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Tourismus
Café mit französischem Flair muss umziehen

Verlassen Menz in Richtung Gut Zernikow: Aurore und Jan Koch wollen dort das Café weiterbetreiben.
Verlassen Menz in Richtung Gut Zernikow: Aurore und Jan Koch wollen dort das Café weiterbetreiben. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 27.02.2020, 16:58 Uhr
Menz Es war ein Geheimtipp, das Café "Bric á Brac" in Menz. Wer einmal bei Aurore und Jan Koch eingekehrt war, der wollte immer wieder kommen. In unmittelbarer Nähe des Radweges und der Straße gelegen, die durch den Ort nach Neuglobsow und Fürstenberg führen, bot das Café eine gute Gelegenheit, um einzukehren und sich von den Wirtsleuten  mit selbst gebackenem Kuchen und anderen Köstlichkeiten verwöhnen zu lassen.

Doch das hat ein jähes Ende gefunden. Vor wenigen Tagen haben die Kochs ihr Café geschlossen.  "Es war eine schwere Entscheidung", erklärt der 39-jährige Wirt.

Beliebter Treffpunkt

"Der immer größere Ansturm auf unser Café hat zu Schwierigkeiten und Konflikten geführt, die wir aus Platzmangel und teils aus persönlicher Verwundbarkeit nicht mehr beilegen konnten", versucht Jan Koch die Schließung zu begründen.

Letztendlich hat das Ehepaar im Herbst den Entschluss gefasst, keinen Sommer mehr so weiter zu machen. "Wir haben uns bemüht, in Menz einen anderen Standort zu finden. Aber das ist nicht gelungen. Nicht in der Kürze der Zeit, nicht mit überzeugenden Aussichten", berichtet  Jan Koch. Neben den baulichen Hürden gab es auch abzuwägen, wo man einvernehmlich  arbeiten kann, mit  dem munteren und aufregenden Leben, die so eine Einrichtung mit sich bringt.

Vor zehn Jahren hatte das Ehepaar das Haus und das Grundstück gekauft, um sich in Menz eine Existenz aufzubauen – Jan Koch, der Liedermacher aus Schwaben, und seine aus Frankreich stammende Frau Aurore, die in Deutschland Germanistik studiert hatte.

Mit dem Kauf gab es auch erste Überlegungen, dort ein kleines schnuckliges Café einzurichten.  Eine ehemalige Garage bot dazu nach einigen Umbauten die Möglichkeit.  Mit "Bric á Brac", was im französischen  ein Sammelsurium von Gegenständen bedeutet, war ein Name gefunden.

2013 war es dann soweit. "Im Mai haben wir damals unser Café eröffnet. Die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich warten. Und es wurden immer mehr", berichtet die Wirtin. Das Angebot an kleinen französischen Appetit-Häppchen fand großen Zuspruch, und einer sagte es dem Anderen. Schnell wurde so die kleine Restauration zu einem Treffpunkt für Radfahrer, Wanderer, Einheimische und zufällig einkehrende Urlauber.

Bereicherung für Menz

Doch mit der steigenden Gästezahl kamen auch die Probleme.  Abgesehen von den lediglich 15 Sitzplätzen im Inneren, erwies sich die Küche als zu klein. Es fehlte an Lagerfläche und Platz für Vorbereitungen. Aber auch die Parkplätze reichten oftmals nicht aus. "Trotz der zauberhaften Zeit und der Dankbarkeit gegenüber unseren Gästen, bleibt ein Gefühl von Unrecht und der Eindruck, dass etwas Schönes verloren geht", sagt Jan Koch.

Auch die Einwohner von Menz und touristische Dienstleister in der Region bedauern die Schließung.  Das Café war eine Bereicherung für den Ort. Regelmäßig trafen sich dort die Veteranen der örtlichen Feuerwehr. Es herrschte stets eine lockere und lebensfrohe Atmosphäre. Jan Koch und dessen Frau  engagierten sich im Dorfverein. "Es wird im Ort nicht mehr so sein wie bisher",  erklärt Reimund Alheit, der Vorsitzende des aktiven Vereins.

Doch einen Lichtstrahl am Horizont gibt es: "Wir gehen nicht ohne Hoffnung", verrät das Ehepaar, das sich in Menz auch weiterhin heimisch fühlt und deren Kinder dort auch die Schule besuchen. "Ganz aus der Nähe haben wir ermutigende Signale empfangen, und so ist es gekommen, dass wir mit dem Café im ehemaligen Schafstall auf dem Gut Zernikow ein neues Kapitel unseres kleinen Betriebes aufschlagen möchten", zeigen sich die Kochs optimistisch.

Sie wissen, dass das auch scheitern kann. Aber sie können sich auch vorstellen, dass es funktioniert.  "Wir freuen uns auf die neue Kulisse und  neue Geschichten. Und wir hoffen, dass wir noch genug Chaos und Esprit in uns haben, um den berühmten tanzenden Stern zu gebären. Am 1. Mai soll es beginnen", verrät Aurore Koch: Sie möchte in Zernikow ihre Gäste mit Crêpes und Galettes, aus der Bretagne stammenden Buchweizenpfannkuchen,  verwöhnen.

Ein erster Aufruf, für das neue Domizil nicht mehr benötigte Möbel zu spenden, hat einen beachtenswerten  Erfolg gebracht. "Es haben sich zahlreiche Leute bei uns gemeldet, und wir sind im Moment dabei zu sichten, was wir davon gebrauchen können", so Jan Koch. Auch musikalisch möchte der Liedermacher  mit seinem Partner Peter Ehrlichmann, einem Cellisten, das kulturelle Leben in der Region wieder bereichern. So stehen bereits jetzt einige Konzerte für den Sommer fest, eines auch am 24. Juni in Zernikow. Einen ersten Versuch gab es kürzlich bei der "Open Stage" in der Menzer Regionalwerkstatt.

Künstler und Konzepte für das Gut Zernikow

Jan Koch kommt von der Schwäbischen Alb. Er strandete – wie er es nennt – im Jahr 2005 in Berlin und startete dort die ersten Bühnenversuche mit eigenen Songs. Seit 2010 lebt er mit seiner Frau, der Französin Aurore, in Menz. Fünf Platten veröffentlichte Jan Koch bereits.

Der Schafstall auf dem Gut Zernikow ist durch mindestens zwei Veranstaltungen auch überregional bekannt: das Ritterfest im Juni und die Adventdult im Dezember.⇥red

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