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Görzig
Bauer Schulze fordert mehr Verständnis von den Verbrauchern

Monika Rassek / 19.02.2020, 21:35 Uhr
Görzig (MOZ) Regional ist das neue Bio, lautet das Motto von Milchbauer Matthias Schulze in Görzig. Er führt einen Familienbetrieb, den es in dieser Form seit 1990 gibt.

Er vermarktet ausschließlich direkt seine angebauten Kartoffeln, wobei 90 Prozent der Kunden zu ihm auf den Hof kommen, zehn Prozent lassen sich die Erdäpfel liefern. Der Landwirt schätzt den Kontakt mit seinen Kunden: "Es ist wichtig, dass die Menschen aus der Stadt wissen, was die Bauern machen und woher die Lebensmittel kommen."

Seine Abnehmer kommen aus Frankfurt (Oder), Fürstenwalde, Brieskow-Finkenheerd und auch aus Beeskow und Umgebung: "Besonders erfreut bin ich, wenn Oma und Opa mit Enkel oder Eltern mit ihren Kindern per Fahrrad auf den Hof kommen und sich die Tiere ansehen." Viele Stadtkinder würden zwar Löwen aus dem Zoo, aber keine Kuh kennen. Daher empfiehlt er auch gern die Brandenburger Landpartie: "Da bieten sich gute Gelegenheiten für Gespräche, die wiederum ein besseres gegenseitiges Verstehen fördern." Der Nachteil am Direktvertrieb sei, dass eine Arbeitskraft an sechs Tagen der Woche für den Verkauf gebunden ist.

Bei Schulze sind zwei Facharbeiter angestellt, zwei Lehrlinge und nach Bedarf Saisonarbeitskräfte. "Meine Eltern unterstützen mich auch, im sogenannten Altenteil", ergänzt er mit einem Schmunzeln. "Von ihnen beziehe ich viel Fachwissen und sie kümmern sich um den Hof, wenn wir mal nicht da sind." Wer mit wir gemeint ist, prangt in Form eines riesigen Bildes an der Stallwand: "Bauer hat Frau und vier Kinder".

Zum Betrieb gehören 300 Hektar Land, 100 Milchkühe und 120 Jungrinder zur Bestandsergänzung. "Jährlich gehen etwa 20 Prozent der Kühe aus der Milchproduktion raus", sagt der 43-Jährige, und würden geschlachtet. Was an Jungrindern nicht für die Milchproduktion gebraucht werde, verkauft er an Mastbetriebe. "Milch ist die arbeitsintensivste Produktionsstrecke, aber nicht gewinnbringend", so sein Fazit. Sein Hof produziere für Müller Milch: "Die holen die Milch ab und bezahlen seit etwa einem dreiviertel Jahr noch 0,2975 Euro je Liter."

Um gut wirtschaftlich arbeiten zu können, sei aber ein Preis von 40 Cent je Liter nötig. "Obwohl das auch eine Momentaufnahme ist, denn sowohl die Transport- als auch die Lohnkosten in der Molkerei werden steigen." Und diese würden dann auf den Landwirt umgelegt. Dabei sei es verwunderlich, dass die Preise jetzt immer konstant seien: "Früher gab es Schwankungen, je nach Marktlage." Landwirt Schulze nimmt Fördermittel in Anspruch, da er mit dem gezahlten Milchpreis sonst nicht über die Runden kommen würde – obwohl er überhaupt lieber auf Erzeugerpreise umstellen würde, die dem Aufwand und der Leistung angepasst seien. Doch Antragstellung und Bürokratie sorgen für zusätzliche Arbeit: "Eine Person sitzt dann nur im Büro, um sich damit zu beschäftigen." Er ärgert sich: "Wenn es um komplizierte Vorgaben geht, kommt noch die Beauftragung eines Agrarberaters hinzu, der wiederum bezahlt werden muss."

Der Hof ist zudem als Milchtankstelle bekannt, denn auch Rohmilch wird direkt verkauft. Wer möchte, kann selber zapfen. Melken muss man dafür nicht können, die Milch kommt aus dem Hahn. "Früher standen die Kühe auf der Weide. Das geht nicht mehr, wegen der Wölfe." Er winkt ab: "Nein, gefressen wurde keine, doch die Tiere bekommen Angst und brechen aus." Wäre schon komisch, wenn plötzlich 100 Rinder vor dem Spanplattenwerk in Beeskow stünden.

Auf Bio wird er nicht umstellen. "Die Landwirtschaft ist dazu da, die Menschen zu ernähren", sagt Schulze. Eine ökologische Wiese bringt nicht die Ertragsmenge, wie eine konventionell bewirtschaftete: "Das ist wie beim Menschen. Wenn Spurenelemente wie Eisen oder Selen fehlen, gibt es Nahrungsergänzungsmittel." Eine Wiese werde gedünkt: "In beiden Fällen aber ist allein die Menge entscheidet."

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