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Lieberoser Heide
Natur erobert sich die Panzerschießbahn zurück

Olaf Gardt / 27.04.2020, 07:30 Uhr
Lieberose (MOZ) Man spürt die Trockenheit. Bei jedem Schritt stiebt der Sand auf, tritt man etwas neben die Wege, knirschen trockene Moose und Flechten. Erklimmt man den Generalshügel, schöpft man Hoffnung. Von hier aus, sechs Meter über der Lieberoser Wüste, kann man sehen, wie sich die Natur einen der ehemals größten Truppenübungsplätze Europas zurückerobert. Die Blattknospen der Birken platzen auf, es wird grün.

Noch 1992 passierte es so manchem Pendler, der zwischen Lieberose und Peitz unterwegs war, dass er auf der Bundesstraße halten musste. Russische Streitkräfte hielten ihre Manöver ab, die Straße ging quer durch die Panzerschießbahn. Immerhin wurde die vor der Schießerei gesperrt.

Militärisches Übungsgelände war das Areal schon viel früher. Die Nazis hatten große Pläne in der Lieberoser Heide. Als Ende 1942 die personelle Aufrüstung der Waffen-SS begann, brauchte man Unterkünfte und Ausbildungsplätze. Deshalb sollte der SS-Truppenübungsplatz Kurmark ausgebaut werden. Zwangsarbeiter aus ganz Europa und KZ-Häftlinge gelangten in die Region. Jamlitz, Groß Muckrow, Chossewitz Ullersdorf und 13 andere Dörfer sollten zwangsumgesiedelt werden.

In dieser Zeit entstand auch die Lieberoser Wüste. Ursache war ein großer Waldbrand, der 1700 Hektar Kahlfläche zurückließ. Die jahrzehntelange militärische Nutzung, die rollenden Panzer und Transportkonvois sorgten dafür, dass das offene Gelände erhalten blieb. Mit gut fünf Quadratkilometern Größe ist es noch heute die größte Wüstenfläche Deutschlands.

Die Tribüne auf dem Generalshügel entstand für das Manöver Waffenbrüderschaft im Jahr 1970. Damals bewegten sich 50 000 Soldaten aus den Warschauer-Pakt-Staaten durch Wüste und Heide. Leonid Breschnew, Partei- und Staatschef der Sowjetunion, und Erich Honecker sahen vom dort dem Spektakel zu. 1992 zogen die russischen Streitkräfte ab. Doch die Spuren der Militärs sind noch lange nicht verschwunden. Tausende Hektar des Areals gelten als munitionsverseucht. Das erschwert  die Löscharbeiten bei Waldbränden. Sicher sind die Wege, auf denen man durch Teile des Areals geleitet wird. Im Sukzessionspark kann man nachverfolgen, wie die Natur zurückkehrt. Zuerst wachsen Moose und Gras im Wüstensand, kleine Kiefern und Birken rücken immer weiter vor. Aus der Wüste wird Steppe, später aus dem Pionier- ein Mischwald. Und die Tiere kommen zurück. Spinnen und Insekten, sogar die Italienische Schönschrecke wurde schon gesichtet. Adler kreisen über dem Platz, Wolfsrudel fühlen sich ungestört. Die Elche werden wohl auch künftig nur zu Gast in der Lieberoser Heide sein.

Der Sukzessionspark Lieberoser Heide liegt direkt an der B168, rund fünf Kilometer hinter dem Ortsausgang Lieberose in Richtung Peitz. Am Ausblick gibt es einen Parkplatz, Wege sind gut markiert. Es gibt viele Informationstafeln.

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