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Corona-Pandemie
Spargelhof in Spaatz fehlt Personal für Spargelernte

Simone Weber / 31.03.2020, 16:59 Uhr - Aktualisiert 31.03.2020, 17:14
Spaatz (BRAWO) Spargel ist ein beliebtes Saisongemüse. 2019 wurden brandenburgweit rund 22.000 Tonnen geerntet. Einen Beitrag zum Ergebnis leistete der 1991 gegründete Spargelhof in Spaatz (Gemeinde Havelaue / Landkreis Havelland). 2020 steht auch dieser wegen nun fehlender Erntehelfer aus Osteuropa vor gravierenden  Ernteproblemen.

"Seit Beginn hatten wir in der Saison jedes Jahr um die zehn feste polnische Erntehelfer. Aber bereits 2019 kamen sie nicht mehr zur Spargelernte, weil sie andernorts in Deutschland feste Arbeitsverträge in der Industrie bekamen", erzählt Gabriele Feiler, die den Hof 2012 von ihrer Schwiegermutter übernahm. "Damit stand schon die Ernte 2019 auf der Kippe. Mit vier kurzfristig neu angereisten Polen hatten wir kein Glück." Bei der Rettung der Ernte halfen Asylbewerber  aus Kenia und Pakistan. "Aber von den damals noch knapp acht Hektar mussten wir schon ein Feld mit über 2,5 Hektar aufgeben", so die Hofbetreiberin weiter.

Spargelanbau in Spaatz auf 3,5 Hektar

2020 bewirtschaftet sie nur noch 3,5 Hektar. "Wir waren bzw. sind ein Familienunternehmen und haben auf bis zu 18 Hektar Spargel angebaut. Die Kinder sind mittlerweile ausgeflogen. Mein Mann hat seinen Beruf, und ich betreibe den Hof nun allein. Mit der Corona-Pandemie hat sich dieses Jahr nun noch einmal alles komplett verändert. An der Spargel-Wasch- und Sortieranlage standen immer noch deutsche Helfer, aber auf dem Feld sind wir auf Erntehelfer aus Osteuropa angewiesen."

Die meisten Länder in Europa schlossen Ende März ihre Grenzen. Erntehelfern aus Rumänien bleibt dadurch der Transit verwehrt. Polnische Erntehelfer kommen nur noch wenige, da sie bei Rückreise zur Familie eine 14-tägige Quarantäne im Heimatland in Kauf nehmen müssten. Vom Personalengpass betroffen sind Spargelbauern in ganz Deutschland.

"Die Situation ist für alle Beteiligten ungewiss. Das Gesundheitsamt hat ein Ohr für unsere Fragen und Probleme, scheint mir aber überlastet zu sein", beschreibt Gabriele Feiler die aktuelle Situation im Landkreis Havelland. "Früher haben wir uns gefreut, wenn der erste Spargel wuchs. Derzeit sind wir über jeden Tag froh, wenn er noch nicht wächst."

Spargel wächst langsam heraus

Die Felder sind vorbereitet. Vor einigen Tagen kamen zaghaft die ersten Spargelstangen. Die Temperaturen bei einfacher Folie auf den Spargelreihen reichen aber noch nicht für einen Erntebeginn aus. Der ist eventuell nächste Woche. "Wir haben ganz viele Bewerbungen wie von Studenten und Kurzarbeitern. Über diese Resonanz freue ich mich. Aber das Spargelstechen ist nicht einfach. Für die 9,35 Euro Mindeststundenlohn müssen auch 15 Kilogramm Spargel geerntet werden. In einer Saison können pro Hektar zirka fünf Tonnen Spargel geerntet werden."

Weiteres Problem ist der Spargelverkauf. Bisher genehmigte die Stadt Rathenow keine aus dem Stadtforst angemieteten Holzbuden auf dem Märkischen Platz. Wegen der Corona-Situation möchte Gabriele Feiler ihre Verkäufer nicht ungeschützt an offenen Ständen Spargel verkaufen lassen. Eine Idee ist ein Lieferservice für Stammkunden.

Spargel-Verkauf ein weiteres Problem wegen Corona

"Die Politik bietet in dieser Situation die Möglichkeit für Kurzarbeiter, anrechnungsfrei bis zum bisherigen Lohn als Erntehelfer dazu zu verdienen. Zur Vermittlung gibt es verschiedene Portale. Derzeit wird geklärt, inwieweit Asylbewerber als Erntehelfer eingesetzt werden könnten", sagt Ehemann Uwe Feiler, CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. "Die Einreiseregelungen für Erntehelfer aus Osteuropa werden regelmäßig überprüft. Aber bis Ostern wird es da keine Änderungen geben." Laut seinen Angaben würden über das Jahr deutschlandweit rund 300.000 Erntehelfer benötigt. Für die Spargelernte sind es 30.000 bis 35.000, davon ca. 2000 in Brandenburg.

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