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Reisebüro Habdank Bad Belzig
"Es ist die absolut schlimmste Situation"

Drei Filialen - in Bad Belzig, Brandenburg an der Havel und Lutherstadt Wittenberg - kämpfen mit der derzeitigen Situation.
Drei Filialen - in Bad Belzig, Brandenburg an der Havel und Lutherstadt Wittenberg - kämpfen mit der derzeitigen Situation. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 07.04.2020, 15:00 Uhr
Bad Belzig Die Sonnenstrände in Italien und Spanien, in der Türkei und Griechenland gehörten vor der Coronavirus-Pandemie zu den Traumzielen der Fläminger. Daneben standen Kreuzfahrten und Fernreisen in der Gunst der Reiselustigen. "Auch Ägypten war stark im kommen", sagt Frank Habdank, der Geschäftsführer von drei Reisebüros ist. Neben einer Filiale in Bad Belzig betreibt er eine weitere in Brandenburg/Havel und eine in Lutherstadt Wittenberg.

Hier wie dort klingeln aktuell die Telefone heiß. Das Coronavirus hat die große weite Reisewelt durch einander gewirbelt und die gesamte Branche in eine tiefe Krise gestürzt.

Anstatt das gebucht wird, wird storniert und mit jedem neuen Tag sehen sich Reiseunternehmer wie Frank Habdank vor neue Herausforderungen gestellt. Mit deutlichen Worten schildert er, wie das Virus die Branche innerhalb kurzer Zeit in die Krise gestürzt hat. Während Kunden ihr für Urlaube gezahltes Geld zurück bekommen wollen, sind Gehälter und Mieten weiter zu zahlen. "Ein Ende ist nicht abzusehen", schätzt er ein und bittet um Geduld.

Denn nicht immer kann sofort jede Frage beantwortet werden. Er versichert: "Wir sind für unser Kunden erreichbar, auch wenn nicht sofort jemand ans Telefon geht. Dann rufen wir zurück. Wir sind auch per E-Mail zu erreichen."

Der Osterreiseverkehr, der mit zu den beliebtesten Reisezeiten gehört, ist in 2020 mittlerweile Geschichte. Wie es weiter geht, ist unklar. Aber soviel ist sicher: "Wir möchten unsere Kunden weiter bedienen", so der Reiseunternehmer.

Wie es mit dem Reisegeschäft insgesamt weitergehen kann, wenn die Coronavirus-Pandemie überstanden ist, auch darüber macht man sich in der Branche Gedanken. Statt Stornierungen könnten Kunden ihre Reisen umbuchen oder für den gezahlten Reisepreis im Gegenzug einen Gutschein erhalten. Wie ein solcher Gutschein aussehen könnte, darüber zerbrechen sich Reiseunternehmer wie Frank Habdank derzeit die Köpfe und stehen in engem Austausch untereinander. Er sagt: "Es ist die absolut schlimmste Situation", das Wort Krise ist nach seiner Einschätzung nicht mehr zutreffend.

Dennoch rät er allen, nicht den Humor zu verlieren. "Egal wie das ganze ausgeht, vom Reisebüro Habdank wird etwas bleiben", so Habdank und beginnt zu erzählen. Davon, dass am 1. Mai das 30-jährige Firmenjubiläum bevorsteht und das er als einer der ersten nach der Wende im Osten und als erster in Belzig ein Reisebüro eröffnete. Er wagte am 1. Mai 1990 als Quereinsteiger den Schritt in die Selbständigkeit.

In Ermangelung von geeignetem Gewerberaum mietet er sich im 12 Quadratmeter großen Pförtnerhaus der früheren SED-Kreisleitung (heute Fläming Gymnasium) in der Ernst-Thälmann-Straße ein. Das besondere: Das Pförtnerhaus verfügte über einen Telefon- und einen Telex-Anschluss! Mit dieser technischen Ausstattung glaubte sich der frisch gebackene Unternehmer gut gerüstet. Er machte sich auf nach Westberlin und erstand dort ein Telexgerät. Wieder in Belzig, wollte er dass Gerät anchließen. Doch Fehlanzeige. Der Telexanschluss des Pförtnerhäuschens - Standart Ost - passte nicht zum Gerät nach Standart West. Damit hatte die nächste Herausforderung an die Tür geklopft. Viele Telefonate und eine Fahrt mit dem Trabant nach Hamburg folgten, bis das eigentlich kleine technische Probleme gelöst werden konnte. "Das ganze läuft gerade wie ein Film in meinem Kopf ab", so Habdank weiter.

Die anfänglichen Startschwierigkeiten waren danach gelöst und die reisefreudige Kundschaft ging im Pförtnerhaus, das schnell zu klein wurde, bald ein und aus. 1993 folgte der Umzug in die Wiesenburger Straße, wo das Reisebüro noch heute sein Domizil hat.

Habdanks Geschichte vom Start in die Reisebranche hat sich mittlerweile herumgesprochen. Bis ins Deutsche Museum für Geschichte in Leipzig. Mitarbeiter von dort haben eines Tages beim Reiseunternehmer aus Belzig angefragt und sich für seine Geschichte, seinen Start in die Selbständigkeit interessiert. Er hat bereitwillig erzählt und für eine Ausstellung da alte Telex gestiftet.

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