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Dorfkirche in Nennhausen
Von Stechows Geburtstagsspende gut investiert

Simone Weber / 23.04.2020, 07:30 Uhr
Nennhausen In diesen Tagen hat die lang erwartete und dringend notwendige Restaurierung dreier wertvoller Kunstwerke in der Dorfkirche Nennhausen begonnen.

"Unsere Kirche hat als Sehenswürdigkeiten mehr zu bieten als den im Altarraum ausgestellten preußischen Kavalleriedegen, mit Schild, des romantischen Dichters der Undine, Friedrich de la Motte Fouqué, der 1803 bis 1831 als Ehemann von Caroline von Briest auf Schloss Nennhausen lebte und deren Musenhof viele Künstler ihrer Zeit anzog", so Gemeindeglied Felix Doepner, Pfarrer im Ruhestand. "Seit 1614 hängt an der Südwand des Altarraums das für eine Dorfkirche in Größe und Pracht schon außergewöhnliche Lochow-Epitaph. Es ist nicht nur ein Schmuckstück in künstlerischer Hinsicht, sondern auch in seiner vielfältigen biblischen Botschaft. Georg von Lochow ließ die Kirche vor über 400 Jahren umbauen."

Die an der östlichen Gibelwand angebrachte Jahreszahl 1613 zeugt vom Umbau wohl einer Fachwerkkirche aus dem Jahr 1475, in einen massiven, verputzten Saalbau. Der 1612 gestorbene Georg gehört in die Reihe der Patronatsherren derer von Lochow (1480 bis 1677), die das Rittergut Nennhausen als Lehen von den Brandenburger Bischöfen erhielten. 1677 folgten die von Briest.

Das Epitaph des Magdeburger Bilddhauers Christoph Dehne (1575-1640) für Georg und Agnes von Lochow aus feinstem Alabaster und grauem Marmor wurde durch deren Söhne Ludwig und Heinrich, unter anderem Domherren in Brandenburg, gestiftet. Die Arbeit gilt als kunstgeschichtlich als ebenso hervorragendes wie richtungsweisendes Werk zwischen Spät-Renaissance und Frühbarock. Das Lochow-Epitaph wird demnächst durch die Firma Steinhoff Restaurationen aus Berlin restauriert.

Neben diesem steht noch ein zweites, deutlich kleineres, auch schlichteres Epitaph für Theodor Heinrich Rochus von Rochow, Sohn von Caroline von Briest. Dieses schuf der bedeutende und vielseitige Berliner Architekt und Baurat Friedrich Adler (1827-1908). Das neugotische Sandsteinepitaph ist durch zwei charakteristische Ritterfiguren flankiert. Theodor von Rochow (1794-1854) kämpfte in den Napoleonischen Befreiungskriegen und war zuletzt, seit 1845 preußischer Gesandter am Zarenhof in St.Petersburg. 1847 bis 1854 war er der letzte Herr derer von Rochow in Nennhausen.

Mit der Restauration  ist Oliver Guhr aus Berlin beauftragt. "Das Epitaph wurde, bereits zu DDR-Zeiten übermalt", erklärt Felix Doepner. "Keiner weiß mehr genau, wann und warum."

An der südlichen Altarwand hängt ein durch Clemens Colasius 1678 geschaffenes Porträtgemälde des 1609 geborenen Balthasar Köpke, der rund 40 Jahre lang, bis zu seinem Tod 1677, als Pfarrer in Nennhausen wirkte. Bereits Anfang April wurde es zur Restauration durch Grit Jehmlich nach Potsdam gegeben.

"Der Zahn der Zeit aber auch manch Unvorsichtigkeit haben den drei Kunstwerken geschadet. Seit rund zehn Jahren setzt sich ein kleiner Kreis um den Anfang März verstorbenen Dr. Alexander von Stechow für die Restaurierung, vor allem des Lochow-Epitaphs, ein", so Doepner. "Seinem intensiven Bemühen ist die Realisierung nun hauptsächlich zu verdanken."

Die konkreten Vorarbeiten, mit Voruntersuchungen sowie allen Genehmigungen, begannen vor knapp zwei Jahren. Von den Gesamtkosten in Höhe von zirka 40.000 Euro hat die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam einen großzügigen Anteil als Förderung übernommen. Die Kirchengemeinde leistet ihren Beitrag aus Eigenmitteln und Spenden, von denen ein Teil aus Anlass des 80. Geburtstags Alexander von Stechows 2018 zusammen kam.

"Da unsere Gemeinde schon nicht den Start der Restaurierung feierlich begleiten konnte, wollen wir zumindest deren erfolgreichen Abschluss, der auch in Abhängigkeit der Corona-Pandemie bis etwa nach den Sommerferien geplant ist, in einem gemeinsamen Gottesdienst feiern", so Doepner.

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