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Energieversorgung
Bauarbeiten am Umspannwerk E.DIS in Letschin laufen nach Plan

(vl.) Christian Schumacher, Marcus Brüning und Karsten Paape vor dem Umspannwerk von Edis.
(vl.) Christian Schumacher, Marcus Brüning und Karsten Paape vor dem Umspannwerk von Edis. © Foto: Ina Matthes/MOZ
Ina Matthes / 28.04.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 28.04.2020, 07:22
Letschin (MOZ) Vier Männer, vier Autos. Die E.DIS-Mitarbeiter sind jeweils allein im Auto zum Umspannwerk nach Letschin (Märkisch-Oderland) gefahren - Coronavorschrift. In Letschin wird ein neuer Transformator installiert. Auf der Baustelle gilt die Zwei-Meter-Abstandsregel.

Nur wenige Arbeiter sind zu sehen. Vor allem sind es Beschäftigte einer Zwickauer Firma, die derzeit auf dem Gelände arbeiten, sagt Marcus Brüning. Der Wirtschaftsingenieur koordiniert als E.DIS-Projektleiter das Baugeschehen. "Außerdem haben wir externe Sicherheitskoordinatoren", sagt er. Sie sind nicht bei E.DIS, sondern bei unabhängigen Firmen beschäftigt.

Leitstellen besonders gesichert

Das Umspannwerk wird erweitert – neben den beiden älteren Transformatoren wird ein dritter, neuer angeschlossen. Der 70-Tonnen-Koloss wurde in Mönchengladbach hergestellt und  mit einem holländischen Spezialtransport geliefert. Trotz der Corona-Pandemie läuft es auf der Baustelle. Die Firmen, die die Arbeiten ausführen, seien froh, ihre Leute beschäftigen zu können, heißt es. Alle Lieferungen seien angekommen. "Wir hatten keinen einzigen Tag Stillstand", sagt E.DIS-Sprecher Horst Jordan.

Etwa 80  Umspannwerke betreibt das Unternehmen in Ostbrandenburg. 2500 Mitarbeiter sind in der gesamten E.DIS-Gruppe beschäftigt. Eine zentrale Krisenorganisation hat die Situation im Blick. Das ist ein Team von 20 Führungskräften, das sich über Videokonferenzen koordiniert. Pandemiepläne gibt es bei E.DIS schon seit Jahren, erzählt Horst Jordan, seit  der Zeit, als Epidemien wie Schweinegrippe und Sars die Welt heimsuchten. Die Notfallpläne konnten jetzt aus der Schublade gezogen werden. "Das war ein großer Vorteil."

Schichtbetrieb von zwölf Stunden

Besonders schutzbedürftig sind die Netzleitstellen in Potsdam und Bentwisch bei Rostock, von wo der Betrieb des Stromnetzes gesteuert wird. Der persönliche Kontakt zwischen den Mitarbeitern aus Rostock und Potsdam ist unterbunden. Der Schichtbetrieb ist von acht auf zwölf Stunden umgestellt – so dass sich Mitglieder der Teams innerhalb der Leitstellen weniger begegnen. Falls sich die Situation kritisch zuspitzt, sind für sie Quarantäne-Pläne vorbereitet. Dann würden die Mitarbeiter nicht mehr nach Hause fahren, sondern in Pensionen untergebracht. So sollen sie geschützt, und der Betrieb soll gesichert werden.

Der Energiedienstleister hat erst 2019 in die Modernisierung der Leitstellen investiert. Fällt eine aus, kann die andere jetzt das Gesamtnetz über eine längere Zeit steuern.  Zwischenzeitlich hätte es in der Gruppe Corona-Fälle gegeben, "im niedrigen einstelligen Bereich", sagt Jordan. "In der gesamten E.DIS Gruppe gibt es derzeit null Erkrankte." Wie andere Firmen auch, versucht der Energiedienstleister, die sozialen Kontakte durch Homeoffice zu minimieren. Kantinen sind umgebaut worden. Es wird öfter geputzt, und es sind große Mengen Desinfek­tionsmittel eingekauft worden.

Mehr als zwei Millionen Euro für Erweiterung des Werkes

Die werden auch auf Baustellen geliefert wie die Letschiner. Die Arbeiten haben schon im Oktober begonnen. Mehr als zwei Millionen Euro steckt der Netzbetreiber in die Erweiterung des Letschiner Werkes. Die beiden Transformatoren reichten nicht mehr aus für die stetig steigenden Mengen an erneuerbarem Strom, die ins Netz eingespeist werden. Das Umspannwerk wandelt zum Beispiel Strom von Windkraftanlagen oder dem nahen Letschiner Solarpark von 20 KV Mittelspannung auf 110 KV Hochspannung. In Spitzenzeiten übersteigt die Einspeisung laut E.DIS deutlich den Verbrauch in der Oder-Region.

Derzeit  wird viel Grünstrom produziert. Die Sonne scheint, der Wind weht – und die Wirtschaft liegt wegen der Coronakrise brach. Im Vergleich zu Nicht-Corona-Zeiten registriert E.DIS in ihrem Netz tagsüber regelmäßig eine deutlich gesunkene Stromabnahme von etwa 70 Megawatt, vor allem bei den Großabnehmern im gewerblichen und industriellen Sektor. So sei der  Absatz an einigen Apriltagen punktuell um etwa zwölf Prozent   zurückgegangen, teilt E.DIS mit. Das entspreche einer Leistung, mit der man Großstädte wie Potsdam versorgen könnte. Teilweise würde der Rückgang aber von den Haushaltskunden nahezu ausgeglichen. Wochentags zwischen 10.30 Uhr und 12.45 Uhr steigt der Verbrauch. Dafür fallen die üblichen morgendlichen Spitzen weg. Der Anstieg der Stromabnahme zwischen 5 und 8 Uhr verläuft deutlich flacher– wie in den Ferien.

Das Letschiner Umspannwerk ist auch dafür da, dass überschüssiger Strom abtransportiert werden kann – Richtung Bayern. Mitte Juli soll der neue Transformator in Betrieb gehen.

80.000 Kilometer Stromleitungen

Die E.DIS Gruppe hat ihren Hauptsitz in Fürstenwalde. Sie bietet mit ihren Töchtern Dienstleistungen  an  – vom Betrieb von Strom- und Gasnetzen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern über Telekommunikation bis hin zu Wärmeversorgung. E.DIS betreibt Stromnetze mit einer Länge von insgesamt rund 80.000 Kilometern. Daran sind etwa 1,3 Millionen Haushalte und Unternehmen angeschlossen. Das Netzgebiet reicht vom Fläming bis an die Ostsee. Die E.ON Beteiligungen GmbH besitzt die Aktienmehrheit an der E.DIS AG. Kommunale Aktionäre sind gleichfalls beteiligt.⇥red

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