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Ausflugstipp
Im nostalgischen Schiff "Charleston" über die Oder schippern

Jörg Kotterba / 28.05.2020, 06:30 Uhr - Aktualisiert 28.05.2020, 07:54
Eisenhüttenstadt (MOZ) Das fast 80 Jahre alte Salonschiff "Charleston" schippert in Eisenhüttenstadt über den Oder-Spree-Kanal und auf der Oder.

Trockendock, Schönfließer Brücke, Neuer Hafen, Sinteranlage, Hochöfen, Zugang zu den Pohlitzer Seen: Die Tour mit dem Salonschiff "Charleston" von Eisenhüttenstadt aus in die Umgebung bietet viele spannende Eindrücke. Die im März gestartete und aufgrund der Corona-Pandemie plötzlich ausgebremste "Charleston" nimmt wieder Fahrt auf. Ab 31. Mai legt sie nach der Zwangspause erstmals wieder vom Trockendock ab und schippert gen Ratzdorf. Am Sonntag darauf geht es dann über den Kanal quer durchs Stadtgebiet. Wie schön so eine Fahrt sein kann, durften einige Gäste bereits bei der Premiere vor dem Corona-Shutdown erleben.

Es ist Sonntag, Punkt 14.30 Uhr. Hobby-Kapitän Stephan Materne, im normalen Alltag Steuerberater, löst auf dem Steg am Eisenhüttenstädter Trockendock die faustdicken Taue. Dann schmeißt er im Schiffsführerhaus den 150 PS starken Iveco-Motor an. Mit knapp zehn Kilometern pro Stunde gleitet das nostalgisch anmutende Fahrgast- und Eventschiff übers Wasser. Derweil servieren die Matrosinnen Elisabeth Kulle und Corinna Keck Kaffee und Kuchen. Schiffsjunge und Kulle-Junior Friedrich bringt Deftiges: heiße Bockwurst, kaltes Radler.

Zeitreise in die Goldenen 20er

Das Schiff "Charleston" des "Vereins der historischen Binnenschifffahrt Fürstenberg/Oder", Baujahr 1941, versprüht Eleganz – und erinnert an den US-amerikanischen Gesellschaftstanz der 1920er-Jahre. Der holzverkleidete Salon bietet 32 Plätze im Stil alter U-Bahnen. Nostalgische Atmosphäre schaffen auch ungezählte Schwarz-Weiß-Fotos an der aufwendig restaurierten Schiffsdecke. Sie verführen zu einer Zeitreise in die angeblich so "Goldenen Zwanziger".

Zwei der Fahrgäste an diesem Sonntag: Sieglinde Hussock und Gabi Strobel. Die beiden Rentnerinnen waren viele Jahre Pädagoginnen an der Otto-Buchwitz-Schule in Eisenhüttenstadt. Jetzt helfen sie in der Zentralen Ausländerbehörde Asylbewerbern, möglichst schnell die deutsche Sprache zu beherrschen. Und das mit Erfolg, wie Shirzai Saltani beweist. Der Flüchtling aus Afghanistan lebt seit 2015 in Ostbrandenburg. Auf der "Charleston" feiert er seinen 21. Geburtstag. "Ich lerne im Autohaus Philipp an der Beeskower Straße Kfz-Mechatroniker", erzählt Shirzai Saltani in sehr gutem Deutsch. Das  Salonschiff sei "sehr schön. Interessant, was links und rechts des Kanals alles zu sehen ist."

Zu den Besonderheiten der "Charleston" zählt, dass sich das Schiffsführerhaus mitten im Salon befindet, so dass der direkte Kontakt zum Kapitän gegeben ist. Die komplett versenkbaren Fenster sorgen bei schönem Wetter für ein offenes Raumgefühl und lassen erfrischenden Fahrtwind durch den Salon wehen. "Das Schiff fuhr erst über den österreichischen Traunsee, dann über den Neckar und schließlich in Berlin auf der Spree. Jetzt soll es regelmäßig auf den Wasserstraßen rings um Eisenhüttenstadt unterwegs sein. Es ist ideal für Hochzeiten, Geburtstage und Motto-Partys; für alle, die eine besondere Location suchen und nostalgisches Ambiente mögen. Für ein Event mit Charme", rührt  Stephan Materne die Werbetrommel. Er ist Vorsitzender des "Vereins der historischen Binnenschifffahrt Fürstenberg/Oder" mit seinen momentan zehn Mitgliedern, da­runter Lebensgefährtin Corinna Keck und Elisabeth Kulle.

Chartern für private Touren

Elisabeth Kulle ist Geschäftsführerin der gleichnamigen Tief-, Wasserbau- und Schifffahrts GmbH in Eisenhüttenstadt, die ihren Sitz am Oder-Spree-Kanal hat. Schifffahrt liegt in der Familientradition, inzwischen in der fünften Generation. Kulles – das ist die letzte Reederei, die es in Eisenhüttenstadt gibt. "Auch aus diesem Grund bemühen wir uns als Verein, die Tradition der Binnenschifffahrt zu bewahren, die in Fürstenberg eine große Geschichte hat."

Die Pause durch die Pandemie war ein Rückschlag. "Ohne unser anderes Standbein hätte uns das wohl das Genick gebrochen", sagt Elisabeth Kulle. Natürlich gibt es auch für die Fahrgastschifffahrt Auflagen. Statt 32 Personen fahren erst einmal nur 15 bis 20 mit, um den nötigen Abstand zu gewährleisten. Die Bewirtung auf dem Schiff wird aber auf jeden Fall bleiben. Elisabeth Kulle rät allen, Tickets vorzubestellen. Der Sonntag ist bereits ausverkauft. "Am Montag machen wir noch eine Sondertour."

Fahrkarten,Touren und Kontakt

Das Salonschiff "Charleston" startet im Normalfall immer sonntags am Trockendock. Los geht es an diesem Sonntag um 13.30 Uhr mit einer Tour  nach Ratzdorf (4,5 Stunden). Diese ist ausverkauft. Auch am 1. Juni gibt es eine Fahrt nach Ratzdorf. Dafür sind noch Restkarten erhältlich. Am darauffolgenden Sonntag ist eine Fahrt auf dem Oder-Spree-Kanal geplant – vorbei an ArcelorMittal und durch die Zwillingsschachtschleuse. Diese Fahrten beginnen um 14.30 Uhr. Der wöchentliche Wechsel bleibt. Zudem kann das Schiff für Firmen- oder Privatfeiern gechartert werden. Die Preise pro Fahrt und Person betragen 19,80 bis 27,50 Euro – je nach Strecke.

Weitere Infos auf www.hütte-schiff.de. Reservierungen: per Telefon 03364 283130 oder per E-Mail: info@fgs-ms-charlston.de

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