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Soziales
Neuruppins ASB-Ombudsfrau hat ein offenes Ohr für alle

Kathleen Giese hat sich in ihrer Küche eine kleine Telefonzentrale eingerichtet.
Kathleen Giese hat sich in ihrer Küche eine kleine Telefonzentrale eingerichtet. © Foto: ASB
Judith Melzer-Voigt / 08.04.2020, 18:30 Uhr
Neuruppin (MOZ) Der direkte Kontakt zu Menschen ist es, der Kathleen Gieses Arbeitsalltag auszeichnet. Die 29-Jährige ist Ombudsfrau beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Neuruppin. Wie bei vielen Menschen hat sich ihr Job nun komplett verändert.

"Als Ombudsfrau bin ich in den verschiedenen ASB-Einrichtungen unterwegs", erklärt die Neuruppinerin. Am anderen Ende des Telefons ist Kinderlachen zu hören. Kathleen Giese arbeitet derzeit von zu Hause aus und betreut nebenbei ihr Kind. "Mein Job ist es, mit den Kunden zu sprechen, zu fragen, wie sie sich fühlen und ob alles okay ist. Ich will ihnen ein Stück Lebensqualität geben." Besonders oft kümmert sich die 29-Jährige um Senioren, die zu Hause leben, ambulant oder durch einen Pflegedienst betreut werden, aber auch um solche, die in Pflegeeinrichtungen leben. "Der Job der Schwester ist stressig, sie haben nicht so viel Zeit", weiß Giese. "Bei mir ist das anders: Ich setze mich hin, höre zu und rede mit den Leuten." Seit einem Jahr ist Kathleen Giese die ASB-Ombudsfrau. Vorher war sie selbst im Pflegebereich tätig.

Arbeit von zu Hause

"Durch die Corona-Krise und das Kontaktverbot hat sich die Arbeit gewandelt", erklärt die Neuruppinerin. Sie hat improvisiert: Die heimische Küche wurde kurzerhand zum Büro umgewandelt. "Ich scherze immer, dass ich mir hier eine Telefonzentrale eingerichtet habe", sagt Kathleen Giese. Am Küchentisch arbeitet sie nun die Namensliste der Leute ab, die vom ASB betreut werden – von A bis Z, jeder wird in Absprache mit den jeweiligen Betreuungseinrichtungen angerufen. "Ich frage nach, wie es den Leute geht, ob sie Hilfe brauchen oder gut versorgt sind." Kathleen Giese ist nun die Schnittstelle zwischen den Menschen und den Einrichtungen des ASB.

"Ich unterhalte mich mit den Leuten, gern auch mal eine halbe Stunde und über Dinge, die schon 20 oder 30 Jahre zurückliegen", sagt die 29-Jährige. Die Hauptsache sei, dass der Kontakt gehalten wird. Überwiegend kümmert sich Giese derzeit um ältere Menschen. Zwar ist sie als ASB-Ombudsfrau auch für die zwei dazugehörenden Kitas zuständig. "Aber die Eltern halten untereinander Kontakt oder haben ihre Bekannten, mit denen sie regelmäßig kommunizieren." Bei vielen Senioren sei das anders. "Bei ihnen ist oft das Telefon schon die erste große Kontaktschwelle."

Vor allem all jene, die die 70 Jahre schon überschritten haben, haben laut Kathleen Giese derzeit den größten Bedarf nach einem Gespräch. Es handelt sich hauptsächlich im Leute, die sonst ambulant oder in der Tagespflege betreut werden. "Im stationären Bereich sind ja viele weiterhin wie gewohnt versorgt. Sie haben ihren gewohnten Alltag", erklärt Kathleen Giese. Doch für die anderen fallen unter anderem die Ehrenamtler weg, die sonst für sie einkaufen gehen oder auch einfach mal so vorbeischauen. "Sie wollen die Klienten vor einer Ansteckung schützen", so die Ombudsfrau.

Starke Belastung

Durch den Wegfall der sozialen Beziehungen sind die Senioren stark belastet, sagt die 29-Jährige. "Die Kontakte zu den Enkeln und Kindern sind eingeschränkt", erklärt sie. Oftmals würden die Angehörigen Einkäufe vor die Haustür stellen und verschwinden – die Angst vor einer Ansteckung der älteren Menschen, die zur Risikogruppe gehören, ist einfach zu groß. "Einige sorgen sich auch, ob sie überleben, wenn sie mit dem Virus infiziert werden sollten", hat Kathleen Giese erfahren. Nur selten hört sie die Bitte um Hilfe. "Ich muss das ja glauben, was mir die Leute erzählen", sagt die Ombudsfrau. "Aber ich erkläre ihnen dann auch, dass sie sich dem Risiko nicht aussetzen und lieber nicht selbst einkaufen gehen sollten." Der ASB vermittelt bei Bedarf auch einen Einkaufsservice. Wenn jemand derzeit nicht wie gewohnt mit Mittagessen versorgt wird, weil der Lieferdienst geschlossen ist, könne selbst dieses Problem gelöst werden.

"Die Arbeit ist gerade komisch", sagt Kathleen Giese. "Ich habe immer lieber den persönlichen Kontakt zu den Menschen." Spaß macht der Job trotzdem. "Wenn ich ein Lächeln durchs Telefon höre, ist alles okay."

Der Draht zuKathleen Giese

Die telefonische Beratung der Ombudsfrau richtet sich an Bewohner, Kunden, Gäste, Angehörige und Kita-Familien vom ASB Neuruppin. Kathleen Giese ist unter 0173  3216872 erreichbar.

Informationen zu den Angeboten des ASB erhalten Interessierte unter www.asb-neuruppin.de.⇥red

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