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Kultur
Vielitzer Musikscheune verabschiedet sich

Kultur auf dem Land: Seit 2001 finden in jedem Sommer fünf bis sieben Konzerte in der Scheune am Ufer des Vielitzsees statt. Der Initiator Reinhard Hagen (Mitte) möchte die Region nun verlassen.
Kultur auf dem Land: Seit 2001 finden in jedem Sommer fünf bis sieben Konzerte in der Scheune am Ufer des Vielitzsees statt. Der Initiator Reinhard Hagen (Mitte) möchte die Region nun verlassen. © Foto: Jürgen Rammelt
Brian Kehnscherper / 08.04.2020, 18:30 Uhr
Vielitz (MOZ) Es ist ein schöner Abschied, der Reinhard Hagen vorschwebt, verbunden mit einem Jubiläum: Bevor er die Region verlässt, soll es zum 20. Mal Klassik, Opern, Jazz und Salonmusik in der idyllisch am Ufer des Vielitzsees gelegenen Scheune geben. Doch das Coronavirus könnte den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen.

Als der Opernsänger mit seiner Frau aus Berlin auf den Vierseithof in Vielitz zog, wusste er noch nicht, was er mit der Scheune auf der Rückseite des Anwesens machen solle. "Ich dachte, ich nutze sie als Raum zum Üben. Dann kam die Idee auf, dass Freunde für Freunde Musik machen. Schließlich reifte der Entschluss, es öffentlich zu machen", erinnert sich der 58-Jährige an die Anfänge. Im Sommer 2001 gaben die Brandenburger Sinfoniker das erste Konzert in der Scheune. Kamen anfangs noch vor allem Musiker aus Hagens Bekanntenkreis, wuchs die Nachfrage bald an. "Das wurde irgendwann ein Selbstläufer", so Hagen, der bald aus einem großen Stock an Musikern wählen konnte, wer bei ihm auftritt. So kann er einerseits eine gewisse Bandbreite abdecken und andererseits auch den Publikumsgeschmack berücksichtigen. "Kammermusik wird nicht so gut angenommen. Kabarett und Operetten laufen hingegen gut", so seine Erfahrungen.

Besucherzahlen stetig gestiegen

Von den Besucherzahlen sei er anfangs überrascht gewesen. "Am Anfang war ich froh, wenn wir 100 Zuschauer erreichen. Heute ist man fast enttäuscht, wen es ,nur’ 100 sind", sagt er. Insgesamt finden 200 Menschen in der Scheune Platz. Fünf bis sieben Veranstaltungen haben seit der Gründung jedes Jahr dort stattgefunden. Für die Abschiedssaison hat Hagen sogar acht geplant.

Angesichts der Corona-Krise ist aber unklar, ob und wie viele davon tatsächlich stattfinden dürfen. Zwar besteht die Aussicht, dass die Regelungen zur Kontaktbeschränkung ab dem 20. April langsam gelockert werden. Dass Veranstaltungen, bei denen viele Besucher auf engem Raum zusammenkommen, schnell erlaubt werden, ist jedoch unwahrscheinlich. Das erste Konzert, das für den 7. Juni geplant ist, steht also auf der Kippe. "Ich kann die Konzerte leider auch nicht weit nach hinten verschieben, weil die Scheune nicht beheizbar ist", so Hagen. Im schlimmsten Fall gebe es keine Abschiedssaison. Wohin genau es ihn und seine Frau verschlägt, weiß Hagen noch nicht. Eigentlich sollte es nach Italien gehen. Wegen der Corona-Krise ist das aber derzeit ungewiss.

Wohin es geht, ist ungewiss

Auch Österreich oder die Schweiz seien Optionen. Bisher habe er zwei Interessenten für sein Anwesen in Vielitz gehabt. Ob jemand die Musikscheune weiterführen möchte, wisse er jedoch nicht, auch wenn er es sich wünschen würde. "Man könnte dort auch andere Musikgenres stattfinden lassen. Volkstümliche Sachen laufen eigentlich immer sehr gut." Für ihn sei es aber definitiv die letzte Spielzeit.

Das geplante Programm

Das Eröffnungskonzert ist für Sonntag, 7. Juni, ab 17 Uhr mit den Wilden Witwern im Kleinen Strandcafé vorgesehen.

Das Trio "Les Troizettes" gibt am Sonntag, 14. Juni, ab 17 Uhr ein Konzert in der Musikscheune.

Der Singer/Songwriter Ben Sands präsentiert am Sonntag, 28. Juni, ab 17 Uhr sein Album "Chocolate".

Dixieland und Swing erklingen am Sonntag, 12. Juli. Die Band "Embrassment" präsentiert ab 17 Uhr ihr Programm "Bühnenfieber".

Blasmusik gibt es am Sonntag, 2. August, ab 17 Uhr mit "Jacaranda".

Der Liebesliederwalzer und andere Werke von Brahms ertönen am Sonntag, 9. August, ab 17 Uhr.

Der Kabarettist Uli Masuth präsentiert am Sonntag, 23. August, ab 17 Uhr sein Programm "Mein Leben als ich".

Das Ensemble "Divertimento Vocale Berlin" gibt am Sonntag, 6. September, ab 17 Uhr das Abschlusskonzert.⇥red

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