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Corona
Baufirmen suchen trotz Krise weiter Leute – Arbeitsagentur startet Jobinitiative

Einen schönen Garten wollen sie alle: Oliver-Gordon Barth (links) und Niels Stanski von der Bergfelder Baufirma "fbs" können sich über zu wenig Arbeit zurzeit nicht beklagen. Sie suchen dringend Verstärkung.
Einen schönen Garten wollen sie alle: Oliver-Gordon Barth (links) und Niels Stanski von der Bergfelder Baufirma "fbs" können sich über zu wenig Arbeit zurzeit nicht beklagen. Sie suchen dringend Verstärkung. © Foto: Tilman Trebs
Tilman Trebs / 06.05.2020, 19:44 Uhr - Aktualisiert 06.05.2020, 20:01
Bergfelde (MOZ) Fast jedes dritte Unternehmen im Land hat inzwischen Kurzarbeit für seine Beschäftigten angemeldet. Die Arbeitslosigkeit ist in der Corona-Krise deutlich gestiegen. Experten sehen Deutschland auf dem Weg in eine tiefe Rezession. Trotzdem wird das Wort Fachkräftemangel wohl nicht so schnell aus dem Wortschatz verschwinden.

Die Pandemie konnte dem Bau, zum Beispiel, bislang wenig anhaben – von Lieferengpässen bei Baustoffen mal abgesehen. "Wir brauchen durchaus noch Verstärkung und würden gern weitere Mitarbeiter einstellen", sagt Niels Stanski, der mit Oliver-Gordon Barth und Fabian Friedrich die Baufirma "fbs" in Bergfelde betreibt. Ihr Geschäft ist der Bau von Straßen und Wegen und die Gestaltung von Außenanlagen und Grundstücken. Als die Corona-Pandemie Mitte März  das öffentliche und wirtschaftliche Leben im Land von einer Woche auf die nächste lahmlegte, fürchteten viele Unternehmer in der Branche, dass auch private Auftraggeber nicht unbedingt notwendige Investitionen verschieben. Und die Betriebe selbst taten das auch. Die Bergfelder, die ihre Firma erst im vergangenen Jahr gründeten, wollten jetzt eigentlich ihren Lagerplatz bauen. "Das haben wir erst mal verschoben. Wir wussten ja auch nicht, was wird."

Der Einbruch ist ausgeblieben. Die Auftragslage für die Baufirma ist zum Saisonbeginn sogar besser als im vergangenen Jahr. "Nach der ersten  Angst haben sich alle wieder etwas entspannt. Die meisten gehen davon aus, dass sie die Krise überstehen", hat Oliver-Gordon Barth beobachtet. Und nicht nur das. "Jetzt, wo viele Leute viel Zeit in ihrem Garten verbringen, sehen sie, was zu tun ist oder noch schöner werden könnte, und rufen die Garten- und Landschaftsbauer an."

Geld scheint im Moment eher nicht das Problem zu sein. "Einige Kunden haben uns gesagt, dass sie jetzt das Geld in ihr Grundstück investieren, das eigentlich für den nun gestrichenen Sommerurlaub eingeplant war." Zurzeit verschönern Barth und Stanski eine Poollandschaft in Berlin-Frohnau. "Wir leben natürlich auch von unserer Lage", sagt Oliver-Gordon Barth. "Die wirtschaftliche Situation ist hier für viele noch besser als in Mecklenburg-Vorpommern."

Die Kehrseite: "Wir können im Moment gar nicht alle Aufträge annehmen, weil wir nicht genug Kräfte haben", sagt Barth. Ihm und Stanski stehen auf den Baustellen noch zwei Mitarbeiter zur Verfügung. Zwei weitere hätten sie schon gern. "Wir erwarten nicht unbedingt einen Facharbeiterbrief. Handwerkliches Geschick, eine gewisse Begeisterung für unseren Beruf und gute Umgangsformen sind uns wichtig", sagt Niels Stanski.

Helfen könnte eine neue Initiative der Arbeitsagentur. "jobsNow" soll Menschen, die wegen der Corona-Krise entlassen oder auf Kurzarbeit gesetzt wurden, zusammenbringen mit Firmen, die dringend Verstärkung suchen. "Anhaltenden Fachkräftebedarf haben wir ja nicht nur auf dem Bau, sondern unter anderem im Lebensmittelhandel, der im Moment ja gut zu tun hat", erklärt Christoph Fischedick von der Arbeitsagentur in Oranienburg. Die Geschäftsführerin der auch für Oberhavel zuständigen Arbeitsagentur in Neuruppin, Beate Kostka, sagt: "Wir sind auf der Suche nach Menschen, die Lust haben, mit anzupacken. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Beruf sie bisher ausgeübt haben." Es sei auch egal, ob man gerade arbeitslos, in Kurzarbeit, im pausierenden Studium oder auch  schon im Ruhestand sei, so Kostka.

Seit dem Start am 9. April haben die Unternehmen aus Oberhavel, der Prignitz, Ostprignitz-Ruppin sowie dem Havelland im Rahmen der Aktion insgesamt 70 Stellen gemeldet. Erste Beschäftigungsverhältnisse seien bereits entstanden, auch im Minijobbereich, berichtete die Arbeitsagentur. Damit nutzen Arbeitskräfte teilweise auch die Gelegenheit, ihr Arbeitslosengeld oder auch Kurzarbeitergeld aufzustocken."

Informationen zu "jobsNow" gibt es telefonisch unter 03391 692000 oder im Netz unter der Adresse: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/neuruppin/content/1533736674525

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

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