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Kirchengemeinde
Schwerer Abschied der Blumberger Pastorin

Erinnerungen in Bildern: Pfarrerin Almut Schimkat schaut sich gerne die Fotos von gemeinsamen Erlebnissen im Blumberger Gemeinderaum an.
Erinnerungen in Bildern: Pfarrerin Almut Schimkat schaut sich gerne die Fotos von gemeinsamen Erlebnissen im Blumberger Gemeinderaum an. © Foto: Kerstin Unger
Kerstin Unger / 20.03.2020, 06:00 Uhr
Blumberg (MOZ) Am 1. Oktober 2014 trat Almut Schimkat die Pfarrstelle  der Kirchengemeinde Blumberg an. Ende April nimmt sie Abschied. "Mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagt sie. "Ich habe die Gemeinde und die Menschen liebgewonnen."

Sie geht aus persönlichen Gründen mit ihrer Familie nach Lübeck. Ihr Mann stammt von dort, sie selbst kommt aus Hamburg. "Meine Schwiegermutter wird 90, meine Eltern sind über 80. Da müssen wir uns mehr kümmern." Außerdem kommt Tochter Johanna dieses Jahr in die Schule. In Blumberg gab es wenig gleichaltrige Kinder, mit denen sie ihre Freizeit hätte verbringen können. "Wir wünschen ihr mehr Kontakt. Die Zeiten sind vorbei, wo die Kinder gemeinsam durchs Dorf gezogen sind", meint die  45-Jährige. "Es war von Anfang an klar, dass es nicht 30 Jahre werden. Aber etwas länger wären wir gern geblieben."

Liebevoller Empfang

Als die Familie Schimkat nach Blumberg ankam, war Johanna ein halbes Jahr alt. "Wir wurden liebevoll empfangen. Um Mitternacht waren wir hier. Trotzdem hat uns noch eine Frau aus dem Dorf erwartet. Mit Kartoffelsalat im Kühlschrank, damit wir etwas zu essen hatten", erinnert sich die Pfarrerin. Im Laufe des Jahre entstanden freundschaftliche Kontakte. Im Dorf freute man sich über einen Mann, der die Skatrunde komplett machte. Aber auch die Einstellung zum christlichen Glauben beeindruckte die Pastorin. "Ich habe zu schätzen gelernt, dass die Menschen, die mit dem Christentum zu tun haben, dies mit vollem Bewusstsein tun. Es packen aber auch Leute bei Gottesdiensten und Abendmahlen mit an, die gar nicht in der Kirche sind. Es gibt ein Selbstverständnis, trotzdem dabei sein zu wollen. Das macht Hoffnung für die Gemeinde, auch ohne Talarträger", sagt sie.

Rund 546 Gemeindemitglieder zählte der Amtsbereich von Almut Schimkat. Viele von ihnen hat sie an Kirchennachmittagen in Blumberg, Wartin, Schönow, Schönfeld, Petershagen, Luckow und Casekow getroffen. Sieben Kirchen bedeuteten viel Verwaltungsarbeit- und Gremien, zwei bis drei Gottesdienste am Sonntag. Viele Menschen hat sie auf dem letzten Weg begleitet, etliche getraut und neue Erdenbürger getauft. Gerne hat sie mit den Jüngsten in der Kinderkirche gearbeitet. Im Blumberger Gemeinderaum hängen viele Bilder, die bei verschiedenen Anlässen entstanden sind und auch davon zeugen, wie Freiwillige auf dem Grundstück der Kirchengemeinde mit angepackt haben. "Wenn Kirche stattfindet, ist das auch ein Symbol für den Glauben, der dahinter steht", sagt sie. Es sei mehr, als die Kirche aufzuschließen und die Kerze anzumachen. Das fange bei der Verteilung der Gemeindebriefe an. Das Gesicht, das die Kirche vor Ort hat, kann nicht immer das der Pastorin sein", erklärt sie.

Gerne hätte sie die Sanierung der Kirche Schönfeld zu Ende begleitet, deren erster Bauabschnitt im letzten Advent beendet wurde. Sie freut sich, dass die Kirche Petershagen wieder eine Dachkrönung bekommt und die Blumberger wieder ein Krippenspiel hat. Ab Mai ist sie Pastorin einer Gemeinde am Lübecker Stadtrand. Kirchenbautechnisch wird es ein Abstieg, verrät sie. "Es ist ein Kirchenbau aus den 1960er-Jahren nicht wie hier aus dem 13. Jahrhundert, und bei Weitem nicht so charmant. Es wird wieder ein Neuanfang", weiß sie. Am 26. April um 15 Uhr  soll Almut Schimkat mit einem Gottesdienst verabschiedet werden, wenn nicht die Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie das verhindern. Kaffee und Kuchen soll es danach eigentlich geben und vielleicht etwas Gegrilltes. Nur eins ist bisher sicher: "Es wird traurig!"

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