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Hilfe für Helfer im Havelland
173 Gesichtsmasken für Klinik in Nauen

Janine Yilmaz überreicht der Havelland-Klinik in Nauen 173 selbstgenähte Gesichtsmasken.
Janine Yilmaz überreicht der Havelland-Klinik in Nauen 173 selbstgenähte Gesichtsmasken. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 07.04.2020, 16:30 Uhr
Nauen Große Freude löste eine Spende von selbstgefertigten Gesichtsmasken in der Havelland-Klinik in Nauen aus. Janine Yilmaz, Initiatorin der Facebook-Gruppe "Hilfe für Praxen und Krankenhäuser im Havelland", brachte 173 in Handarbeit gefertigte Gesichtsmasken vorbei.

"Wir freuen uns wirklich sehr", sagt Dorit Zahn, Verwaltungsdirektorin in der Klinik. Denn auch in Nauen ist die Schutzausstattung knapp geworden. Vor einige Tagen hatte die Klinik für beide Standorte um Hilfe aus der Bevölkerung gebeten. "Die selbstgenähten Gesichtsmasken kommen in so manchen Bereichen zum Einsatz", sagt Zahn. Dazu zählen Personal auf "Normalstationen" und die wenigen Angehörigen, die noch Patienten besuchen dürfen. Dies ist bei Kindern der Fall oder wenn die Patienten sehr schwer erkrankt sind und eine Genesung nicht zu erwarten ist. Außerdem profitierten auch die Mitarbeiter der Verwaltung und der Transportdienste von den handgefertigten Stoffmasken, sagt Zahn. "Dabei wäre es gut, wenn wir für jeden dieser Mitarbeiter drei Masken hätten", so Zahn weiter. Denn die Masken werden einen Tag genutzt und dann gewaschen, bevor sie wieder getragen werden können.

Wie dringend der Bedarf ist, weiß Janine Yilmaz von vielen Freunden und Bekannten, die in der Nauener Klinik arbeiten. Ebenso von ihrem Ehemann, der im Rettungsdienst tätig ist. Die 32-jährige Elstalerin, deren Hobby nähen ist, wollte helfen, begann Gesichtsmasken zu nähen und postete ihr Vorhaben auf Facebook. Mit einem Erfolgt, der sie selbst überraschte, wie sie erzählt. "Ich dachte, ich kann so fünf, sechs Leute aus meinem Bekanntenkreis ermutigen, dass sie sich anschließen", sagt sie. Was kam, war eine Welle der Begeisterung und Anteilnahme. "Am Abend war mein Postfach proppenvoll. So groß hatte ich das gar nicht geplant", erzählt sie weiter.

Die kleine Nähgruppe wuchs schnell, inzwischen nähen rund 40 Freiwillige in der Gruppe. "Für manche ist das Zuschneiden und zusammennähen sogar zur Familienbeschäftigung geworden", so Yilmaz. Sie selbst ist nicht nur fleißig am Nähen, sie organisiert auch, fährt Stoffe und Bänder von A nach B, sammelt die fertigen Stücke ein und verteilt sie. Die ersten drei Nächte nähte sie durch, beflügelt von dem dringenden Wunsch, den Helfern zu helfen. Inzwischen gönnt sie sich wieder Nachtschlaf, ihre Leidenschaft für die Hilfeleistung ist jedoch nicht weniger geworden. Da kann es helfen, wenn sich jemand meldet, der ebenfalls helfen möchte, auch wenn dieser so gar nichts vom Nähen versteht.

Als Sebastian Kwasny den Post von Yilmaz las, indem sie von ihrem Vorhaben des Gesichtsmaskennähens schrieb, war er, wie er sagt: "Überwältigt. Ich fand die Aktion schön und wollte irgendwie helfen. Ich kann nur leider nicht nähen." Er selbst sei seit einigen Jahren krank und wisse, wie wichtig die Hilfe wäre. "Ich habe tiefen Respekt vor dem, was Janine mit ihrer Arbeit leistet." Der 40-Jährige bot an, sich um den logistischen Teil zu kümmern. So wurde aus dem Post eine Facebook-Gruppe mit rund 170 Mitgliedern. Momentan versucht der Nauener kostenlose Hilfe für die Transporte der Stoffe zu organisieren. Denn jede Stoffspende ist willkommen, muss aber zu einem der nähenden Gruppenmitglieder transportiert werden.

Die selbstgenähten Gesichtsmasken sollen in erster Linie die Mitmenschen schützen. Es gibt unterschiedliche Meinungen, wie effektiv eine solche Maske den Träger schützt. Auf jeden Fall verhindert sie, dass Menschen sich mit den Händen ins Gesicht greifen. Für die Menschen in der Umgebung ist die Maske durchaus hilfreich, wenn sie richtig getragen wird. Sie sollte Mund und Nase bedecken.

Achtung mit der Bezeichnung der selbstgenähten Maske. Mehrerer Nachrichtenportale berichtete, dass es rechtliche Probleme geben kann, wenn die Bezeichnung "Schutz" verwendet wird. Also die Masken besser als Mund-Nase-Maske oder Behelfsmaske bezeichnen. Yilmaz nennt ihre Masken auch "facies".

Dorit Zahn von der Havelland-Klinik sagt, man habe weiterhin Bedarf an solchen "facies". Am Informationsschalter im Hauptportal können gespendete Behelfsmasken abgegeben werden. Wer mitnähen, Stoff spenden oder sich anderweitig beteiligen möchte, kann sich mit der Facebook-Gruppe "Hilfe für Praxen und Krankenhäuser im Havelland" in Verbindung setzten. Gespendete Stoffe sollten kochfest sein. "Am besten einmal falten und schauen, ob man durch den doppelt gelegten Stoff durchatmen kann. Wenn das gut geht, ist der Stoff geeignet", rät Yilmaz.

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