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Havelländisches Frauenhaus in Rathenow
Catrin Seeger setzt Hoffnung ins neue Frauenreferat

Catrin Seeger, hier bei der One-Billion-Rising-Aktion 2020 in Rathenow, setzt auf das nun eingesetzte Frauenreferat im Sozialministerium des Landes Brandenburg.
Catrin Seeger, hier bei der One-Billion-Rising-Aktion 2020 in Rathenow, setzt auf das nun eingesetzte Frauenreferat im Sozialministerium des Landes Brandenburg. © Foto: Manuela Bohm
Manuela Bohm / 09.04.2020, 07:30 Uhr
Rathenow (MOZ) Die Instanbul-Konvention will Frauen vor Gewalt schützen und Möglichkeiten zum Schutz bieten. Ratifiziert wurde die weltweit zweite rechtlich bindende Konvention zum Schutz von Frauen gegen Gewalt in Deutschland bereits 2017. Sie sieht je 10.000 Einwohner einen Platz in einem Frauenhaus vor. Im Landkreis Havelland gibt es ein Frauenhaus mit fünf Plätzen für Frauen mit ihren Kindern.

"Ich bin guter Hoffnung, dass die Vorgaben der Instanbul-Konvention nun im Land Brandenburg und im Landkreis Havelland umgesetzt werden können", sagt Catrin Seeger, Leiterin des Frauenhauses im Havelland, angesichts der Schaffung eines Frauenreferats im Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz zum 1. April. Es sei frustrierend gewesen, dass das Wort Frauen aus dem Titel des verantwortlichen Ministeriums gestrichen war, meint Seeger. Aber: "Der Name ist das Eine, er muss auch mit Leben gefüllt sein. Dies wird sicher mit dem Referat für Frauen, Gleichstellung, Antidiskriminierung, Queere Lebensweisen gelingen. Es ist personell stärker untersetzt als die bisher", erklärt die engagierte Rathenowerin. Mitarbeiter des Referats hätten im vorherigen Wirken bereits im thematischen Bereich Frauen gearbeitet und wüssten um die Besonderheiten.

Bezieht man die Instanbul-Konvention allein auf die Ausstattung, fällt auf, dass die Kapazität des havelländischen Frauenhauses in der Kreisstadt Rathenow nicht den Anforderungen der Konvention gerecht wird. Je 10.000 Einwohner soll ein Platz vorgehalten werden. Im Landkreis Havelland leben mehr als 165.000 Menschen - mindestens 16 Plätze müssten dementsprechend zur Verfügung stehen. Jeder Platz steht dabei für eine Frau. Zumeist bringen sie die Kinder mit, die mit ihnen im Haushalt lebten, aus dem sie sich flüchteten.

Das havelländische Frauenhaus in Rathenow ist zudem nicht barrierefrei. "Wir konnten auch in Rücksprachen mit dem Landkreis Havelland, unserer Bedarfe an das Referat übermitteln - eigentlich brauchen wir ein neues Frauenhaus", betont Catrin Seeger. Zudem müssten ergänzende Strukturen aufgebaut werden und mehr Personal müsste sich um die verschiedenen Angebote rund um das Frauenhaus kümmern dürfen. Die Mitarbeiterinnen bieten auch externe Beratungen für Frauen an und sorgen auf verschiedenen Wegen dafür, dass sie von Betroffenen wahrgenommen werden.

"Im Moment sehen wir die gegebene Situation als schwierig an", so Seeger. Sie spricht auf die Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus an. "Überall heißt es, bleibt zuhause. Frauen, die von Gewalt bedroht sind, haben so kaum eine Chance uns zu kontaktieren, wenn ihr Mann neben ihnen auf der Couch sitzt", verdeutlicht die Frauenhausleiterin die Problematik.  Daher wurden über das Netzwerk der Frauenhäuser zwei Flyer entwickelt. Einer für Nachbarn betroffener Frauen - sie sollen so sensibilisiert werden und Hilfen anbieten. Der zweite richtet sich an Betroffene selbst, um ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie aus ihrer Situation gelangen können.

Noch würden die Angebote des Frauenschutzes im Havelland wegen der Coronakrise nicht verstärkt in Anspruch genommen. Darüber ist Seeger dennoch besorgt. "In Normalzeiten passiert bereits mehr als sichtbar wird. Man kann davon ausgehen, dass dies nun um so mehr gilt: die Nerven liegen blanker, alle sind zuhause, die Frauen haben weniger Kontakte zu Freundinnen und weil sie nicht zur Arbeit können", vermutet Catrin Seeger.

Direkte Kontakte sollen vermieden werden - sie sind aber Teil eines Frühwarnsystems. Das gilt auch für Kinder. Sie erhalten Hilfe und Beratung unter der Telefonnummer 116111, Frauen sollten die 08000/116016 wählen. Übrigens könnten Frauen in Spanien über ein Codewort in Apotheken um einen Notruf bitten, weiß Seeger, die sich solch ein Verfahren auch in Deutschland wünscht. Das Frauenhaus in Rathenow (Krisen- und Beratungszentrum) ist unter 03385/503615 zu erreichen. Die Nummer findet sich ständig in den BRAWO-Ausgaben auf Seite 2.

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