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Corona
Senioren nutzen Lieferservice in Seelow

Mit gefülltem Einkaufskorb: Anne und Thomas Hübner im Edeka-Markt in Seelow. In der Kreisstadt fährt ihr Vater die zurzeit überwiegend von Senioren telefonisch bestellten Einkäufe aus.
Mit gefülltem Einkaufskorb: Anne und Thomas Hübner im Edeka-Markt in Seelow. In der Kreisstadt fährt ihr Vater die zurzeit überwiegend von Senioren telefonisch bestellten Einkäufe aus. © Foto: Anett Zimmermann/MOZ
Anett Zimmermann / 06.04.2020, 20:02 Uhr - Aktualisiert 06.04.2020, 20:36
Seelow (MOZ) Der Lieferservice von Anne Hübner, die in Seelow den Edeka-Markt leitet, ist nicht neu. Zurzeit verzeichnet sie jedoch mehr Anfragen als sonst.

"Das sind meist ältere Leute", weiß ihr Mann Thomas, der an diesem Morgen die Kinder in die Notbetreuung von Kita und Hort gebracht hat. Er sammelt zurzeit ähnliche Erfahrungen in seinem Markt in Wriezen.

"Meist erzählen sie, dass sie von ihren Kindern gedrängt wurden, das Haus nicht mehr zu verlassen." Während er die Aufträge noch "nebenbei" abarbeiten kann, übernehme in Seelow der Schwiegervater das Ausliefern. Zum Teil müsse dieser ganz schön schleppen, berichtet Anne Hübner, die sich für feste Liefertage entschieden hat: Donnerstag und Freitag, wobei mehr Kunden Ersteren favorisieren würden.

Nachfragen im Erstgespräch

Bei den Senioren, so sagen beide, seien zwei Extreme zu beobachten: die Vorsichtigen und diejenigen, die meinen, alles zu überstehen. Schließlich hätten sie ja schon den Zweiten Weltkrieg überlebt, heiße es dann. "Es gibt Ältere, die kommen auch jetzt dreimal am Tag", beobachtet Anne Hübner. Kunden, die den Lieferservice nutzen, bestellen meist ein paar Tage vor dem Termin. "So können wir uns die Zeit zum Zusammenpacken besser einteilen", erläutert sie. Wenn zwischendurch doch noch etwas einfällt, könne kurzfristig Bescheid gegeben werden, ergänzt ihr Mann.

Vor allem das Erstgespräch koste Zeit. "Wir hinterfragen viel", erklärt er. Mit zwei Stück Butter könnten sie zum Beispiel wenig anfangen, sagt er und verweist auf Unterschiede nicht nur bei Marke und Preis. Letztlich sei das Vertrauen der Kunden aber groß. So gebe es bei Ersatzprodukten meist keine Diskussion. "Vielmehr wird uns die Entscheidung überlassen."

Mehr Nachfragen nach Lieferungen gebe es auch aus sozialen Einrichtungen, darunter Wohngruppen und Heime. Bei der Übergabe sei häufig Mundschutz gefordert. "Kunden haben uns welchen genäht, sogar in verschiedenen Farben", freut sich Thomas Hübner.

Wagen als Abstandshalter

Derweil komme es an anderer Stelle zu Debatten. "Einige Kunden sehen nicht ein, wegen ein paar Kleinigkeiten einen Einkaufswagen zu nutzen", berichtet seine Frau. Dabei helfe dieser, Abstand zu halten. Kritik gebe es auch daran, wenn Mitarbeiter keine Handschuhe tragen. "Wir verfügen nun mal nicht über Spezialhandschuhe, die sich länger tragen lassen." Und erst kürzlich sei ein Vertreter der Berufsgenossenschaft im Markt gewesen. "Wir sollen unsere Handschuhe nicht länger als zwei Stunden am Tag tragen." Seit Freitag seien aber die Kassenbereiche durch Plexiglas geschützt.

Mit Sorgen sehen beide etwas den Tagen vor Ostern entgegen. "Wir hoffen auf die Vernunft der Kunden", sagt Thomas Hübner. "Jeder hat doch mitbekommen, was zurzeit in Deutschland und der Welt los ist." Warenlücken seien auch nicht immer auf die Corona-Krise zurückzuführen. "Mitunter laufen Preis-Verhandlungen mit den Herstellern", erinnert er an den Streit mit Unilever im vergangenen Jahr.

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