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Corona-Krise
EJB am Werbellinsee verzeichnet Millionenverluste

Marco Marschall / 08.05.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 08.05.2020, 06:49
Joachimsthal (MOZ) Die größte Bettenburg des Landkreises Barnim gleicht in diesen Tagen einer Geisterstadt. Auf den Freiflächen und in den Herbergsgebäuden ist kein Laut zu hören. Stattdessen hat es auf dem nahezu menschenleeren Gelände seit Ostern zehn Einbrüche gegeben, bei denen unter anderem Musik- und Videotechnik gestohlen wurde.

Die Schließung aufgrund der Corona-Pandemie trifft die Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte am Werbellinsee (EJB) zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. "Normalerweise haben wir jetzt Hochsaison und wären fast voll belegt", sagt Geschäftsführer Gordon Berghof. Und "fast voll" bedeutet im Falle der Einrichtung 1000 Gäste. Gesamtkapazität: 1200 Betten.

Hauptgeschäft Klassenfahrten

Wie in sämtlichen Übernachtungsbetrieben hat auch die EJB schon seit 18. März ihren Betrieb fast gänzlich eingestellt. Doch gerade jetzt ist die Zeit von Klassen- und Abschlussfahrten. Schulklassen machen das Hauptgeschäft des Joachimsthaler Ferienbetriebes aus. Etwa 80 Prozent, die nun weggebrochen sind – möglicherweise noch über den Zeitpunkt der in Aussicht gestellten Lockerungen hinaus.

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Gordon Berghof kann das Ausmaß der Krise fürs EJB auf den Cent genau beziffern. 2.091.634,50 Euro würden die Verluste für die Anlage zum Beginn der laufenden Woche betragen. Eine Woche, an deren Ende immerhin eine Perspektive steht. Am Mittwoch hat die Landesregierung weitere Lockerungen hinsichtlich der Corona-Beschränkungen angekündigt. Am heutigen Freitag soll die entsprechende Verordnung folgen. Hotels sollen ab dem 25. Mai wieder öffnen dürfen und Ferienwohnungen vermietet werden.

Eine Perspektive, die der EJB-Geschäftsführer begrüßt, die die Einrichtung fürs weitere Überleben aber auch bitter nötig gehabt habe. "Auf ein solches Signal warten wir seit Wochen", sagt er. Denn die Pacht fürs Gelände, das der WS Werbellinsee GmbH und Co. KG gehört, müsse weiter gezahlt werden. Bislang käme nur das Geld für die Stornogebühren rein, die von den meisten bereitwillig gezahlt werden. Auch weil Schulen sich das Geld vom Land zurückholen könnten. 60 000 Euro Soforthilfe seien schnell aufgebraucht, das in Aussicht gestellte KfW-Darlehen von maximal 800.000 Euro kaum eine Hilfe, da es ja auch wieder zurückgezahlt werden müsse, meint Berghof.

81 der insgesamt 87 Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit und zum überwiegenden Teil zu Hause. Sie werden mit Lockerung der Maßnahmen nun nach und nach wieder reaktiviert. Noch ist nicht klar, wie genau der Betrieb in der EJB nach dem 25. Mai anlaufen wird. "Aber wir sind vorbereitet", sagt Gordon Berghof. Abstandschilder und Schutzutensilien sind bestellt.

Trotz der Perspektive für die nächsten Wochen und Monate ist allerdings offen, wie das Geschäft für den Rest des Jahres laufen könnte. Was Veranstaltungen betrifft, fehlt weiterhin die Aussicht auf Normalität. 89.000 Übernachtungen waren für 2020 eigentlich vorgesehen. Mit Stand zu Wochenbeginn sind es noch 40.000 – "allerdings in der Schwebe" wie Gordon Berghof betont.

Optimismus im Ringhotel

Auf der anderen Seite des Werbellinsees, im Ringhotel Schorfheide, bleibt Geschäftsführer Bernd Kanzow trotz Krise optimistisch, wenn es um die Entwicklung des Tourismus in der Schorfheide geht. Das Bettenhaus und Tagungszentrum zählt mit 82 Zimmern ebenfalls zu einem der größeren Übernachtungsbetriebe im Barnim. Die Hotels an der Ostsee, bemerkt Kanzow, seien im Rahmen des dort Erlaubten schon ausgebucht und auch in die Schorfheide werde es die Urlauber wieder ziehen. "Wir haben ein tolles Areal und den Werbellinsee", gibt er froher Erwartung zu bedenken.

Derzeit verzeichne sein Hotel nur drei bis fünf Gäste am Tag. Es handelt sich um Übernachtungen von Dienstreisenden, die mit Bescheinigung des jeweiligen Arbeitgebers auch in den zurückliegenden Wochen immer erlaubt waren. Die fielen zwar kaum ins Gewicht, doch sei es laut Kanzow besser zu zeigen, dass man geöffnet hat, als die Schotten komplett dicht zu machen. Gleichwohl sind auch die Verluste des Hotels erheblich. "Der März war noch okay. Da mussten wir nicht so viele Federn lassen. Doch für April, Mai und Juni rechnen wir mit Umsatzeinbußen von 600.000 Euro", so der Geschäftsführer. Alle 42 Mitarbeiter der Hotels befinden sich derzeit in Kurzarbeit.

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