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Schlosspark
Ein Schachbrett mit Zitrusfrüchten

Auswintern in Rheinsberg: Bäumchen für Bäumchen werden die Kübel aus dem Winterquartier in den Schlosspark gebracht. Die Schlossgärtner müssen dabei sensibel mit den empfindlichen Pflanzen vorgehen.
Auswintern in Rheinsberg: Bäumchen für Bäumchen werden die Kübel aus dem Winterquartier in den Schlosspark gebracht. Die Schlossgärtner müssen dabei sensibel mit den empfindlichen Pflanzen vorgehen. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 26.05.2020, 18:15 Uhr
Rheinsberg Es ist eine Zeremonie: Mitte Mai, wenn die Eisheiligen vorüber sind, steht die Auswinterung der Pflanzen auf dem Arbeitsplan der Rheinsberger Schlossgärtner. Neben den Lorbeeren und einigen exotischen Kübelpflanzen sind es vor allem die Zitrusbäumchen, die dann im Schlosspark aufgestellt werden.

So war es auch in den vergangenen Tagen. Nachdem die Zitrusbäumchen im Gewächshaus neben der Orangerie überwintert hatten, wurden sie ins sogenannte Orangerie-Parterre unterhalb der Sphinxtreppe transportiert, wo sie auf einer schachbrettartigen Anlage platziert wurden. Grit Döring war zufrieden. Die gelernte Zierpflanzengärtnerin arbeitet seit 2003  in der Rheinsberger Schlossgärtnerei. Sie ist die Chefin der Orangerie und des Gewächshauses und für die Kübelpflanzen verantwortlich. Das notwendige Wissen hat sich die Gärtnerin auf Fachtagungen und Lehrgängen angeeignet. Sie sorgt dafür, dass die kostbaren Pflanzen unter den richtigen klimatischen Bedingungen gedeihen.

Den Wuchs kontrollieren

Auch jetzt, wo Kübel für Kübel mit dem Zitrus aus dem Gewächshaus geholt wurde, kontrollierte sie Wuchs und Zustand. Selbst unter die Kübel ging der Blick, weil dort im Winter oft Pilze wachsen, die entfernt werden müssen. Das Augenmerk galt auch den Löchern in den Kübeln. "Sie müssen frei sein, damit sich keine Staunässe bilden kann", erklärte die Fachfrau.

Insgesamt wurden 52  Zitruspflanzen auf dem Schachbrett positioniert. Dabei handelt es sich um 13 Bitterorangen, die auch unter der Bezeichnung Pomeranzen bekannt sind. Außerdem sind es 13 römische Limetten, 13 süße Orangen und 13 Volkamer-Zitronen. Jeweils vier der kostbaren Pflanzen jeder Art werden als Reserve zusätzlich aufbewahrt.

Die zum Rheinsberger Schloss gehörende Gärtnerei ist eine der noch am besten erhaltenen Anlagen ihrer Art. Sie entstand im 18. Jahrhundert, als Prinz Heinrich von Preußen in Rheinsberg Hof hielt. Besonders das noch vorhandene Gärtnerhaus, eine Torfscheune, die Orangerie und einige Wirtschaftsgebäude sind geschichtsträchtige Zeugnisse der früheren Gartenarchitektur.

Die Anlage hat im Laufe der Jahre zahlreiche Veränderungen erfahren. Aber es wurden auch durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erhebliche Mittel aufgewandt, um das Ensemble in seiner Gesamtheit zu erhalten und die Arbeitsbedingungen der Schlossgärtner zu verbessern. Besonders in den 1970er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erfuhren der Park und  die Gärtnerei eine Aufwertung.

Allerdings war der damalige Pflanzenbestand ein buntes Sammelsurium exotischer Gewächse, zu denen Granat-  und Feigenbäume, Oliven, Oleander, Myrten und andere  Pflanzen gehörten. Als 1994 die Schlösserstiftung den Park mit der Gärtnerei von der Stadt übernahm, setzte ein Umdenken ein, indem die Gartendenkmalpfleger mehr Wert darauf legten, dass die Parkarchitektur nach dem historischen Vorbild wieder hergerichtet wird.

Das hatte zur Folge, dass 2000 das Schachbrett im Orangerie-Parterre eingerichtet wurde und erstmals 52 Zitrusbäumchen aufgestellt wurden. Doch 2009 passierte ein großes Unglück – über die Hälfte des Bestandes an Zitrusbäumen überlebte den Winter nicht. Grund war die Erde, die extra für die Kübelpflanzen gekauft worden war. In ihr fand man Spuren von Aluminium und einen zu hohen Salzgehalt, was zum Absterben der Bäume führte. Lediglich 24 Bäume überlebten – zu wenig, um das Areal unterhalb der Sphinxtreppe zu füllen.

Aus diesem Grund gingen die Stiftungsgärtner auf die Suche nach neuen  Bäumen und wurden auf Sizilien fündig. Außerdem wurde eine Inventarliste von 1802, dem Sterbejahr des Prinzen Heinrich, als Grundlage genommen, um sich am historischen Bestand zu orientieren. Auch einige Kübelpflanzen, die Prinz Heinrichs Gartenarchitekt Carl Wilhelm Hennert in einem Verzeichnis von 1778 aufführte, wurden als sogenannter Referenzbestand wieder angeschafft.

Eigene Komposterde

Gemeinsam mit ihren Kollegen hat Grit Döring im Mai 2015 die etwa zehn Jahre alten neuen Zitrusbäume eingekübelt. "Diesmal haben wir unsere einige Komposterde verwendet, die vorher geprüft wurde", berichtete die Gärtnerin. Einen Sommer standen dann die Zitruspflanzen noch zur Eingewöhnung an das Klima auf dem Gelände der Gärtnerei. Die ideale Temperatur zum Überwintern liegt bei etwa zehn Grad.  Doch im Gewächshaus kann es bei Sonneneinstrahlung schnell wärmer werden, was dazu führt, dass die Pflanzen zu treiben beginnen. Das die Temperaturen nicht zu  hoch werden, darauf muss Grit Döring achten. Wichtig ist auch das Gießen, wobei es auf die richtige Menge ankommt.

Bevor die Zitruspflanzen im Mai ihren Platz in der Schlossanlage finden, werden sie beschnitten.  "Das Schöne an den Zitrusbäumen ist, dass sie Früchte tragen, aber auch zur selben Zeit blühen. Eigentlich möchten wir das den Besuchern zeigen", erklärte Mathias Gebauer, der zuständige Fachbereichsleiter der Stiftung. Doch die Sache hat einen Haken: "Es gibt Leute, die versuchen, Früchte von den Bäumen zu ernten.  Davor müssen die Pflanzen, die zu einem Gartendenkmal gehören und viel Pflege benötigen, geschützt werden."

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