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Kranzniederlegung
Gedenken an das Massaker in Hartmannsdorf

Chronik der Gräueltat: Ortsvorsteher Bernhard Baumann erinnert an das Massaker in Hartmannsdorf vor 75 Jahren.
Chronik der Gräueltat: Ortsvorsteher Bernhard Baumann erinnert an das Massaker in Hartmannsdorf vor 75 Jahren. © Foto: Anke Beißer
MOZ / 21.04.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 21.04.2020, 10:35
Hartmannsdorf (MOZ) Am 21. und 22. April 1945 wurde das grausamste Kapitel in der Geschichte von Hartmannsdorf geschrieben. Heute, 75 Jahre nach dem als "Blutrausch" bezeichneten Massaker, bei dem 16 Kinder, Frauen und Männer von SS-Schergen niedergemetzelt wurden, will Spreenhagens Bürgermeister Bernhard Baumann, zugleich Hartmannsdorfs Ortsvorsteher, mit einem Kranz am Mahnmal in der Lindenallee der Opfer gedenken.

Die Gräueltat, die an jenen letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs an der Zivilbevölkerung verübt wurde, lässt noch immer erschauern. Baumann bewahrt Dokumente und Augenzeugenberichte in der Chronik des Ortsteils auf. Er erzählt, dass die Front damals kein starre Linie darstellte. Laut der Überlieferung stand die Einnahme des Ortes durch die Rote Armee unmittelbar bevor. Die Einwohner waren aufgerufen, durch weiße Stoffbahnen ihre Aufgabe zu signalisieren. Die Hartmannsdorfer glaubten den Krieg beendet. Manche hatten sich zuvor im Wald versteckt, kamen nun ins Dorf zurück.  Doch statt der Roten Armee strich am 21. April 1945, gegen 23 Uhr, die SS noch einmal durch den Ort.

Den Aufzeichnungen zufolge zerrten sie die Bewohner von weiß beflaggten Gebäuden aus ihrer Behausung und metzelten sie nieder. Wehrlose Kinder, das jüngste erst 10, Frauen und Männer, der älteste 87, wurden erschossen oder bestialisch zu Tode geprügelt. Zwölf Bewohner traf es am ersten Tag. Nach dem Massaker sollte das Dorf noch immer nicht zur Ruhe kommen. Am 22. April schlug die SS abermals zu, ermordete vier weitere Harmannsdorfer – eine Frau und drei Männer.

Inmitten des Dorfes erinnert ein Gedenkstein, den Baumann heute besucht, an den Massenmord. Er steht in der Nähe zu den Gehöften, auf denen die SS-Schergen die Bluttaten begangen. Beerdigt sind die Opfer auf dem kommunalen Friedhof. "Wir wollten die Stätte bis heute herrichten, haben das aufgrund der Corona-Krise aber nicht ganz geschafft", bedauert Baumann.

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