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Masken-Fertigung
60 Näherinnen in Bad Belzig fertigen Mundschutz für Klinikpersonal

Eva Loth / 06.04.2020, 12:00 Uhr - Aktualisiert 06.04.2020, 12:33
Bad Belzig/Wiesenburg (Brawo) Das Gesundheitssystem in Deutschland muss sich dieser Tage neben der Herausforderung die Patientenversorgung zu gewährleisten, auch darum bemühen, dem Personal genügend Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen und es ausreichend vor Ansteckung zu schützen.

Längst gibt es Engpässe bei der Versorgung mit Desinfektionsmitteln, aber vor allem mit Schutzmasken. Es gilt vorhandene Ressourcen effektiv einzusetzen und im Arbeitsalltag damit sorgsam umzugehen. In ganz Deutschland haben sich bereits Hobbynäherinnen und Stoffhändler gefunden, um Masken für Kliniken, Pflegedienste und andere wichtige Berufszweige zu nähen.

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Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Klarstellung, dass diese Masken kein medizinisches Produkt sind. Es handelt sich bei diesen Mund-Nasen-Masken um "einfache Masken". Diese haben keinen speziellen Filter und bieten demnach keinen vollständigen Schutz. Sie schützen den Träger nicht vor Keimen in der Luft, sondern sollen verhindern, dass beim Ausatmen, Sprechen, Niesen oder Husten kleine Tröpfchen aus Speichel oder Rachensekreten andere Menschen angesteckt werden. Ein weiterer Vorteil dieser Masken ist, dass man sich damit nicht mehr so leicht mit den Fingern ins Gesicht fasst. So sinkt die Gefahr von Schmierinfektionen.

Auch im Klinikum Ernst von Bergmann in Bad Belzig wurde sich dieser Herausforderung gestellt. Die Idee hatte Juliane Mühlsteph, Mitarbeiterin im Klinikum und Hobbynäherin, einen Mund-Nasen-Schutz für die Kollegen zu nähen. Für die Zusammenarbeit wurde Anke Weltzien, Inhaberin des Stoffladen "Stoff-Weltzling", mit ins Boot geholt. Sie verstärkt mit ihrem fachlichen Knowhow das Projekt. Beide haben ein mit dem Klinikum abgestimmtes Schnittmuster samt Anleitung erarbeitet.

Im Moment arbeiten etwa 60 fleißige Nähbienen fast rund um die Uhr. Jede freie Minute wird genutzt. Dazu kommen viele fleißige Helfer für die Vor- und Nacharbeiten wie Zuschneiden, Waschen und Bügeln der Stoffteile. Es handelt sich meist um Frauen rundum Bad Belzig und Wiesenburg/Mark. Es ist eine bunte Mischung aus Jung und Alt. Viele der Näherinnen kennen sich bereits aus offenen Nähtreffs, Kursen bei Stoff-Weltzling in Bad Belzig oder aus dem Nähkreis des Familienzentrums Wiesenburg/Mark. Ein Hobby, das hier im Fläming viele miteinander verbindet  und gerade in diesem Moment dafür sorgt, dass viele fleißige Hände diese Mund-Nasen-Masken nähen und den Aufruf von Juliane Mühlsteph und Anke Weltzien ohne mit der Wimper zu zucken gefolgt sind.

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Aber natürlich braucht man Stoffe und Nähgarn für diese Aktion. "Eine Vielzahl der Materialien wurde gespendet", erklärt Nancy Fröhlich, Mitarbeiterin in der Gemeinde Wiesenburg/Mark und selbst fleißige Näherin. Die Solidarität sei riesig. Jede Menge an Stoffen aus Baumwolle, Molton oder Musselin wurden zusammengetragen und stehen den Näherinnen zur Verfügung. Oft sind es ausrangierte Stoffwindeln, alte Bettwäsche oder Tischtücher. "Einige versorgen uns auch mit neugekauften Dingen, wie Gummibändern", so Anke Weltzien.

Die Weitergabe der Materialien an die Näherinnen erfolgt über Versorgungspunkte in Bad Belzig und Wiesenburg in Form von Materialkisten. Es wird auf die Anordnung der Eindämmungsverordnung geachtet! So  können die Mädels je nach Bedarf "kontaktlos" zu greifen.

"Es ist toll, dass hier so viele Personen Hand in Hand arbeiten und dieses Projekt unterstützen", freut sich Juliane Mühlsteph. Und möchte dafür ein riesengroßes Dankeschön loswerden. Der Bürgermeister der Gemeinde Wiesenburg/Mark, Marco Beckendorf, hat zugesichert, die Näherinnen mit einer finanziellen Spende für den Kauf fehlender Materialien zu unterstützen.

Bisher wurden etwa 200 Masken genäht. Zunächst einmal erhält das Klinikum Ernst von Bergmann in Bad Belzig die genähten Masken. 350 Stück sollen es werden. Die ersten wurden übergeben. Die Freude darüber unter den Kollegen/innen war roß. Lobend wurden Verarbeitung und Tragekomfort erwähnt. Aus der Führungsebene gab es viel Anerkennung für das Engagement der Kollegin im Haus, aber auch, was die Näherinnen binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben.

Inzwischen erreichen die Initiatorinnen viele Anfragen mit der Bitte, um Masken. Das sind insbesondere Gewerbebetriebe oder öffentlichen Einrichtungen, die nach der Eindämmungsverordnung ihren Betrieb weiterführen dürfen. Inzwischen näht man auch bei der AWO am TRollberg nach denselben Schnittmustern. Für den Bedarf an Masken ist kein Ende abzusehen. Deshalb ist jede Hilfe und Unterstützung willkommen. Wer ein bisschen Geschick im Nähen hat und idealerweise über eine Nähmaschine verfügt, kann sich an Anke Weltzien, 0171/9911291, wenden.  Sie stimmt momentan die meisten Arbeiten, Koordination, Material-Nachschub, Support der Gruppe ab und sitzt bis in die Nacht selbst an der Maschine! Aber auch Helferinnen für die Vor- und Nacharbeiten sind gern gesehen, ebenso Materialspenden.

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