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Lichterfelde
Damwild getötet - Wolf unter Verdacht

Sven Klamann / 06.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 06.03.2020, 13:22
Lichterfelde (MOZ) Für Hubert Brendel (70) gibt es keinen Zweifel daran, dass ein Wolf in seinem mit Maschendraht umfriedeten Gehege zugeschlagen hat. "Welches andere Raubtier sollte dafür in Frage kommen?", fragt der Lichterfelder, der seit 20 Jahren auf die Jagd geht und seit acht Jahren in einem anderthalb Hektar großen Areal an der Messingwerkstraße Damwild hält. Der Ruheständler bewirtschaftet das Gehege, das im Schorfheider Ortsteil bekannt ist und regelmäßig Spaziergänger anzieht, als Landwirt im Nebenerwerb.

Nie habe es in all der Zeit irgendwelchen Ärger gegeben, betont Hubert Brendel. Doch dies habe sich in der Nacht zum 26. Februar geändert, blickt er zurück. Am Morgen danach sei ihm das gerissene Tier, "ein weibliches Stück Damwild", aufgefallen. "Und zwar, als ich beim Einparken in den Seitenspiegel geschaut habe", sagt Hubert Brendel. Natürlich habe er sofort gedacht, dass diese Attacke auf das Konto eines Wolfes gehen müsse. Von freilaufenden Hunden, denen Ähnliches zuzutrauen wäre, sei ihm in Lichterfelde nichts bekannt. Und kein Fuchs würde derart viel Fleisch aus seinem Beutetier herausreißen.

Veterinäramt vermittelt Kontakt

Auch mehrere andere befreundete Jäger, denen er das getötete Damwild oder Fotos davon gezeigt habe, seien sich in ihrer Einschätzung sicher, dass ein Wolf zugeschlagen habe.

Der Betreiber des Geheges hat sich über das Veterinäramt der Kreisverwaltung Barnim, mit dem er als Landwirt im Nebenerwerb im Kontakt steht, einen Kontakt zum Landesamt für Umwelt vermitteln lassen, das noch am gleichen Tag einen Sachverständigen nach Lichterfelde schickte. "Der Experte hat an dem Kadaver keine eindeutigen Belege dafür gefunden, dass ein Wolf am Werk war", sagt Hubert Brendel. Vor allem an den wolfstypischen Bissspuren habe es gefehlt.

"Doch ich denke nach wie vor anders darüber", betont der Lichterfelder, der davon ausgeht, dass sich noch andere Raubtiere über das Damwild hergemacht haben könnten, als der Wolf schon wieder abgezogen sei. Der Sachverständige habe ihm überdies gesagt, dass er nicht einmal dann Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung hätte, wenn tatsächlich nachgewiesen worden wäre, dass das Damwild einem Wolf zum Opfer fiel. "Der Zaun führt nicht tief genug ins Erdreich und die Koppel wird nicht durch Strom geschützt", gibt Hubert Brendel die Ausführungen des Experten wieder. Der Nutzen würde den Aufwand nicht rechtfertigen, findet der Jäger aus Lichterfelde, der  nichts dagegen hat, dass der Wolf auch in die Schorfheide zurückgekehrt ist. "Aber mitten im Dorf hat dieses Raubtier nichts zu suchen. Und es muss möglich sein, regulierend einzugreifen, wenn die Population zu groß wird", urteilt er.

Tierschützerin bleibt skeptisch

Für Karin Nicodem, die in Werbellin ein Tierheim betreibt, steht fest, dass es keine Ursache gibt, wegen des Wolfes in Panik zu verfallen. Im Revier Schorfheide gebe es seit Jahren ein Wolfsrudel – bisher wohl ohne Schadensfälle. "Wir haben seit Hunderten von Jahren verlernt, dass die Landwirte ihre Nutztiere schützen müssen – durch Zäune, vor allem aber durch gut arbeitende Herdenschutzhunde", betont die Tierschützerin. Der Mensch falle nicht ins Beuteschema des Wolfes – ebenso wenig der Hund, der aber sicher angegriffen würde, wenn er ihm zu nahe käme. Deshalb sei es wichtig, Hunde nicht unkontrolliert durch die Gegend laufen zu lassen. Aber nicht alle Hundebesitzer würden sich an dieses Gebot der Vorsicht halten. "Es gibt vermutlich auch in und um Lichterfelde mehr wildernde Hunde,  als hier Wölfe leben oder durchziehen", sagt sie.

Zentrale Rufnummer des Landesumweltamtes für Tierhalter bei Übergriffen durch den Wolf: Tel. 0172 5641700

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