine Säge aus dem Haushalt von Mark und Heike Nöthel, dann eine Plane und eine Gartenschere. Ihre Nachbarn Ferdinand und Corinna Rochlitz vermissen  eine Baseballkappe und eine Schippe. Die beiden Ehepaare leben in der Habichtstraße in Reichenwalde, im Neubaugebiet Am Mühlenberg. Seit gut zehn Jahren existiert in einem der dortigen Häuser auch die Wohngruppe "Janusz" des gemeinnützigen Trägers EJF. Platz haben dort sieben Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 13 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihren Familien leben können.

"Früher gab es nie Probleme", sagt Mark Nöthel. Nun aber haben er und seine Nachbarn einen Jungen aus der Einrichtung im Verdacht, für das Verschwinden ihrer Gegenstände verantwortlich zu sein. Einmal, so Nöthel, habe er den Jungen auf den Aufnahmen der Überwachungskamera seines Hauses entdeckt. Auch weitere Nachbarn seien von Diebstählen betroffen. Dabei seien diese Taten nicht das einzige Problem. "Der Junge tritt äußerst aggressiv auf", sagt Nöthel. "Wir leben in Angst und Schrecken", ergänzt Ferdinand Rochlitz. Die beiden berichten auch von der Sorge, es könne eines Tages zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen.

Bei der Polizei liegen laut Nöthel bereits rund 30 Anzeigen vor. Die Pressestelle der Direktion Ost bestätigte die Vorfälle am Montag. Es handele sich um einen elf Jahre alten Jungen, der bereits seit dem vergangenen Jahr mehrfach aufgefallen sei. Obwohl der Junge noch nicht strafmündig ist, handele die Polizei in derartigen Fällen, schildert Sprecher Stefan Möhwald. Im Beisein der Sorgeberechtigten könnten dennoch Befragungen zum Tatgeschehen stattfinden. Diese sollten eine erzieherische Wirkungen entfalten, um nach Möglichkeit dem Start in eine kriminelle Karriere zuvorzukommen.

Personelle Unterstützung

Nöthel berichtet unterdessen von Versuchen auf anderer Ebene, das Treiben zu beenden. Gespräche mit den Mitarbeitern des EJF in Reichenwalde hätten aber keine Veränderung gebracht. Das EJF wollte sich unter Hinweis auf Datenschutz nicht im Detail zu den Vorfällen äußern, bestätigte diese aber indirekt. Man sei im Austausch mit dem Jugendamt und der Gemeinde, um "eine für alle Beteiligten gute Lösung der aktuellen Situation zu finden", so EJF-Sprecherin Katrin Wilcken. Ähnlich äußerte sich die Kreisverwaltung in Beeskow. Das Jugendamt nehme die Situationsbeschreibung der Anwohner ernst und sei mit dem Träger der Wohngruppe in einem intensiven Austausch, wie jetzt aufgetretene Konflikte ausgeräumt werden können. Auch konkrete Maßnahmen sind offenbar in Arbeit. Kreissprecher Mario Behnke sprach von "zusätzlicher personeller Unterstützung", um die Situation rasch zu überwinden.

Sein Diebesgut lagert der Junge teilweise in der Umgebung des Wohnviertels, wie Mark Nöthel erzählt. "Den Roller habe ich wieder", sagt er. Seine Säge aber sei nach wie vor verschwunden.

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C Hartmann 31.01.2020 - 22:12:45

Anonymität des Kindes schützen

Sehr geehrter Herr Schwiete, es ist schrecklich wenn im eigenen Wohnumfeld ein oder mehrere Diebe ihr Unwesen treiben. Die Straffälligkeit von minderjährigen Kindern und der Umgang damit ist ein sehr interessantes und wichtiges Thema über das es sich zu Schreiben und Diskutieren lohnt. Was ich aber bedauere ist, dass in ihrem Artikel die Anonymität des beschuldigten Kindes meiner Meinung nach nicht gewährleistet ist. Die Beschreibung der Wohngegend, die Nennung der Wohngruppe mit ganzen sieben Kindern, und die Nennung des Alters und Geschlechts dürften wohl nicht nur für die Menschen aus der Wohngegend, sondern auch Mitschüler und Lehrer etc. ahnen lassen um wen es sich handelt. Schade.

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