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Corona-Krise
Boote zu Ostern - Sport ja, Tourismus nein!

Im Frühjahr herrscht normalerweise Hochbetrieb vor den Schleusen in Brandenburg. So wie in Kummersdorf müssen die Boot "anstehen".
Im Frühjahr herrscht normalerweise Hochbetrieb vor den Schleusen in Brandenburg. So wie in Kummersdorf müssen die Boot "anstehen". © Foto: Ralf Hirschberger
Ulrich Thiessen / 08.04.2020, 03:15 Uhr
Potsdam (MOZ) Wenn Thomas Loschek über das Wetter bestimmen könnte, würde es zu Ostern wohl junge Hunde regnen. Das würde dem Leiter der Wasserschutzpolizei und seinen Kollegen sicher die Arbeit an den Feiertagen erleichtern. Aber genau danach sieht es nicht aus.

Es ist trotz Corona-Einschränkungen bei frühlingshaften Temperaturen mit einigem Verkehr auf den brandenburgischen Seen, Flüssen und Kanälen zu rechnen. Aber wer darf überhaupt raus und zählt Bootfahren oder Segeln als Sport oder ist das eine touristische Aktion und damit verboten?

Der Landkreis Oder-Spree mit seinen zahlreichen Wasserflächen wollte sich auf keine schwierige Diskussion rund um die Eindämmungsverordnung des Landes einlassen und erließ als einzige Gebietskörperschaft am vergangenen Wochenende eine Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Wassertourismus. In dieser Woche wurde noch eine Erläuterung hinterher geschoben. Die stellt klar, dass Ruderboote, Tretboote, Kajaks und Kanus weiterhin erlaubt sind. Das gilt auch für kleine Segelboote wie etwa die sogenannte Optimisten-Jolle. Segelboote, die über diesen Maßstab hinausgehen, dagegen nicht.

Diese Einschränkung gilt so nicht in Berlin und nicht in den anderen Landkreisen. Dort ergeben sich die Einschränkungen vor allem aus der Schließung der Segel- und Bootsvereine. Folglich gelangt man auch nicht an sein "Sportgerät". Wer an sein Boot kommt, darf loslegen, sagt Thomas Loschek. Das sind beispielsweise diejenigen, deren Boot oder Yacht sich an einem eigenen privaten Anleger befindet.

Karl-Heinz Hegenbart, Vorsitzender des Verbandes brandenburgischer Segler, gehört nicht zu den Glücklichen. Sein Boot liegt an Land. Allein kann er es nicht zu Wasser lassen, dazu braucht man mehrere Personen. Damit fällt er unter das landesweite Verbot und kann Ostern nicht auf dem Wasser verbringen. Landesweit fallen ohnehin die Veranstaltungen zum Ansegeln aus. Hegenbart rechnet damit, dass es ganz schön leer auf den Gewässern des Landes werden wird.

Das sieht die Wasserschutzpolizei anders. Sie rechnet mit einer ganzen Reihe von Seglern und Motorbooten, die trotzdem unterwegs sein werden. Und dann müssen die Beamten prüfen, ob sich dort nur die Familie plus die eine erlaubte weitere Person an Bord befindet, oder ob eine größere Gruppe feiert. Theoretisch müsste auch der Mindestabstand eingehalten werden, eine schwierige Aufgabe auf engem Raum.

Während in Oder-Spree alle großen Boote für die Zeit der Corona-Krise verboten sind, können sie durchaus auf anderen Gewässern unterwegs sein. Dabei ist es nicht so einfach, Sport von Tourismus zu unterscheiden, erklärt Thomas Loschek von der Wasserschutzpolizei. Es gibt ganzjährige Wettbewerbe für Motorboote, erklärt er. Wer in diesem Rahmen unterwegs ist, kann für sich geltend machen, Sport zu treiben.

Der Landkreis von Oder-Spree wollte ursprünglich noch einen Schritt weiter gehen in seinen Bemühungen, die Eindämmungsverordnung zu Wasser umzusetzen. Deshalb gab es Gespräche mit den zuständigen Ministerien in Potsdam, die Schleusen für den nichtkommerziellen Verkehr dicht zu machen. Die Bedenken waren aber offenbar zu groß. Schließlich hat auf den Bundeswasserstraßen auch die Bundesschifffahrtsdirektion ein Wort mitzureden. Geholfen hätte es ohnehin nicht überall.

Regeln vom Land gelten auch auf dem Wasser

Die Einschränkungen beim Betreten öffentlicher Orte schließen auch die Wasserstraßen und anderen Gewässer des Landes ein, stellte der Krisenstab des Landes am Dienstag klar. Auch hier müsse darauf geachtet werden, dass Treffen von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit verboten sind. Das Bootfahren sei nicht grundsätzlich verboten, solange Kontakte zu anderen Menschen außerhalb des eigenen Hausstandes vermieden werden. Wenn viele Paddelboote auf einer kleinen Wasserfläche warten müssen, sei das eine verbotene Ansammlung von Menschen im öffentlichen Raum.⇥thi

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