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PHK Karsten Hirsch in Barnewitz
Wenn falsche Polizisten klingeln

Mit dem Aufsteller "Achtung falsche Polizeibeamte" zeigt Hauptkommissar Karsten Hirsch, wie Bürger Betrügern auf die Schliche kommen können.
Mit dem Aufsteller "Achtung falsche Polizeibeamte" zeigt Hauptkommissar Karsten Hirsch, wie Bürger Betrügern auf die Schliche kommen können. © Foto: Manuela Bohm
Manuela Bohm / 29.01.2020, 09:00 Uhr
Barnewitz (MOZ) Medial machen ältere Havelländer mitunter die Runde, wenn sie auf betrügerische Maschen reingefallen sind. Als mutmaßliche Polizisten haben sich die Täter womöglich ausgegeben, haben  ihre Opfer in eine  sogenannte "Schleife" aus Angst und abstruser Legende gefangen, und sie um ihr Erspartes zu erleichtern. In Barnewitz erklärte ein echter Beamter, Polizeihauptkommissar (PHK) Karsten Hirsch, woran Bürger einen echten Polizisten überhaupt erkennen.

"Auf der Straße sind Sie aufgrund Ihrer Lebenserfahrung sicher. Befinden sich mehrere junge Personen vor der Bank, gehen sie sicher nicht allein hinein, um Geld abzuheben", so Hirsch, der als Koordinator des Sachgebiets Prävention zur Informationsveranstaltung eingeladen war. Es handelte sich um eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts zur Senkung der Pflegeprävalenz.

"Doch am Telefon oder an der Haustür werden viele, vor allem ältere Menschen zu Opfern von Betrügern. Sie nutzen ihre gute Kinderstube und den Respekt vor Amtspersonen dabei aus", nährte sich Hirsch jenen Betrugsversuchen, die Haustüren oder Telefonen beginnen.   Der Hauptkommissar riet den Senioren in Barnewitz klar dazu, unhöflich zu sein, wenn sie überraschend Besuch von Polizisten erhalten. Bürger können von Polizisten etwa verlangen, dass sich diese ausweisen - vor allem dann, wenn sie unangemeldet vor der Wohnungstür stehen. "Rufen Sie die 110 an und prüfen sie die Echtheit der Polizisten!", so Hirsch. Jeder Kollege müsse sich zu seinem Einsatz abmelden - die Daten seien hinterlegt. Ein falscher Polizist warte sicher nicht ab, bis die Frage nach seine Echtheit beantwortet ist.

Wie ist es aber am Telefon? Wann kann man davon ausgehen, mit einem echten Polizisten zu sprechen? Zwei Hinweise deuten klar darauf hin, dass ein anrufender Polizist falsch ist: Im Display wird die 110 angezeigt, der Polizist fragt nach Vermögen und erbittet Verschwiegenheit wegen vorgeblich verdeckter Ermittlungen. "Legen Sie auf!", rät Karsten Hirsch. "Wollen Sie sich vergewissern, wählen Sie 110 und fragen nach. Dabei sollten sie darauf achten, tatsächlich selbst aufgelegt zu haben. Geben sie die Nummer selbst händisch ein."

Täter verunsichern ihre Opfer telefonisch  mit Geschichten, legen durchaus überzeugend dar, dass gespartes Geld auf der Bank gerade nicht sicher sei, dass sie als Polizisten bei Ermittlungen einen Hinweis erhalten hätten, dass der angerufene Bürger in Gefahr sei - sein Leben und am wichtigsten: das Vermögen. Ein Teil der Möchtegernbeamten raten, das Geld fix abzuheben und zu treuen polizeilichen Händen zu geben. Der andere Teil empfiehlt eine Überweisung - hier aber auf ein ausländisches Konto.

Opfer, die den Braten noch immer nicht gerochen haben, geraten immer weiter in die "Schleife" der Täter. Aus Angst folgen sie weiteren Anweisungen, mit denen etwa Verschwiegenheit eingefordert wird, um den Ermittlungen zum Gelingen zu verhelfen. Angst und Hilfsbereitschaft werden ausgenutzt.

Der Koordinator des Sachgebiets Prävention meinte am Montag gegenüber seinen sensibilisierten Zuhörern: "Sie sind nun sicher gewappnet, aber sprechen Sie auch mit Ihren Nachbarn darüber!" Wachsame Nachbarn, die gegenseitig unterstützen,  hält Hirsch für ein probates Mittel gegen Betrüger. Insbesondere dann, wenn Betrüger oder Betrügerinnen vor der Haustür stehen. "Lassen Sie keine Fremden in ihre Wohnung!"

Der Polizeihauptkommissar verteilte letztlich kleine Papp-Aufsteller,  die die Leute neben ihre Telefone platzieren mögen.  Die Aufsteller mit der Aufschrift "Achtung! Falsche Polizeibeamte!" können im Fall der Fälle daran erinnern, was Karsten Hirsch am Montag zu sagen hatte.

Im Havelland wurden zudem alle Geldinstitute angeschrieben. Die Angestellten sollen jene Betrugsopfer erkennen, die noch gar nicht wissen, dass sie betrogen werden. Das betrifft insbesondere solche Leute, die von einem vermeintlichen Enkel oder anderen Verwandten mittels sogenanntem Schockanruf gebeten oder aufgefordert wurden, Geld zu überweisen. Bei einem Schockanruf, wird beispielsweise suggeriert, dass ein Verwandter einen Unfall hatte, operiert wird und für einige wichtige Maßnahme die Krankenkasse nicht aufkommt. Daher soll schnell Geld überwiesen werden - auch hier auf ein Konto im Ausland.

Die Infoveranstaltung, während der Karsten Hirsch den älteren Barnewitzern wertvolle Hinweise und Tipps gab, ist durchaus geeignet Furcht zu nehmen und die Lebensqualität zu steigern, was Gesamtziel des Projekts zur Senkung der Pflegeprävalenz ist. Deren Koordinatorin, Ines Neidt, regte und regt aktuell den Aufbau von Gruppen in den Gemeinden des Amtes Nennhausen an, um die Menschen zusammen zu bringen, Austausch und Freude im Alltag zu fördern. Letztlich geht es darum, das Leben in den eigenen vier Wänden angenehmer zu machen und die Pflegeprävalenz zu senken. Unter dem Begriff versteht man das rechnerische Verhältnis pflegebedürftiger Menschen zur Gesamtbevölkerung.  Neidts Tätigkeit wird vom Landkreis Havelland und der AOK finanziert. Zuvor war die Projektkoordinatorin im Milower Land aktiv.

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