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Trophäen
Begehrt, aber nicht erlaubt sind in Oder-Spree Abwurfstangen des Wildes

Monika Rasssek / 07.04.2020, 04:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Wer einen Rothirsch in freier Wildbahn erlebt, wird sich einer gewissen Faszination nicht entziehen können. Eine imposante Erscheinung mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,30 Meter, dazu würdevolles Schreiten mit hocherhobenem Haupt und einem Geweih, welches etwa einen Meter je Stange in der Länge misst und bis zu fünf Kilogramm auf die Waage bringt – majestätisch. Jäger lassen sich besonders prachtvolle Trophäen präparieren. Mit etwas Glück können auch Spaziergänger, die die Wälder in Oder-Spree durchstreifen, ein Geweih oder Teile davon finden. Vom Mitnehmen ist abzuraten.

Hirsche schlagen

Rothirsche werfen im Februar ihr Geweih ab. Das ist der Zeitpunkt, an dem der Testosteronspiegel seinen niedrigsten Stand erreicht. Dieser Vorgang wiederholt sich jährlich und wird in der Fachsprache der Waidgenossen als "Hornung" bezeichnet. "Sowie ein Hirsch abgeworfen hat, beginnt die Bildung des neuen Geweihes", erklärt Tim Ness, Leiter der Landeswaldoberförsterei Hammer, der für etwa 5000 Hektar Wald in Oder-Spree verantwortlich ist.

"Das nachschiebende Geweih ist noch durchblutet und von einem Flaum, in der Fachsprache Bast genannt, ummantelt. Steht ein Hirsch im Gegenlicht, lässt sich das gut erkennen", so Ness. Dieses sogenannte Kolbengeweih sei ein Exportschlager in Neuseeland und besonders im asiatischen Raum begehrt, da es angeblich die männliche Potenz steigert. Im Juli befreien die Hirsche das Geweih vom Bast. Spuren sind an den Bäumen sichtbar. Der Jäger nennt das Schlagen. Im August sei das Geweih fertig ausgeprägt, nicht mehr durchblutet und somit faktisch abgestorben.

Anhand des Geweihs lässt sich das ungefähre Alter eines Hirsches grob schätzen: "Mit einem Jahr schiebt ein Hirsch zwei Spieße, also zwei einzelne Geweihstangen. Bei einem Zweijährigen sind es mindestens drei Enden auf jeder Seite." Oder auch mehr, wenn das Tier gut ernährt sei. Oft heißt es, je größer das Geweih desto besser geht es der Population. Diese Aussage ist laut Ness jedoch umstritten.

Unumstritten ist jedoch, dass das Geweih einen Blickfang darstellt und bei Hirschkühen (Tiere genannt) und Trophäenjägern gleichermaßen beliebt ist. "Der Hirsch imponiert den Tieren während der Brunftzeit", so Ness. Die Trophäen hingegen würden meistens der Repräsentation dienen. Die Anzahl der Enden sei dabei entscheidend, sagt der Waidmann. Da gehe es bis hin zum Kronenhirsch mit mehr als zehn Enden. Ab einem Alter von etwa zwölf Jahren beginnen die Geweihe wieder kleiner zu werden. In Moritzburg bei Dresden sind besondere Exemplare zu sehen. Tim Ness selbst ist kein Freund von Trophäen.

Und woher stammt die Bezeichnung Platzhirsch? Tim Ness schmunzelt und erklärt: "Auf sogenannten Brunftplätzen versammeln sich die Tiere zur Paarungszeit. Taucht ein kampfwilliger Hirsch-Konkurrent auf, versucht der Platzhirsch den Nebenbuhler mit lauten Brunftschreien zu beeindrucken,  meist zieht der Konkurrent ab." Dem Platzhirsch werde das Feld überlassen: Zum Kampf mit den Waffen (Geweih) komme es nur, wenn sich ein Konkurrent nicht einschüchtern lässt.

Im Gegensatz zum Rotwild werfen die Böcke des Rehwildes ihr Gehörn bereits im Oktober/November ab. "Das neue Gehörn schiebt derzeit bereits. Noch handelt es sich um ein durchblutetes Bastgeweih, welches im April aufhört zu wachsen. Dann wird der Bast an den Bäumen abgefegt", so Ness. Dabei markieren die Böcke ihr Revier, weil durch eine Drüse, die zwischen den Stangen sitzt, ein Sekret abgesetzt wird. Dabei falle Rinde vom Baum, außerdem seien Plätzstellen (Scharrstellen) zu sehen.

Beliebt als Dekoration

Zu finden sind Abwurfstangen vom Reh- und Rotwild also ab November und ab Februar. Bei Sammlern sind die Stücke beliebt. Mittelalterfreunde verwenden sie zur Herstellung von Knöpfen oder Messergriffen, Freizeitbastler für urige Flaschenöffner. Auch als Dekorationsartikel oder Hundefutter sind sie begehrt. Doch der Finder kann so ein Teil nicht einfach mit nach Hause nehmen. Ausschließlich denen, die das Jagdrecht – so steht es im Bundesjagdgesetz – ausüben, stehen die Fundstücke zu, genauso wie Unfallwild. Tim Ness wisse jedoch von keinem Fall, bei dem diese Art von Diebstahl strafrechtlich verfolgt wurde: "Ein Freibrief ist das aber nicht." Nur sei ihm persönlich das nicht so wichtig.

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