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Tourismus
Bewahrte Ortsgeschichte in Mescherin

Das erste Schild hängt: Am Montag wurde es am Staffelder Speicher von den Dorfvereinsmitgliedern Volker Schmidt-Roy, Axel Bieseke und André Krätke sowie Andreas Sydow und  Stefanie Schulz von der VR-Bank Uckermark-Randow (v. l.) eingeweiht.
Das erste Schild hängt: Am Montag wurde es am Staffelder Speicher von den Dorfvereinsmitgliedern Volker Schmidt-Roy, Axel Bieseke und André Krätke sowie Andreas Sydow und  Stefanie Schulz von der VR-Bank Uckermark-Randow (v. l.) eingeweiht. © Foto: Kerstin Unger
Kerstin Unger / 19.02.2020, 03:00 Uhr
Mescherin (MOZ) Die Geschichte von Mescherin und Staffelde wird jetzt erlebbar. Mitglieder des Dorfvereins haben sich etwas einfallen lassen, um sie zu bewahren und Gästen näher zu bringen. Auf Info-Tafeln können sie mitunter Erstaunliches erfahren. Zum Beispiel, dass der Speicher der Agrar-Genossenschaft in Staffelde einst als Kirche diente. Das Projekt wird von der VR-Bank Uckermark-Randow unterstützt. Am Montag wurden die ersten beiden Tafeln am Staffelder Speicher und an der Grenzbrücke in Mescherin installiert. Axel Bieseke hat die Informationen zusammengetragen. Sein Faible für Heimatgeschichte stammt von früher, berichtete er. Nach einem Scherbenfund begann er, sich für Heimatliteratur zu interessierten. "Und wenn man einmal Blut geleckt hat, bleibt man dran", sagt er. "Aber es ist nur ein Hobby." Die Gemeinde Mescherin liegt am Oder-Neiße-Radweg. Hier kommen viele Leute vorbei und halten an. "Wenn man erzählt, dass der Speicher mal eine Kirche war, glaubt es keiner", meint Axel Bieseke. Die Kirche wurde vor mehr als 400 Jahren errichtet. 1923 wurde das Gebäude auch schon als Speicher genutzt und am 20. April von der Roten Armee in Brand geschossen. In den 1960er-Jahren wurde er wieder aufgebaut und landwirtschaftlich genutzt. Nur noch wenige Einwohner von heute können sich an die Nachkriegszeit erinnern. Bis 1951 war der Ort polnisch. Erst 1951 fingen der Vater von Axel Bieseke und andere Zugezogene an, als wäre die Zeit 1945 stehen geblieben.

Wachsender Berg an Material

Unterstützung bei den Recherchen bekam Axel Bieseke von André Krätke. "Es gab mal eine ABM, bei der die Chronik der Dörfer erarbeitet werden sollte", erzählt er. "Das Resultat waren zwei Schuhkartons voll Material. Der Dorfverein hat  sich bereiterklärt, es weiter aufzuarbeiten." Zwei Jahre sollte das dauern. Mittlerweile sind zehn Jahre vergangen und nicht einmal ein Viertel des Materials ist verarbeitet.

In den nächsten zwei, drei Jahren sollen noch acht Tafeln an markanten Punkten angebracht werden. In Staffelde wird zum Beispiel auf das frühere Schloss und in Mescherin an das Fischerdorf und das Freilichtkino erinnert. Dann soll es auch Faltblätter für Gäste geben.

Erinnerungen sollen bewahrt und vermittelt werden. Das und die Unterstützung von Orten, die am Rand der Uckermark liegen und sich nicht abgehängt fühlen sollen, motivierte die VR-Bank, die Idee des Dorfvereins zu unterstützen, sagt dessen Schwedter Mitarbeiter Andreas Sydow. "Das Ehrenamt lebt hier von den Menschen. Es ist wichtig, dass solche Orte gekennzeichnet werden." Tradition sollte groß geschrieben werden, findet er. "Wo kamen die Leute her, warum sollten sie zurückkommen? Die Dörfer werden wieder lebendiger", so der Banker. Das bestätigt der Bürgermeister und Dorfvereinsvorsitzende Volker Schmidt-Roy. "Staffelde ist stark im Umbruch. Viele der heutigen Einwohner sind Polen, sonst wären die Häuser leer und der Ort würde verschwinden", sagte er. Sein Dank gilt allen Helfern für die Unterstützung.

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