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Radverkehr
Hochhaus für Fahrräder kommt erst 2021

Roland Becker / 08.04.2020, 21:15 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Der Radturm am Hennigsdorfer Rathaus-Parkplatz wird in diesem Jahr nicht gebaut. Das bestätigte Baubereichsleiter Daniel Stenger. Als Grund führte er an, dass der zuerst eingeschlagene Förderweg nicht erfolgreich war. Die Stadt hatte sich einen bis zu 80-prozentigen Zuschuss vom Bundesprogramm "Förderung innovativer Projekte zur Verbesserung des Radverkehrs" erhofft. "Anfang Januar wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht berücksichtigt worden sind", berichtete Stenger.

Mittlerweile sei man aber auf einem guten Weg, das Projekt auf andere Weise fördern zu lassen. Und das ist auch nötig. Denn die Stadtverordneten hatten dem Radturm mehrheitlich nur unter der Maßgabe zugestimmt, dass das Vorhaben mindestens zu 70 Prozent gefördert wird. Der neue Weg ist allerdings komplizierter. Es müssen nämlich zwei Förderprogramme in Anspruch genommen werden. Zum einen ist das die Landesrichtlinie ÖPNV Invest, zum anderen das Bundesprogramm "Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten im kommunalen Umfeld". Um die Förderanträge abgeben zu können, wird noch auf zwei von drei Stellungnahmen, unter anderem vom Verkehrsverbund VBB, gewartet. Geht alles gut, rechnet Stenger mit 71 Prozent Förderung. Allerdings geht er "durch den Verzug des Baues" auch von höheren Kosten aus. Diese schätzt er jetzt auf 728 000 Euro.

Ladestationen für E-Bikes

Darin enthalten ist ein bisher nicht vorgesehenes Schmankerl für E-Bike-Besitzer: "Wir errichten am Radhaus oder in Bahnhofsnähe zehn bis zwölf Fahrrad-Schließfächer mit Auflademöglichkeit", erläuterte Stenger. Um den Fördertopf nutzen zu können, ist das auch notwendig. In Vorgaben heißt es: "Es müssen für mindestens zehn Prozent der Stellplätze Ladeinfrastruktur für E-Bikes bereitgehalten werden." Für Hennigsdorf wären das bei 122 Stellplätzen ein Dutzend.

Auch wenn der Bau im Erfolgsfall mit 525 000 Euro gefördert wird: Lohnt sich das Projekt bei erwarteten Gesamtkosten von 738 000 Euro? Die Frage ist insofern schwierig zu beantworten, weil es bislang kaum Referenzobjekte gibt. Eines davon steht in der baden-württembergischen Kleinstadt Rutesheim. Es handelt sich um einen Radturm der Firma Wörl Autoparksysteme. Der runde Biketurm gilt in Hennigsdorf als heimlicher Favorit. Den Vorteil beschreibt Stenger damit, dass "die Zugriffszeiten aufs Rad kürzer sind, da jedes Fahrrad auf einer eigenen Schiene steht". Ein anderer Anbieter offeriert eine Variante, bei der bei jedem Ein- und Ausparken eine ganze Palette bewegt wird. Das frisst Zeit.

"Bei unserem Biketurm handelt es sich um ein Pilotprojekt", sagt Rutesheims Vize-Bürgermeister Martin Killinger. Die Stadt bekam es von Wörl geschenkt. Killinger lässt durchblicken, dass er so viel Geld für den 11,5 Meter hohen Turm nicht in die Hand genommen hätte. Der steht vorm städtischen Schulzentrum und stößt bei den Schülern, die morgens zeitgleich kommen, auf mäßiges Interesse. Da der Fahrstuhl nur drei Räder pro Minute verkraftet, "ist er für den zeitgleichen Ansturm völlig ungeeignet", urteilt Killinger.

Zu solchen Staus könnte es zu Spitzenzeiten auch in Hennigsdorf kommen; etwa kurz vor Abfahrt einer S-Bahn. Doch die Mehrheit im Stadtparlament hatte sich bewusst für den Biketurm und gegen ein Fahrradparkhaus entschieden, das mehr Nutzer zeitgleich verkraftet. Daniel Stenger hofft, dass 2021 gebaut werden kann.

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