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Corona-Krise
Was Beschäftigte und Unternehmer zur Kurzarbeit wissen müssen

21.000 Betriebe in Brandenburg haben bisher Kurzarbeit angemeldet. Die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um Kurzarbeit hier im Überblick.
21.000 Betriebe in Brandenburg haben bisher Kurzarbeit angemeldet. Die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um Kurzarbeit hier im Überblick. © Foto: Jens Büttner/dpa
Christina Sleziona / 09.04.2020, 15:10 Uhr - Aktualisiert 09.04.2020, 17:02
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Corona-Krise zieht auch an Brandenburg nicht spurlos vorbei. Am Stichtag, dem6. April haben bereits 21.000Betriebe in Brandenburg Kurzarbeit angemeldet, wie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur am Donnerstag mitteilte.

Um eine Kündigungswelle vorzubeugen, hatte die Bundesregierung die Regelung zur Kurzarbeit rückwirkend zum 1. März vereinfacht. Doch wer kann Kurzarbeit beantragen?Wie hoch fällt das Kurzarbeitergeld aus? Und kann es auch Kurzarbeitergeld für Leiharbeiter und Minijobber geben? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Was ist Kurzarbeit?

Unternehmen können in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Produktion und Dienstleistungen reduzieren oder den Betrieb ganz und gar einstellen. Um die Mitarbeiter im Betrieb zu halten, kann der Arbeitgeber für die Kurzarbeitergeld (KuG) bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Das KuG gleicht den fehlenden Lohn teilweise aus.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Beschäftigte in Kurzarbeit erhalten grundsätzlich 60 Prozent ihres Netto-Einkommens. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, sind es 67 Prozent.

Mithilfe des Kurzarbeitergeld-Rechners können Sie die Höhe berechnen.

Wann kann ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen?

In der Corona-Krise hat die Bundesregierung die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld deutlich erleichtert: Für die Beantragung reicht es nun aus, wenn zehn Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens von Arbeitsausfall betroffen sind. Normalerweise muss mindestens ein Drittel der Beschäftigten betroffen sein.

Welche Betriebe können Kurzarbeit beantragen?

Kurzarbeit können alle gewerblichen Unternehmen beantragen. Also auch all jene, die kulturellen oder sozialen Zwecken dienen. Dabei ist dieGröße des Betriebs nicht entscheidend. Es kann auch nur einen abhängigen Beschäftigten geben.

Unternehmen des ÖffentlichenDienstes sind in der Regel von Kurzarbeit ausgenommen. Liegt aber ein unabwendbarer Grund für Kurzarbeit vor – zum Beispiel behördlich angeordnete Schließungen –, kann auch für diese Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld beantragt werden.

Wie lange kann Kurzarbeitergeld gezahlt werden?

Der Bezug ist bis zu 12 Monate möglich.

Müssen Arbeitnehmer das Kurzarbeitergeld selbst beantragen?

Nein, die Beantragung von Kurzarbeit ist Aufgabe des Unternehmens.

Wer kann Kurzarbeitergeld erhalten?

Berechtigt sind alle Mitarbeiter, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Der Arbeitgeber bekommt die Sozialversicherungsbeiträge erstattet.

Leiharbeiter: Das Kurzarbeitergeld gilt auch für Beschäftigte in Leiharbeit.

Auszubildende: Auszubildende erhalten normalerweise kein Kurzarbeitergeld. Schließlich soll auch bei verminderter Produktion die Ausbildung fortgesetzt werden. Wenn jedoch das Unternehmen Corona-bedingt schließen sollte, und die Unterbrechung der Ausbildung somit unvermeidlich ist, können auch Auszubildende Kurzarbeitergeld erhalten. Allerdings muss in diesem Fall im Sinne des Berufsbildungsgesetzes die Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen in vollem Umfang weiter gezahlt werden.

Minijobber: Weil Minijobber von der Sozialversicherungspflicht befreit sind, sind sie von der Kurzarbeit ausgenommen.

Ausländische Beschäftigte: Jeder in Deutschland beschäftigte ausländische Arbeitnehmer ist unter deutschem Recht sozialversichert und hat daher unabhängig vom Aufenthaltsstatus und von der Staatsangehörigkeit Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Für bestimmte Gruppen gibt es allerdings Sonderregelungen zu beachten. Weitere Informationen dazu finden Sie unter: https://www.dgb.de/-/xx1

Was ist mit Arbeitnehmer, die krank oder im Urlaub sind?

Beschäftigte, die vor Beginn der Kurzarbeit im Urlaub sind oder Krankengeld erhalten, sind vom Kurzarbeitergeld ausgenommen. Für diese muss der Arbeitgeber weiter aufkommen.

Welche Hilfen bekommen Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer, die kein Anrecht auf Kurzarbeitergeld haben?

Kleine Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler erhalten von der Bundesregierung einen einmaligen Zuschuss von bis zu 15.000 Euro, der nicht zurückgezahlt werden muss. Für die Abwicklung sind die Bundesländer zuständig.

Wer zahlt während der Kurzarbeit die Sozialversicherungsbeiträge, zum Beispiel für die Krankenversicherung?

Bei Kurzarbeit werden alle Sozialversicherungsbeiträge von der Bundesagentur für Arbeit übernommen.

Können Arbeitnehmer sich etwas neben dem Kurarbeitergeld dazuverdienen?

Das hängt ganz davon ab, ob die zusätzliche Tätigkeit bereits vor Beantragung der Kurzarbeit bestand. Wird der Nebenjob erst während des Bezugs von Kurzarbeitergeld aufgenommen, wird dieses Einkommen in voller Höhe angerechnet. Wegen der Corona-Krise dürfen Kurzarbeiter jedoch in systemrelevanten Branchen – also im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft oder in der Logistik – ohne Abzüge hinzuverdienen.

Und wenn das Gehalt trotzdem nicht reicht?

Die Vermögensprüfung für den Bezug des Arbeitslosengelds II (Hartz IV) entfällt für sechs Monate. Dadurch erhält der Empfänger deutlich schneller die Unterstützung. Während des Leistungsbezugs werden außerdem die Ausgaben für Wohnung und Heizung in den ersten sechs Monaten in tatsächlicher Höhe anerkannt, denn niemand soll in der Corona-Krise wegen zu hoher Mietkosten umziehen müssen.

Gibt es zusätzliche Hilfen für Familien mit geringem Einkommen?

Familien mit kleinem Einkommen haben Anspruch auf zusätzliche 185 Euro pro Kind und Monat. Der Notfall-KiZ ist ein Zuschlag zum Kindergeld und kann online beantragt werden. Ob und in welcher Höhe der monatliche Kinderzuschlag gezahlt wird, hängt vor allem vom eigenen Einkommen, den Wohnkosten, der Größe der Familie und dem Alter der Kinder ab. Mehr Informationen finden Sie hier: https://con.arbeitsagentur.de/prod/kiz/ui/start

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