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Krisenszenario
Funkamateure proben für Ausfall von Telefon und Internet

Funkverbindungen in alle Welt: Anlässlich der 800-Jahr-Feier Zehdenicks 2016 überreichte Amateurfunker Jan Wittke eine Tafel mit allen angefunkten Ländern an den damaligen Bürgermeister Arno Dahlenburg (rechts).
Funkverbindungen in alle Welt: Anlässlich der 800-Jahr-Feier Zehdenicks 2016 überreichte Amateurfunker Jan Wittke eine Tafel mit allen angefunkten Ländern an den damaligen Bürgermeister Arno Dahlenburg (rechts). © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 08.04.2020, 14:56 Uhr - Aktualisiert 08.04.2020, 16:16
Zehdenick (MOZ) Mittels batteriebetriebener Technik lässt sich auch in einer Notlage Hilfe über eine größere Distanz organisieren.

Den Ernstfall trainiert haben am Wochenende Amateurfunker aus Friedrichsthal bei Oranienburg, Löwenberg, Zehdenick und Templin. Dabei gingen sie von der Annahme aus, dass sämtliche Kommunikationsnetze ausfallen, die meist auf externe Stromzufuhr angewiesen sind. Um dann noch Hilfe organisieren zu können, sei der Amateurfunk eine der Möglichkeiten der Verständigung über größere Distanzen, also ohne dabei Telefon, Smartphone oder Internet zu verwenden, die bei einem Ernstfall möglicherweise nicht zur Verfügung stehen.

Funkanlagen aktiviert

So haben die Amateurfunker am Sonntagnachmittag ihre Funkanlagen aktiviert und dabei auf dem Zwei-Meter-Amateurfunkband untereinander Funkbetrieb durchgeführt, teilte Jan Wittke, Vorsitzender des Ortsverbandes Uckermark Y01 des Deutschen Amateur Radio-Clubs (DARC) nach bestandener Prüfung mit.

Mittels einer Leitstelle wurden relevante Informationen wie der Standort, Sendeleistung und die Art der Stromversorgung auf direktem Funkweg übermittelt. "Sogenannte Relaisfunkstellen, die zur Reichweitenerhöhung dienen, wurden bewusst nicht verwendet, da diese auch aus dem öffentlichen Stromnetz versorgt werden", erläuterte der Zehdenicker. Die meisten beteiligten Funkamateure verwendeten während der Übung einen Zwölf-Volt-Akku für die Stromversorgung ihrer Funkstation.

"Wenn die öffentlichen Kommunikationswege ausgefallen sind, könnte ein längerer Stromausfall die Ursache sein", begründet Wittke den Einsatz der Akkus. "Denken Sie daran, sollte einmal für eine längere Zeit die öffentlichen Kommunikationswege ausfallen, ein Funkamateur wird im Notfall immer versuchen, Hilfe zu organisieren", verspricht der Zehdenicker Vereinsvorsitzende auch im Namen seiner Mitstreiter, Retter in größter Not zu sein.

In diesen Tagen, die viele Arbeitnehmer wegen der Corona-Pandemie gezwungenermaßen zu Hause verbringen müssen, erlebe der Amateurfunk ohnehin als vermeintlich ausgestorbenes Hobby wieder Aufwind. "Damit einem in dieser Zeit die Decke nicht auf dem Kopf fällt, wird gelötet, gebastelt oder auf diversen Amateurfunkbändern Funkbetrieb gemacht. Sei es in traditioneller Morsetelegrafie, den unzähligen digitalen Betriebsarten mit und ohne Computer oder einfach nur mittels klassischem Sprechfunk", wissen sich Amateurfunker wie Jan Wittke auch in dieser schwierigen Zeit zu beschäftigen.

Viel Fachchinesisch

Gearbeitet werde auf der Kurzwelle, im Zwei-Meter- oder 70-Zentimeter-Band, im Gigahertzbereich und sogar über Satellit, streut der Zehdenicker noch ein wenig Fachchinesisch in die Präsentation seines Hobbys ein. "Einen Gesprächspartner außerhalb der eigenen vier Wände finden Funkamateure immer. Weltweit!", weiß der Experte, dass es viele Gleichgesinnte auf allen Kontinenten dieser Erde gibt.

Wer sich für den Amateurfunk interessiert, der sollte sich nicht scheuen, auf Funkamateure in der Nachbarschaft zuzugehen. Zu erkennen seien diese meist an "auffälligen Antennen" auf ihren Grundstücken. "Ein Funkamateur wird ihnen sicher gern alles über das interessante Hobby erklären und erläutern, um was es sich im Einzelnen handelt", lädt er ein.

Da der Funkamateur eine vorgeschriebene staatliche Prüfung vor der Bundesnetzagentur absolviert hat, kenne er selbstverständlich alle gesetzlichen und technischen Vorgaben. "Er wird seine Funkanlage so errichten, dass keine elektrischen Anlagen in der Umgebung beeinträchtigt werden", verspricht Wittke Rücksichtnahme auf die Nachbarn von Funkamateuren.

Wer mehr über den Amateurfunk erfahren möchte, kann die Internetseiten des Deutschen Amateur Radio Club unter www.darc.de besuchen oder die Seite des Ortsverbandes Uckermark unter der Adresse www.ov-y01.de anklicken, schlägt Jan Wittke allen Wissensdurstigen vor.

Mit aller Welt verbunden

Der Ortsverband Y01 ist einer von drei Ortsverbänden in der Uckermark. Die Mitglieder kommen aus den Kreisen Oberhavel , Uckermark sowie Berlin und auch aus Mecklenburg-Vorpommern. Zurzeit hat der Ortsverein, dessen Vorsitzender der Zehdenicker Jan Wittke ist, 14 Mitglieder. Diese treffen sich  regelmäßig, um interessante Themen zu besprechen.

Im Jahr 2016 haben die Funkamateure des Ortsverbandes Uckermark mit 6 448 Funkverbindungen die Information zum 800-jährigen Bestehen der Stadt Zehdenick auf alle Kontinente der Erde verbreitet.  Die Länderliste reichte von Aland Islands über Jamaica bis Western Sahara.⇥ris

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