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Kommunen beraten über Essensversorgung
5000 gute Gründe, sich mit der Ernährung der Kinder auseinander zu setzen

Eva Loth / 12.03.2020, 09:30 Uhr
Linthe Etwa 3000 Mahlzeiten nimmt ein Kind während seiner Kita Zeit in der Einrichtung ein, etwa 2000 sind es während der Schulzeit. "Das sind 5000 gute Gründe, sich mit der Ernährung unserer Kinder auseinander zu setzen", so Katja Saupe von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Brandenburg (www.vernetzungsstelle-brandenburg.de). Derzeit beschäftigen sich zahlreiche Gemeinden, Träger und Eltern mit dem Thema gesunde Ernährung in ihren Einrichtungen.

Kürzlich lud auch die LAG während des 18. Forum ländlicher Raum zu einer Informationsveranstaltung nach Linthe ein. Das große Interesse an dem Thema zeigte der voll besetzte Saal der Gaststätte Linther Hof.

Derzeit gibt es etwa 300 Schulträger und 800 Kita Träger im Land Brandenburg, informierte Katja Saupe. Zirka 43 % der mehr als1800 Kitas im Land bieten eine Vollverpflegung an, davon lassen dreiviertel das Essen liefern. 68 % der Kinder essen in Grundschulen, in den weiterführenden Schulen sind es nur noch 22 %. Bei den Kitas liegen die Elternbeiträge mit 1,92 Euro weit unter dem Bundesdurchschnitt von 2,40 Euro.

In den Gemeinden wird neben dem Preis derzeit vor allem die Qualität des Essens diskutiert, da die Mahlzeiten oft von externen Versorgern geliefert werden. Diese haben oft weite Wege zurück zu legen, so dass das Essen über einen längeren Zeitraum warm gehalten werden muss. Auch die Rationalität der Produkte bleibt oft auf der Strecke.

Eine gute Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen, ist die Bildung von Ernährungsräten. Der erste dieser Art wurde 2018 in Ostprignitz-Ruppin gegründet. Deren Vorsitzender Marc Schreiber informierte die Anwesenden über die bisherige Arbeit. Für ihn steht das Thema Ernährungsbildung mit ganz oben. Derartige Initiativen sollten von den Kommunen unterstützt werden. Auch in anderen Landkreisen sind solche Ernährungsräte von Vorteil und können durchaus ins Leben gerufen werden. So können Eltern aber auch Träger unterstützt werden, unter anderem mit verschiedenen Projekten, die auch gefördert werden.

Wie es derzeit schon funktionieren kann, erklärten die Stadt Beelitz, das Amt Dahme/Mark und Hanna Präger aus Frohnsdorf.

Antje Lempke, verantwortlich für den Bereich Jugend und Soziales in der Stadt Beelitz, und Küchenleiter Jens Gaede berichteten über ihre Erfahrungen. Als nach der Wende die Küchen in den einzelnen Einrichtungen geschlossen wurden, übernahm man als Stadt die Versorgung.  Dazu wurde die bestehende Küche aus dem Jahr 1983 modernisiert. Derzeit werden sieben Kindereinrichtungen und seit 2016 auch ein Seniorenheim versorgt. Etwa 2000 Essensportionen werden pro Tag zubereitet, individuell den Jahreszeiten angepasst. Auch auf Vegetarier und Intoleranzen wird geachtet. "Wenn man es lecker macht, essen die Kinder es auch", so Antje Lempke und Jens Gaede. Zusätzlich gibt es im Gymnasium einen Kiosk und ein Frühstücksangebot, denn nicht alle Kinder frühstücken zu Hause. Außerdem wird in der Grundschule das Essen als Büfett gereicht, um die Kinder an weitere Selbstständigkeit heranzuführen. Dass dadurch mehr Esen im Abfalleimer landet, konnte nicht festgestellt werden. Nach anfänglicher Skepsis, auch von den Eltern, läuft es jetzt sehr gut. Um sofort auf Probleme reagieren zu können, gibt es regelmäßig Gespräche mit Eltern und den Leitungen der Einrichtungen.

