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Covid-19
Brandenburg sieht Krankenhäuser für möglichen Corona-Ansturm gerüstet

Ursula Nonnemacher Gesundheitsministerin, Bündnis 90/Die Grünen, äußert sich am Mittwoch zur aktuellen Corona-Lage in Brandenburg. (Symbolbild)
Ursula Nonnemacher Gesundheitsministerin, Bündnis 90/Die Grünen, äußert sich am Mittwoch zur aktuellen Corona-Lage in Brandenburg. (Symbolbild) © Foto: Soeren Stache/dpa
dpa / 08.04.2020, 07:42 Uhr - Aktualisiert 08.04.2020, 15:42
Potsdam (dpa) Die Krankenhäuser in Brandenburg sind auf einen Ansturm schwerkranker Corona-Patienten nach Ansicht der Landesregierung vorbereitet. „Insgesamt sind wir da gut gerüstet und haben viele Kapazitäten“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags, der sich per Telefonkonferenz zusammenschaltete. „Hochrechnungen unserer augenblicklichen Infektionszahlen bis Ende April lassen nicht erwarten, dass wir auch nur annähernd die vorhandenen Kapazitäten ausschöpfen werden.“ Die erwartete „Welle“ sei bisher nicht eingetreten. Von einer Überlastung wie in Italien oder Spanien sei „überhaupt nicht auszugehen“.

Die Zahl der Intensivbetten ist nach Angaben der Ministerin von 531 im vergangenen Jahr auf 738 gestiegen. Wenn bestellte Beatmungsgeräte hinzukämen, könnten weitere 356 Plätze geschaffen werden - das sei dann die vom Bund geforderte Verdopplung, sagte Nonnemacher. Auch Reha-Kliniken stellten Betten zur Verfügung, so dass Notplätze außerhalb von Kliniken vermutlich nicht notwendig seien. Die Zahl der gemeldeten Infizierten stieg laut Ministerium zuletzt auf 1599, bisher starben 35 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2. Fast 400 Menschen gelten offiziell als geheilt oder genesen: 319 Personen etwa nach häuslicher Quarantäne und 71, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Der Anstieg der Infektionen sei schon langsamer, aber „wir haben da eine hohe Dunkelziffer, die auf das bis zu Zehnfache geschätzt wird“, sagte Nonnemacher.

Sorge um die Häufung von Coronavirus-Fällen im Potsdamer Bergmann-Klinikum

Die Ministerin zeigte sich besorgt über die Häufung von Corona-Infizierten und Toten im Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam. Dieser Krankenhaus-Ausbruch sei „im Moment die größte Sorge, die wir hier im Land Brandenburg haben“, sagte Nonnemacher. Die Fälle in Potsdam trieben die Zahlen des Landes etwas in die Höhe. Der Klinik wurden nach einem Besuch von Experten des Robert Koch-Instituts Auflagen erteilt. Nonnemacher empfahl, die Empfehlungen umzusetzen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft ein mögliches Fehlverhalten von drei Ärzten und der Geschäftsführung in Zusammenhang mit der Meldepflicht. Im Klinikum waren bisher 21 Corona-Patienten gestorben.

Die Ministerin ließ offen, wann die vorerst bis 19. April geltenden Ausgehbeschränkungen gelockert werden können. „All diese Fragen werden nach Ostern zu beantworten sein“, sagte sie. Dann beraten Bund und Länder darüber. Ab nächster Woche würden vermutlich an drei Standorten Antikörpertests in Brandenburg möglich - dann könne geprüft werden, ob viele Menschen immun seien.

Nonnemacher räumte „massive Engpässe“ bei der Schutzausrüstung ein. Das Land habe beim Bund für sechs Monate unter anderem 2,7 Millionen FFP2-Masken und 1,9 Millionen FFP3-Masken bestellt - dies sind Schutzklassen abhängig von der Filterung. Der Linken-Abgeordnete Ronny Kretschmer kritisierte: „Wir beklagen schon lange den Mangel an Schutzausrüstung.“ Nonnemacher sprach sich gegen eine Pflicht von Atemschutzmasken aus, da die Gefahr bestehe, dass die Menschen dann nicht mehr Abstands- und Hygieneregeln einhielten. Für eine Corona-App zur Analyse der Corona-Infektionswege zeigte sie sich grundsätzlich offen - wenn die App freiwillig sei und Datenschutzregeln eingehalten würden.

Alle Informationen zur Corona-Lage in Brandenburg und Berlin finden Sie in unserem Blog.

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