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Straussee
Bürgerinitiative aus Strausberg kritisiert Gutachten für Straussee

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees, Frank Weber, vermisst im neuen Gutachten Prognosen und Alternativen für den See von Strausberg. Hier mit Vereins-Schatzmeisterin Kerstin Behlau. Beide tragen die blauen Westen der Strausseeretter.
Der Vorsitzende der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees, Frank Weber, vermisst im neuen Gutachten Prognosen und Alternativen für den See von Strausberg. Hier mit Vereins-Schatzmeisterin Kerstin Behlau. Beide tragen die blauen Westen der Strausseeretter. © Foto: Gerd Markert/MOZ
Jens Sell / 27.05.2020, 19:39 Uhr - Aktualisiert 28.05.2020, 11:17
Strausberg (MOZ) Frank Weber ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Rettung des Straussees. Als Vorsitzender der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees hat er sich mit seinen unbequemen Fragen und seiner Ungeduld im Wasserverband Strausberg–Erkner ebenso wie im Rathaus unbeliebt gemacht.

Seit der jüngsten Kommunalwahl bringt er die Interessen der Bürgerinitiative im Ausschuss für Klima und Umwelt zur Geltung und drängt auf zügige Umsetzung von Maßnahmen, um das weitere Sinken des Straussee-Wasserstandes zu bremsen.

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Prognosen vermisst

"Die Beschlussgrundlage, Maßnahmen zu ergreifen, gibt es seit dem 29. September 2016, da wurde die Stadtverwaltung mit der Ursachenforschung und Einleitung geeigneter Gegenmaßnahmen schon beauftragt", sagte Weber am Mittwoch vor der Präsentation des Gutachtens durch das Büro BGD Ecosax Dresden, zu der nur die Stadtverordneten und die Mitglieder des Klima- und Umweltausschusses eingeladen waren. Diesmal hat er ein Dutzend kritischer Fragen gestellt.

Im Grunde hat er zwei Hauptkritikpunkte: Das Gutachten beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Vergangenheit. Es soll doch aber ein mathematisches Modell des Landschaftswasserhaushaltes  zum Ergebnis haben, mit dem sich die Einflüsse bei Veränderungen einzelner Faktoren simulieren lassen. "Kurz gesagt: Es enthält keine Prognose! Wo steht der Pegel in fünf oder zehn Jahren, wenn wir nichts unternehmen? Das wäre doch mal eine spannende Frage!", ruft Weber aus.

2018 war für den Straussee das schlimmste Jahr, er verlor 600 000 Kubikmeter bei einer Gesamtfüllmenge von 14 Millionen Kubikmetern, hat Weber dem Gutachten entnommen. "Wenn wir also 25 Jahre wie 2018 haben und nichts unternehmen, ist der See leer", mahnt er. Der zweite Hauptkritikpunkt: Es werde viel zu wenig Schwerpunkt auf konkrete Maßnahmen zur Rettung des Sees gelegt. "Das einzige wirklich konkrete technisch machbare Projekt, was angeführt wird, ist das unseres Mitglieds Eberhard Hänisch, eine Druckleitung vom Fängersee herüber zu legen", das könne doch nur ein kleiner Teil sein. Natürlich müsse man dabei die ganze Region betrachten. Der Einfluss der Wasserförderung am Wasserwerk Spitzmühle werde nachgewiesen und beziffert, doch seine Senkung werde als Maßnahme recht verschwommen formuliert (s. Infokasten). Die außerdem angeführte Abholzung von Kiefernwald im Einzugsgebiet und Umwandlung in Wiesen sei schon fragwürdig.

Alternativen vermisst

Frank Weber hat seinen zwölf Fragen gleich eine selbst recherchierte Alternative angefügt, die bei der Rettung der Penkuner Seen zum Einsatz kam. Eine temporäre Grundwasserförderung bei großem Dargebot und Einleitung in das Einzugsgebiet des Oberflächenwassers, beispielsweise in den Klostersee nördlich des Torfstichs. Er war auch in Rüdersdorf, wo aus dem Tagebau jährlich zehn Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt und eineinhalb Kilometer vom Wasserwerk Eggersdorf (am Stienitzsee) in den Kriensee geleitet werden. "Hat man das nicht mal untersucht, ob das zur Entspannung der Wasserknappheit im WSE-Gebiet beitragen könnte?", fragt er.

Heute Abend beraten die Stadtverordneten. Im Vorfeld wurde eine Eilvorlage diskutiert, um die Verwaltung noch vor der Sommerpause mit der Einleitung von Maßnahmen zu beauftragen. Weber sagt: Der Auftrag steht doch schon seit 2016.

Aus dem Fazit des Gutachtens

Die vorliegenden Untersuchungen haben gezeigt, dass die beiden Wasserwerke durch Entnahmen östlich und westlich des Sees starken Einfluss auf das Grundwassergefälle und somit die Grundwasserzu- und -abflüsse zum Straussee haben. Die Hauptursache für die Verschärfung der Wasserstandsproblematik stellen jedoch die geänderten klimatischen Bedingungen der letzten Jahre dar. Diesen kann man nicht direkt entgegenwirken. Vielmehr muss versucht werden, die Nutzung der Ressourcen den neuen Rand- und Rahmenbedingungen anzupassen. (www.stadt-strausberg.de/wp-content/uploads)⇥red

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