Anders wurde die Situation in Werbig im Landkreis Dahme/Mark gelöst. Dort wurde sich für die Gründung einer kommunalen Tochtergesellschaft, einer GmbH entschieden, um wirtschaftlich tätig werden zu können. Anfangs stieß das Projekt nicht überall auf Gegenliebe. Aber schließlich entschieden sich die Gemeindevertreter dafür, berichtete Amtsdirektor David Kaluza. Das hieß erst einmal zu investieren. Viel Arbeit für den neuen Geschäftsführer der Schulküche Werbig GmbH, Frank Natho. Umgebaut wurde mit einer LEADER Förderung. "Aber die Küchenausstattung hat uns dann fast die Beine weggehauen", so der Amtsdirektor. Man erhielt die Nachricht, diese sei nicht förderfähig. Die Lösung bestand aus einem Zuschuss der Gemeinde und einer Kreditaufnahme durch die GmbH. Es hat sich gelohnt. Auch wenn es immer noch Schwierigkeiten zu überwinden gibt. Neukunden Akquise ist durch die räumliche Streckung in diesem Gebiet schwierig. Auch passen die Ausschreibungen oft nicht zum Profil. Regionale Versorger sind gern gesehen, können aber oft nicht ausreichende Mengen liefern. Dennoch werden derzeit mehr als 600 Kinder, Schüler, aber auch Einzelkunden mit leckeren Mahlzeiten versorgt.

Hanna Präger betreibt die Gaststätte "Zur alten Eiche" in Frohnsdorf. Die Mutter zweier Kinder suchte neben dem kleinen Gaststättenbetrieb eine Konstante. Sie versorgt nun die Freie Schule in Bad Belzig. Zwischen 30 und 40 Portionen kocht sie täglich. "Bei mir ist alles handgemacht, es gibt keine Convenience Produkte", so Hanna Präger. Das gehe aber nur, weil es keine große Masse an Portionen ist.  Es sei auch ihr eigener Anspruch, regionale Produkte zu verwenden. So bezieht sie das Gemüse aus Dahnsdorf, ebenso die Forelle, anderes vom Gut Schmerwitz. Auch gibt es bei ihr keine Plastikverpackungen, sondern Thermoboxen mit Schraubdeckeln, die dann retour gehen. Und die Wege sind kurz. Hanna Präger macht sich zwischen Viertel und halb 12 auf den Weg, die Kinder essen um 12 Uhr. Die Preise bewegen sich, je nach Zutaten, zwischen 3,90 Euro und 4,50 Euro pro Essen.

Drei Beispiele, drei Möglichkeiten auf unterschiedlicher finanzieller Basis. Wobei für die Eltern natürlich die Preise ganz oben auf der Liste stehen. Aber wenn teilweise über die Essenspreise gestöhnt wird, die Kinder aber immer noch genug Taschengeld bekommen, um nach der Schule beim Bäcker oder bei Mac Donalds das Doppelte auszugeben, stößt das bei den Teilnehmern der Veranstaltung auf Unverständnis. Zumal es für Geringverdiener Zuschüsse gibt, die aber bei weitem nicht alle abrufen. Zusätzlich wurde in der Diskussion davor gewarnt, das Essen kostenlos auszugeben. Qualität muss nun einmal bezahlt werden. Zusätzlich fordert man von der Landesregierung endlich genaue Festlegungen, die Erarbeitung einer Ernährungsstrategie ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Die Diskussion muss auf kommunaler Ebene weiter geführt werden. Das Treffen konnte nur Anregungen geben und Lösungsansätze präsentieren.  Leider gibt es zu wenig zertifizierte Unternehmen für die Versorgung der Kinder. Da alles vom Preis diktiert wird, ist vieles, wie die Versorgung durch Gaststätten und eigene Küchen,  nicht oder kaum möglich. Dann bleiben nur Catering-Unternehmen wie Sodexo. Und die befriedigen derzeit weder Eltern noch Träger - und meist noch weniger die betreffenden Kinder.

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