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Evolution
In Kyritz kann die Erdgeschichte erlaufen werden

Erlebte Entwicklungsbiologie: 20 Tafeln weisen entlang der Seestraße in Kyritz den Weg durch die Evolution. Finanziert wurde das Projekt durch regionale Sponsoren.
Erlebte Entwicklungsbiologie: 20 Tafeln weisen entlang der Seestraße in Kyritz den Weg durch die Evolution. Finanziert wurde das Projekt durch regionale Sponsoren. © Foto: privat
Ulrike Gawande / 02.04.2020, 06:15 Uhr
Kyritz (MOZ) Der neue Evolutionsweg in Kyritz ist 1,1 Kilometer lang. Mit ihm soll die Erdgeschichte, die vor etwa 4,5 Milliarden Jahren begann, nachvollziehbar gemacht werden. Dazu wurde diese Zeitspanne auf eine Strecke von gut einem Kilometer übertragen. In diesem Maßstab stellt somit ein Meter einen Intervall von 4,1 Millionen Jahren dar, und ein Millimeter entspricht 4 100 Jahren. Das ist die Zeit, die seit dem Bau der ägyptischen Pyramiden vergangen ist. "Die Zahl eine Milliarde kann sich keiner vorstellen, aber wenn die zeitliche Dimension auf eine räumliche heruntergebrochen wird, bekommt man ein Gefühl für diese Zeitspanne." Dieser Überzeugung ist Peter Linke, der in seinem Hauptberuf nicht Evolutionsbiologe ist, sondern Revierleiter von Temnitz in der Oberförsterei Neuruppin. Er ist der Initiator des Evolutionsweges in Kyritz, des ersten in Brandenburg.

Schöpfung statt Evolution

Als Zuständiger für die Waldpä­dagogik arbeitet er oft mit Grundschulkindern zusammen. Dabei sei ihm aufgefallen, dass diese zwar die biblische Schöpfungsgeschichte kennen, jedoch nicht über die wissenschaftliche Entstehung des Lebens auf der Erde Bescheid wissen. Das will Linke mit dem Evolutionsweg, der mit Unterstützung der Giordano-Bruno-Stiftung realisiert wurde, ändern. Die ursprüngliche Eröffnung war zum Tag des Waldes im März geplant, doch die Corona-Krise verhinderte eine feierliche Einweihung. Doch genutzt werden  kann der Weg, der entlang der Seestraße zum See führt, schon jetzt. "Nahe des Märchenwaldes ist das eine privilegierte Stelle", freut sich Linke. Doch warum Kyritz? "Aus Lokalpatriotismus", lacht er. "Die Stadt an der Knatter ist meine Heimatstadt."

Bei Bürgermeisterin Nora Görke lief er mit seiner Idee offene Türen ein. Doch die angepeilte finanzielle Unterstützung scheiterte im Stadtparlament. Der Waldfachmann ließ sich nicht beirren und fand zahlreiche Sponsoren, wie die Sparkasse OPR, die gleich drei der insgesamt 20 Tafeln finanzierte. Auf diesen sogenannten Wegepunkten ist die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten nachzulesen: angefangen bei der Entstehung und den ersten Spuren von Leben auf der Erde,  bis hin zum modernen Menschen, dem Homo sapiens, der sich vor 200 000 Jahren entwickelte. Auf dem Evolutionspfad entspricht das gerade einmal fünf Zentimetern vor dem Ende des Weges, dem Heute, und ist somit eigentlich nicht darstellbar.

"Auf den ersten 122 Metern passiert quasi gar nichts auf dem Weg", berichtet Linke. "Dafür stehen auf den letzten vier Metern gleich drei Schilder." Mit einer Lupe mit fünf- und zehnfacher Vergrößerung wird die Entwicklung vom Menschenaffen zum modernen Menschen sichtbar gemacht. "Im Rückblick auf die 1,1 Kilometer Weg wird deutlich, dass Tiere und Menschen mehr Gemeinsamkeiten haben, als Dinge, die uns trennen. Vielleicht wachen die Menschen so auf."

Zukünftig möchte er nicht nur Spaziergänger zu einem Weg durch die Evolution einladen, sondern auch mit Schulklassen den Lehrpfad nutzen. Umso mehr freut er sich, dass er auch fachliche Anerkennung von Evolutionsbiologen bekommen hat. "Das hebt den Wert des Weges in der Öffentlichkeit."

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