Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Naturschutz
Toter Seeadler bei Windrad in Trebitz gefunden

Toter Seeadler bei Trebitz: Vermutlich ist er durch die Kollision mit dem Flügel einer Windkraftanlage zu Tode gekommen.
Toter Seeadler bei Trebitz: Vermutlich ist er durch die Kollision mit dem Flügel einer Windkraftanlage zu Tode gekommen. © Foto: privat
Peggy Lohse / 08.03.2020, 07:00 Uhr
Trebitz (MOZ) Das ist kein schöner Anblick zum Wochenstart: Auf einem Feld zwischen Windkraftanlagen bei Trebitz liegt ein toter Seeadler. Der Körper steif. Bei Berührung knirscht es im rechten Flügel. Der Finder, der nicht genannt werden möchte, informiert seinen Bekannten, den Trebitzer Revierförster Detlef Balzer. Er kommt zum Fundort und beschaut sich den Kadaver. Da ist es Montagnachmittag, gegen 15.40 Uhr.

Vermutlich von Rotor erschlagen

Am Vormittag, so nimmt Balzer an, muss der Greifvogel verendet sein, da die Totenstarre bereits eingesetzt hatte, als der Vogel gefunden wurde. Der Revierförster geht außerdem davon aus, dass das Tier durch einen Zusammenstoß mit der Windkraftanlage getötet wurde. "Er ist da sicher unten durch geflogen und dann von einem Windradflügel erfasst und erschlagen worden", vermutet Balzer. Bestätigen würde dies der zerschlagene rechte Flügel.

Als die beiden Finder auf dem Feld waren, fiel ihnen außerdem auf: "In 200 bis 300 Metern Entfernung saß noch ein Seeadler auf dem Feld", erzählt Balzer. "Vielleicht war es ein Pärchen und der zweite Adler hat auf den Getöteten gewartet." Aber als die Menschen vor Ort waren, verschwand der Partnervogel. Er war wohl nicht verletzt worden, meint Balzer. Sicher sei er sich aber nicht.

Den toten Seeadler haben Balzer und sein Bekannter erst einmal mitgenommen und eingefroren. Er wird ihn zur Untersuchung und vielleicht Präparation bringen. Sowie den Ornithologen Hagen Deutschmann in Lieberose und den Horstschutzbeauftragten Silvio Herold informieren. Untersuchungen werden zeigen, ob tatsächlich die Rotoren des Windrads den Vogel erschlugen oder andere Ursachen zum Tod führten. Beispielsweise Bleivergiftungen durch bleihaltige Munition von Jägern in der Natur sind laut dem Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg eine weitere häufige Todesursache.

Dritter toter Adler

Der tote Seeadler vom Montag ist bereits der dritte in den letzten zehn Jahren, der vermutlich von einem Windrad erschlagen wurde, betont Balzer. 2011 war in Trebitz der erste tote Greifvogel im Windpark gefunden worden.

Das Brandenburgische Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) hat bereits 2005 in seinem Artenschutzprogramm für Adler das Gefahrenpotential von Windkraftanlagen für Raubvögel beschrieben. Denn: "Offenbar fällt es den Tieren schwer, die Geschwindigkeit der Rotorblätter richtig einzuschätzen, um diesen dann rechtzeitig ausweichen zu können. Die von den Windparks geschaffene künstliche Landschaftsstruktur riegelt den Flugweg in großer Breite ab und fördert somit die Kollisionshäufigkeit", heißt es in dem Bericht.

Vogel-Tode in Brandenburger Windparks

Im März 2018 meldete die Landesregierung, dass seit 2005 insgesamt 61 Verluste von Rotmilanen durch Windkraftanlagen dokumentiert wurden. Die Daten der zentralen Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte, die seit 2002 zusammengetragen werden, zeigten insgesamt 85 Verluste. Mäusebussarde waren mit 158 Opfern in Brandenburg noch stärker betroffen. Insgesamt sind in der Mark 1068 durch Kollisionen getötete Vögel aufgelistet worden.⇥plo

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Norbert Wesenberg 10.03.2020 - 08:50:35

Dagegen helfen nur mehr Windmühlen, ...

...oder den Seeadlern von der Flugsicherung eine max. Flughöhe zu verordnen. Ansonsten ist es der Preis der für eine tolle Ökobilanz zu zahlen ist.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG