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Bahn-Hobby
Ziegeleibahn Herzfelde feiert ohne Gäste

Uwe Spranger / 05.05.2020, 16:43 Uhr
Herzfelde (MOZ) Der  genaue Jubiläumstag liegt inzwischen schon ein wenig zurück. Am 27. April 2010 hatte sich eine Schar Feldbahninteressierter im Verwaltungsgebäude der Firma Heim in der ehemaligen Ziegelei eingefunden, um den Verein Ziegeleibahn Herzfelde zu gründen.

Von den acht damaligen Gründungsmitgliedern gehören ihm heute noch sieben an. Dazugestoßen sind acht weitere Mitstreiter sowie eine Reihe von Unterstützern aus nah und fern, die auch ohne feste Bindung beispielsweise zu Arbeitseinsätzen kommen, berichtet Frank Engel, der Vereinsvorsitzende.

Wie er sich erinnert, hätten sich die Schmalspurenthusiasten aus der Region über ein Internetforum zusammengefunden. 2008 habe es eine erste gemeinsame Aktion in Bad Freienwalde gegeben. Dort sei eine tote Strecke der früheren Klosterziegelei freigelegt und befahren worden. "Das hat so einen Spaß gemacht, dass wir dann in der Umgebung nach weiteren derartigen Strecken gesucht haben. Dabei sind wir auf Herzfelde gestoßen", erzählt der Woltersdorfer. Man habe die Firma auf dem Gelände des ehemaligen Baustoffkombinats "Rotes Banner" kontaktiert und offene Ohren gefunden, so dass Ende 2009 Teile der alten Strecken freigelegt  und genutzt werden konnten. "Es war zwar damals sehr idyllisch, mit viel Grün, aber die Schwellen waren vermodert, die Gleise wurden nur noch vom Dreck zusammengehalten", erzählt Engel. Den damals freigeschnittenen "Pflaumenbaumtunnel" gibt es übrigens noch immer.

Nach diesem Auftakt sei über eine "dauerhafte Sache" gesprochen und mit dem Juniorchef der Firma der Verein aus der Taufe gehoben worden. Anfangs habe man auch mit den Eignern auf der anderen Straßenseite verhandelt. Denn die Strecke führte durch eine Brücke unter der Straße hindurch, dann im Linksbogen zu dem alten Viadukt, an dem später die IFA-Treffen stattfanden, bis sie zu groß wurden, und von dort in die ehemalige Tongrube. Bis Anfang 1990 sei diese noch in Betrieb gewesen. Allerdings habe man den dortigen Chef nicht als Partner gewinnen können. Und mittlerweile ist auf Betreiben des Landesbetriebes Straßenwesen auch die Brücke verschwunden. Die war marode, hätte sonst erneuert werden müssen.

Deswegen sei die Strecke "gedreht" worden, führt heute am Rand des Betriebsgeländes in Richtung Kreuzung mit der neuen B 1.  Auch sonst hat sich viel verändert auf dem Areal. Sämtliche Gleisanlagen sind erneuert, ergänzt und teilweise umverlegt worden. Durften zuerst nur leichte Loks auf den Gleisen rollen, sei heute der Betrieb wieder "vollumfänglich" möglich, hebt Engel hervor. Der Lokschuppen ist in Schuss gebracht, davor erst im vergangenen Jahr ein Umsetzgleis fertig geworden.

Drei große Loks und eine Kleine sowie einige Loren stammen aus Herzfelder Beständen. Einige Wagen, die zwischenzeitlich an die Parkbahn Berlin-Wuhlheide gegangen waren, sind wieder zurück, einiges ist aus Wracks neu aufgebaut worden. Allerdings habe der Gleisbau bislang Vorrang vor den Fahrzeugen gehabt, verdeutlicht der Vereinschef. Manches an rollendem Material bringen auch Mitglieder mit. Denn Ziel ist es, historisches Feldbahnambiente authentisch zu erhalten, bis hin zu Kleidung, Mützen und Taschen. Das hat der Verein bei seinen Fahrtagen auch Besuchern nahe gebracht. Bis zu 300 Gäste seien zu besten Zeiten gekommen, zuletzt jeweils im Schnitt 100 pro Veranstaltung. Engel ist über die geringere Zahl gar nicht böse: "Da kommt man besser mit den Leuten ins Gespräch", sagt er. Dieses Jahr ist der Fahrtag – normalerweise um Pfingsten – aber erst einmal wegen der Corona-Unwägbarkeiten gestrichen. Wie Versammlungen und Einsätze. Und es konnte auch niemand zum Jubiläum gratulieren.

Einsatz auch im Museumspark

Unklar ist derzeit auch, wann es im Museumspark Rüdersdorf weitergeht, wo der Verein zunächst testweise mit einer mobilen Anlage zu Gast war und seit 2018 eine feste Strecke aufbaut. Die reicht inzwischen von der Schachtofenbatterie bis zum Karpfenteich, knapp 250 Meter. Zu Halloween 2019 hatten mehr als 600 Gäste die Möglichkeit zu einer Tour genutzt. Im Park stehe Personenverkehr im Mittelpunkt, sagt Engel. Dennoch müsse die Strecke nicht als Bahn betrieben, sondern könne ähnlich wie ein Schaustellerbetrieb aufgezogen werden. Die Versicherung würde nach seiner Schätzung etwa 1000 Euro im Jahr kosten, für die Komplettierung des "Bahnhofs" Karpfenteich mit Weichen und Gleisen für einen ordentlichen Fahrbetrieb wären ca. 15 000 Euro zu veranschlagen. Bislang kann die Lok mit maximal zwei Wagen fahren, da sonst beim Schieben auf dem Rückweg die Gefahr des Entgleisens zu groß würde.

Vom Bahnhof sollte es ursprünglich noch weitergehen bis zum freien Platz in der Nähe des Tiergeheges. Die Feldbahner hätten indes lieber eine Strecke an der Tagebaukante bis zu den Rumfordöfen am Eingang. "Dann wären wir natürlich bei weit mehr als den 15 000 Euro", ist sich Engel bewusst. Zuletzt hätten aber der Förderverein und Sponsoren kräftig unterstützt, lobt er. Durch den Geschäftsführerwechsel bei der Rüdersdorfer Museums- und Kultur GmbH müsse man nun aber erst einmal abwarten. Auch durch Corona und die Folgen.

"Ich hoffe, dass bald wieder Vereinsaktivitäten möglich werden", sagt der 51-Jährige. Zwar hätten es Feldbahner nicht unbedingt eilig, weil "der Weg das Ziel" sei, aber er vermisse die Treffen und den Austausch.

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