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Historisches
Als olympische Wasserballer in Nauen trainierten

Helmut Augustiniak / 03.05.2020, 07:00 Uhr
Nauen Das Badewesen hat eine über tausend Jahre alte Tradition. Baden hat schon den Germanen viel Freude gebracht. Der christliche Missionar Bonifatius setzte dem ein Ende. Die Kreuzritter brachten es als feine modische Sitte aus dem Orient wieder mit nach Deutschland. Es dauerte nicht lange, da plätscherte es in allen Höfen, Burgen und Bürgerhäusern in Zubern, Wannen und Bottichen. So ging es fast 400 Jahre lang. Kurz nach 1500 war die Blütezeit vorbei. Die Syphilis brach über Europa herein. Das war das erste Geschenk des neuentdeckten Kontinents Amerika.

Es dauerte bis zur Aufklärung, bevor Bäder für die Bevölkerung entstanden. Vorrangig waren es Hallenbäder, aber zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auch Freibäder eingerichtet. Jede Kommune, die etwas auf sich hielt, baute ein Bad für ihre Bürger.

Das erste Nauener Freibad bestand fast genau 40 Jahre. Am 7. Juli 1922 zeigte der Magistrat von Nauen an, dass die "Badeanstalt in den Schlangenhorstwiesen am Havelländischen Hauptkanal für dieses Jahr verpachtet wird". Ein Pächter fand sich schnell und am 12. August wurde das Freibad eröffnet. Die öffentliche Nutzung begann am 13. August 1922. Die Öffnungszeiten wurden von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr festgelegt. Die Benutzungspreise betrugen für Erwachsene 0,50 RM ohne Zellenbenutzung und 1,00 RM mit Zellenbenutzung, adäquat dazu für Kinder 0,20 RM und 0,50 RM.

1923 wird vom Magistrat zur Verschönerung des Freibades Geld bereitgestellt. Zwischen den Badehäusern wurden Tannen gepflanzt und an den Rändern, vor der Einzäunung, verschiedene andere Baumarten. Die Gäste des Bades sollten damit vor den kalten östlichen Winden geschützt werden, gleichzeitig sollte das Bad ein gefälligeres Aussehen erhalten.

Schon ein Jahr später erfolgte die Ausschreibung für einen Erweiterungsbau in der Anlage. 1927 hatte das Bad weitere 16 Badezellen erhalten. Die Badezeiten wurden von 7.00 Uhr bis 20.00 Uhr festgelegt, von 8.00 Uhr bis 10.00 Uhr war es ausschließlich für Damen geöffnet. Nur der Bademeister war berechtigt, sich die Schönen anzuschauen. Das Nauener Freibad war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Bei schönem Wetter und an Sonn- und Feiertagen besuchten bis zu 300 Badelustige die Anlage.

1936 stand die Olympiade in Berlin ins Haus. Die Bevölkerung der berlinnahen Städte und Dörfer wurde aufgefordert, ihre Orte zu säubern und die Häuser und Anlagen zu verschönern. Überraschenderweise rückte das Nauener Freibad in den Fokus des Olympischen Komitees. Am 25. Juni 1936 besuchte der japanische Attaché die Anlage, um sich über die Trainingsmöglichkeiten der japanischen Wassersportler in Nauen zu informieren. Er verließ den Bademeister Ernst Schulze mit der Bemerkung, dass in Erwähnung gezogen wird, die japanischen Wasserballer und die Schwimmer in Nauen trainieren zu lassen.

In der Folgezeit blieben die Schwimmer aber zum Training in Berlin, nur die Wasserballer hatten Interesse an Nauen. Am 29. Juli wurde plötzlich ein Wasserballspiel der Uruguayischen Mannschaft angesetzt. Sie spielte gegen den VfL Nauen. In den osthavelländischen Medien wurde vor allem bemerkt, dass der Torwart der Gäste mit Nachname Kliche hieß. Sein deutschstämmiger Großvater wanderte im 19. Jahrhundert nach Uruguay aus. Der Kreisleiter der NSDAP, Grüneberg, bemerkte, dass die personelle Zusammensetzung der Mannschaft aus Uruguay rassisch doch sehr unterschiedlich sei. 700 Zuschauer wohnten dem Spiel bei. Die Uruguayer gewannen mit 11:0. Von den 16 Wasserball-Olympiamannschaften trainierten sieben in Nauen. Durch dieses Ereignis hatte der Wasserballsport in Nauen einen großen Auftrieb bekommen.

Das Freibad war in der Nauener Bevölkerung sehr beliebt. Ein großer Teil der Nauener Bürger verdankt dem legendären Bademeister Ernst Schulze, liebevoll Onkel Ernst genannt, sein Freischwimmerzeugnis. Schulze betrieb mit seiner Ehefrau das Bad bis 1962. Für den Eintritt wurden 10 Pfennige gezahlt.

Der Zahn der Zeit nagte an den Anlagen des Bades. Die Ansprüche an ein modernes Freibad konnten nicht mehr erfüllt werden. So entstand in den Jahren 1962 bis 1964 mit großer Unterstützung der Nauener Zuckerfabrik das heutige Freibad in der Karl-Thon-Straße.

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